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Eilfter Band.
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Die östreichische Monarchie. 873

sowa aufwärts. Schau im Mai 1848 hatten die Dampfschiffe die größte Mühe,die leidenschaftlich aufgeregten Gegenden der ungarischen Donau zu passiern: siemußten je nach der politischen Gesinnung der fanatisirten Uferbewohner bei jederWendung die Flagge wechseln. Hier galt noch die schwarzgelbe Flagge, dort die ma-gyarische, auf einem dritten Punkte die slawische Lricolore. Bald reichte diese ge-fällige Anerkennung aller Nationalitäten und politischen Parteien zum Schutze desfreien „Verkehrs nicht aus. Auch die Namen der Schiffe wurden beanstandet. Umdies Argerniß zu heben, löschte man sie aus und ersetzte sie durch fortlaufende Num-mern. Als endlich der wüthendste Racenkampf an der untern Donau losbrach, ließsich die Verbindung von Wien mit Orsowa trotz aller Zugeständnisse nicht mehr er-halten. Tausende von Waarencolli blieben in den Depots der einzelnen Stationenliegen, die meisten Dampfschiffe fanden keine Beschäftigung oder wurden, was nochärger war, von den kriegführenden Parteien eigenmächtig mit Beschlag belegt undzu Truppentransporten verwendet. Weder den Magyaren und den Serben fiel esein, das Recht neutraler Transiwgütcr zu achten, oder unbetheiligten dritten Per-sonen, der Dampfschiffahrtsgcscllschast, dem Versender und Empfänger der Waarenzu ihrem Eigenthum zu verhelfen.

Die wiederhergestellte Ruhe hob den Donauhandel, die Thätigkeit der Dampf-schiffe war wieder in einer erfreulichen Zunahme begriffen, als der orientalischeKrieg neuerdings den Verkehr vollständig lähmte. Könnte man den Trost fassen,der unterbrochene Handel habe in der Zwischenzeit keine neue Richtung erhalten, mitder wieder angeknüpften Verbindung werde auch die alte Regsamkeit wiederkehren, esbedürfe z. B. nur friedlicher Zustände, um den Waarenumsatz von Nustschuk, derim Jahre 1847 über zwei Millionen betrug, wiederherzustellen, mit andern Worten:Ostreichs Handel an der Donau habe nur äußere, keine innern Hemmuugcn erfah-ren, man würde die erlittene Einbuße leichter verschmerzen. Dieser Trost ist aberleider versagt. In den Jahren 1848 und 1849 war die Fahrt über Orsowa denöstreichischen Schiffen versperrt, die Einfahrt von, Schwarzen Meere aus lag offen.Dieser Umstand wurde von den fremden Handeltreibenden benutzt, um die Erzeug-nisse ihrer Länder auf den Donaumarkt zu werfen, sodaß Östreich, als sich der Ver-kehrsweg wieder eröffnete, viele alte Verbindungen zerstört sah, eine mächtige, inder Zwischenzeit aufgewachsene Concurrenz zu besiegen hatte. Und auch der Kampfmit der Concurrenz würde eine bessere Aussicht auf Erfolg haben, wenn nicht zahl-reiche nicht in die Politik einschlagende, sondern aus dem Handelsleben selbst flie-ßende Gründe das dauernde Übergewicht der fremden Industrien auf dem Donau-markte befürchten ließen.

Der, wichtigste Grund dieser Art ist folgender: Der direkte Getrcideexport nachEngland hatte in den letzten Jahren vor dem Ausbruche des Kriegs einen großen(für die Bankiers von Galacz sogar eine» viel zu großen) Aufschwung genommen.Seitdem sich England die Zufuhr des ägyptischen Weizens zu wohlfeiler» Preisengesichert hatte, warf aber die bloße Befrachtung von Schiffen mit Getreide und derenVersendung nach England, wie sie vorher betrieben wurde, keinen Gewinn mehrab, drohte vielmehr mit Verlusten. Die Speculation fand daher einen Ausweg, dieGetreideausfuhr gcwinnreicher zu machen, indem sie mit derselben die Einfuhr englischerManufacturwaarcn verband, und das Getreide blos als Rückfracht zur Deckung derFabrikateneinfuhr benutzte. Diese Handelsconjunet'ur, vereinigt mit den wohlfeilenenglischen Frachten, der Betriebsamkeit der fremden Commissionäre, der geringenRücksicht der östreichischen Industriellen auf den Geschmack und die Gewohnheitenihrer Kunden, versetzte dem Donauhandel schwer heilbare Wunden. Es beträgt der§rachtlvhn für eine» Centncr nach Galacz und Jbraila von England 10—12 Sil-bergroschcn, Marseille und Livorno 7—10 Silbergroschcn, Belgien 15 Silbcrgro-schen, Wien 1 Thaler 20 Silbergroschen, Kronstadt zu Lande 5 — 0 Thaler.

Die hohen Frachtsätze der Donaudampfschiffe (für einen Wagen z. B. bisGalacz 80, bis Konstantinopel 100 Gulden Silber) mußten den östreichischen Export