Die östreichische Monarchie. 869
Ei» »och auffallenderes Beispiel, wie das triester Handels- und das Lstrei-chische-Jndustrieintercffe häufig anseinandergehe», liefert der Jahresbericht der trie-ster Börsendcputatio» von, Jahre 1852. Es heißt daselbst, daß die belgische Mit-bewerbung in Tafel» und Fensterglas auf dem triester Markte sich besonders bemerk-bar mache, wie dies auch aus dem Verhältniß der Einfuhr zur Ausfuhr erhelle.Jene betrug in dem Jahre 1852: 61820 Centner und diese 51800 Centner, alsoum 10020 Centner weniger als die Einfuhr. Die Frage, wohin der Überschußvon 10000 Centner» ging, wollen wir nicht beantworten. Wir haben die Beweisedes Schmuggels hinter die Zolllinie, welcher den triester Kaufleuten so oft vorge-worfen wird, nicht zur Hand. Wir find auch keineswegs in Verlegenheit, die ange-führte ausfallende Thatsache zu erklären. Erstens ist das mit Gasfeuerung erzeugtebelgische Glas wohlfeiler als das östreichische, zweitens sind die Transportkosten desöstreichischen Glases unverhältnismäßig groß; drittens endlich müßte der triester Kauf-mann ein schlechter Nechner, also ein schlechter Kaufmann sein, wenn er es nichtvortheilhafter fände, statt böhmisches oder steirisches Glas auszuführen, belgisches Glasals Rückfracht zu impvrtiren. Mag der Grund da oder dort liegen, will man bil-lig sein, so mnß man die Klagen der östreichischen Industriellen berechtigt finden.Eine unerwartete Unterstützung finden diese Klagen in dem ofsicicllen Berichte deoHandelsministeriums über die Platzvcrhä'ltnisse von Triest und Venedig („Mitthei-lungen über Handel und Gewerbe, herausgegeben von der Direction der administra-tiven Statistik", 1851, Heft IX, S. 410). Dort heißt es wörtlich: „Die Schattenseite Triests bildet die Beschaffenheit seiner Ausfuhren. Sie sind der Men^enach ungenügend und im Ganzen von geringem Werthe. Zwar kommen auf 62'/,Millionen Einfuhr 44'/- Millionen Ausfuhr; doch bleiben von letzterer 20'/, Millio-nen im Jnlandc, und das Ausland, welches für die Einfuhr 51/2 Millionen liefert,empfängt nur 25/, Millionen an Ausfuhr. Aber auch diese Ausfuhr ist meist nachden benachbarten Küsten gerichtet. Während von jenseit der Meerenge von Gi-braltar 26V- Millionen eingeführt werden, beträgt die Ausfuhr nach den Ländern jen-seit der Meerenge nur 6'/- Millionen oder kaum den vierten Theil. Von Amerikawird für 15 Millionen eingeführt, aber nur der sechzehnte Theil (925000 Gulden)ausgeführt. Hier braucht Triest eine dringende Abhülfe, sie ist aber nicht so leicht.Weil die industriereichen Provinzen im Norden der Monarchie liegen, ihre Exporteurein Hamburg finden und dort eine Verbindung mit den transatlantischen Ländernbesitzen, welche häufiger, näher und wohlfeiler ist, als sie Triest bietet. Jener Vor-theil in der Einfuhr, daß Triest so tief in das Gebiet der Monarchie ciuschneidet,bildet den Nachtheil in der Ausfuhr. Triest hat den Weg bis Gibraltar mehr zumache», während Hamburger und bremer Schiffe blos den Kanal zu durchschiffenhaben, um in das Weltmeer zu gelangen."
Die Thatsache, daß der triester Handel für die östreichische Ausfuhr von gerin-gen. Belange sei, wird in dem osficiellcn Berichte ohne Schwanken bestätigt. DieVertreter der Industrie sind weit entfernt, das Gewicht, welches diese unmittelbareBestätigung ihren Klagen gibt, zu übersehen, doch glauben sie nicht allen in demBerichte ausgesprochenen Behauptungen unbedingt bcitretcn zu dürfen. Der Vor-teil, den angeblich die deutschen Nordsechäfen über Triest besitzen, muß doch bei derAnfuhr aus transatlantischen Ländern der gleiche sein wie bei der Ausfuhr. Deröstreichische Freihafen und die fremden Handelsplätze sind bezüglich der Zollbehand-wng nicht verschieden gestellt; die Fracht von den nördlichen Provinzen der Monarchie*wch Hamburg beträgt nicht mehr als umgekehrt von Hamburg nach Neichenberg,"b sie ist thatsächlich geringer als die Fracht von und nach Triest. Kann Triest^ der Einfuhr aus transatlantischen Ländern mit den norddeutschen Seehäfen con-Mrire,,, warum nicht bei der Ausfuhr? Und zugegeben, daß sich bei dem trans-"w'ttischcn Handel der Vortheil auf die Seite von Hamburg und Bremen stellt,
denn gerade dorthin die Hauptausfuhr sich richten, liegt nicht der Süden Eu-°pas und der Orient noch offen? Und besitzt nicht Trieft dann die gleichen Vor-