Die östreichische Monarchie. 847
Jahre 1852 eine Partie Eisenröhren für eine städtische Wasserleitung. Die böh-mischen Eisenwerke wollten nur in einer ungehörig langen Frist die verlangte Waareliefern. Da wandte sich die Gemeinde nach England, und erhielt von hier die Roh-ren nicht nur viel früher, sondern auch trotz des langen Transports verhältnismäßigwohlfeiler geliefert, als in der eigenen ciscnreichen Provinz möglich war. Und dieErklärung dieser auffallenden Stagnation? Sie liegt in allen Jndustricberichten offenzutage.
Bei der ursprünglichen Anlage der meisten Eisenwerke hatte man vorzugsweisejene Gegenden ausgesucht, in denen das Brennmaterial, d. h. das Holz, am billig-sten war, wenn auch die Erze und der als Zuschlag dienende Kalkstein oft meilen-weit auf der Achse zugeführt werden mußten. Die den großen Grundbesitzern ver-mittels der Robot zustehende Verfügbarkeit über zahlreiche Fuhrwerke ließ diesen Übel-stand übersehen. Die erstere Rücksicht ist gegenwärtig gänzlich unpraktisch geworden.Böhmen besitzt nicht mehr jene grenzenlose Forste, um mit ihrer Ausbeulung aus-schließlich die Eisenindustrie fristen zu können: die Holzpreise sind so hoch gestiegen,daß sie eine größere Ausdehnung der Eisenproduction gcwinnlos machen. Der Vor-theil nahegelegenen, wohlfeilen Brennstoffs ist verschwunden, alle andern Übelständesind geblieben, haben sich sogar noch vermehrt. Das ncudeckcr Eisenwerk mußteim Jahre 1851 längere Zeit feiern, weil ihm kein Brennstoff zugeführt wurde; dieWerke von Stiahlau, Rokitzan, Darowa, Nowomislic im pilsencr Kreise stellten dieStabcisenerzeugung ein, und sind kaum im Stande, den reducirten Hohvfenbctriebmit einer aus unreifem und doch theuerm Holze producirten Kohle zu erhalten. ImLichte dieser Thatsachen betrachtet, erscheinen die in den letzten Jahren erstellen hohenGiscnprcisc nicht als ein Jndustriegewinn, sondern als eine unbillige Steuer, die zuGunsten einzelner Producenten auf dem allgemeinen Gewerbgeiste lastet, und dieFederung, den Eingangszoll auf fremdes Roheisen noch weiter, als es im neuenZolltarif der Fall ist, herabzusetzen und den Werthzoll in einen bloßen Con-trolzoll zu verwandeln, vollkommen gerechtfertigt. Die Mittel, der ausländischenConcurrenz zu begegnen, sind einfach: verbesserte Communicationen, sodaß BrennstoffUnd Erz rascher und leichter als bisher ancinandcrkommen, und eine ausgedehntereEinführung des mineralischen Brennstoffs an die Stelle des vegetabilen. Es läßtsich übrigens nicht leugnen, daß in den letzten Jahren der gute Wille, die Eisen-Production zu heben und zu verbessern, mannichfach rege wurde, nur blieb es oft beiden, guten Willen und machte eine schlechte Ausführung der Neformplane den that-sächlichen Erfolg wieder zunichte. Das schlagendste Beispiel däfür ist der schon früherAngeführte Versuch, die im Kreise der radnitzer Kohlengruben gelegenen Schmelz-te» auf' Coaks einzurichten. Wie gewöhnlich bei allen Jndustricunternehmun-8^n des Adels, war die technische Anlage durchaus verfehlt, statt des Gewinnes einSchaden ersichtlich, infolge dessen wieder die Holzkohle zur Anwendung kam.Wenn wir nicht irren, so wurde erst in der jüngsten Zeit wieder die Coaksfeuerung,nachdem alle technischen Mangel beseitigt worden, versucht.
Das böhmische Eisen besitzt nicht die Vorzüge des steirischen und kärntnerEisens, um ungestraft die Rücksicht auf Wohlfeilhcit vergessen zu können. Geradete m den östreichischen Alpcnländern übliche Ausschmelzung der manganhaltigen^raunsteine mit Holzkohlen verleihen dem Producte die berühnite Vortrcfflichkeit.^er englische Cementstahl steht dem östreichischen Schmelzstahle unbedingt nach,welcher überhaupt an Quantität wie an Qualität die gleichnamigen Producte allerEuropäischen Staaten übertrifft. Und selbst hier, obgleich die Ausbeute an Mäch-Wcit nichts verloren hat (Ostreich erzeugt nach den letzten Ausweisen 271000oiilncr Stahl, wovon auf Oberöstreich, Steiermark und Jllyrien ungefähr 260000,^"üwr entfallen), wird die Klage über Mangel an Absatz immer allgemeiner, und> die Eisenindustrie nicht hoch genug entwickelt, um zu verhindern, daß ein Theil^ besten östreichischen Stahls nach England, Frankreich und Belgien wandert, um
dort, zu Fabrikaten verarbeitet, mit erhöhtem Werthe und namhaft vcrtheuert