Die östreichische Monarchie. 875
Mit Östreich ist auch'der Zollverein in gleiche Bedrä'ngniß gerathen. Sachsen, dasnoch vor wenigen Jahren auf dem Donaumarkte eine Hauptrolle spielte, beschränktseine Einfuhr auf wollene Strümpfe. Die Baumwollwaarcn werden mit wenigenAusnahme» dircct als Rückfracht der Getreideschiffe aus England bezogen; ebenso hatdasselbe Land die östreichische Linncneinfuhr in die Fürstenthümer vollständig zerstört,indem es seine wohlfeilen und gefälligen „ ^morioan tail" und „ vomsstios " auf denDonaumarkt warf.
In Scidenwaaren ist der Antheil Ostreichs von keinem Belang, da Frankreichund die Schweiz den Bedarf vollständig decken; in ordinären Glaswaaren trittOstreich seinen Verdienst an Belgien ab. Die wiener Stearinkerzen, ein wichtiger Ein-fuhrartikel, wurden seit 1848 von russische» Fabrikaten saus Odessa) verdrängt, undin Mode- und Luxuswaaren blieb natürlich die französische Einfuhr überwiegend. Einbedeutender Schlag traf auch die östreichische Eisenindustrie. Von 21898 in diebeiden Donauhasen eingeführten Ccntnern (1850) Eiscnwaarcn kommen nur »och 2035Ccntncr auf Ostreich. Bei diesem Artikel gewinnen die englischen Erzeugnisse immermehr Raum, und es hört allmälig die Einfuhr der sogenannte!; kronstädter Waarenvöllig auf. In Eisenplatten und Stangen macht sich sogar auch die russische Con-currenz (im Augenblick allerdings durch den Krieg paralysier) fühlbar, und dergroße Nägelabsatz, den Östreich noch zuletzt festhielt, mußte an Belgien abgegebenwerden. Nur in Sensen, Möbeln, Musikinstrumenten, Shawls und Wagen beherrschtÖstreich noch den Donaumarkt, minder ausschließlich in Wollcnwaarcn, wo es denMitbcwcrb des Zollvereins zu bestehen hak.
Ein Blick auf Östreichs Handel mit Konstantinopel und der Levamc wird die Er-kenntniß der Ursachen des Verfalls dieses Handels ergänzen. Auch in Konstantinopel er-scheint die östreichische Industrie von Jahr zu Jahr immer weniger vertreten. VierWaarenkategoricn bildeten früher den Hauptgegenstand der östreichischen Ausfuhr: Webe-stoffe, Eisenwaaren, Quincaillericn und Glaswaaren. Tücher und Kasimire werden gegen-wärtig wohlfeiler aus Belgien und Frankreich bezogen; mit gedruckten Jndiennes undFlanell versieht England (und theilweisc Sachsen) den Markt; die beliebten StoffeTschetorjes und Aladjos werden ausschließlich in der Schweiz erzeugt; lombardischc undwiener Scidenwaaren finden keinen Abnehmer, seitdem französische und elberfclderSeidenstoffe bekannt wurden. Die östreichische» Nägel sind durch die punts llsp.irigi gänzlich verdrängt; gepreßte Gläser und Spiegel werden mit Vortheil ausFrankreich und Belgien eingeführt, und nur ordinäres böhmisches Glas hat bisjetztdie Concurrenz der belgischen ausgehalten. Die östreichische Einfuhr bestes sich imJahre 1850 auf ungefähr drei Millionen Gulden. Darunter nahmen Nohstahlund stcirischc Stahlwaaren im Belange von 470000 Gulden die erste Stelleein; dann folgten: böhmische Glaswaaren im Werthe von 400000 Gulden, 6on-tsria cli Vonorig — 250000 Gulden, Tuch — 391000, rothe Wollmühen —350000 und Papier^--110000 Gulden. Es ist nicht unsere Privatmeinung, essind die.,unveränderten Worte eines östreichischen Consularberichts, daß „die Ursachen,welche Östreichs Handel nach Konstantinopel in eine steigende Bewegung brachten,wie z. B. im Jahre 1846, vorübergehender Natur waren, dagegen die Ursachen desVerfalls auf stetigen Verhältnissen beruhen". Dazu rechnet der Consularbericht:den Mangel an soliden Commissionären und landeskundigen Handelsreisenden; diekargen Crcditbcwilligungen für die Geschäftsleute von Konstantinopel, welche östrei-chische Waaren fast immer noch vor ihrem Eintreffen bezahlen müssen (England,Preußen bewilligen Termine 3 —8 Monate nach Ankunft der Waare, Östreich häufignur Tratten mit 31 Tagen nach Sicht); ferner die großen Transportkosten und diecrst in den letzten Jahren kurz vor dem Kriegsausbrüche abgestellte Unregelmäßigkeitdes Betriebes auf den Donaudampfschiffcn, durch den Mangel an jeglicher Con-currenz genährt; und in letzter Linie endlich die Ereignisse des Jahres 1848, welchedie Donauschiffahrt hemmten, Tricst durch die sardinische Blockade absperrten unddadurch der Concurrenz eine gut benutzte Gelegenheit boten, auf dem Markte von