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Die orientalische Frage.
Fassen wir schließlich den Gcsammteindruck all„ dieser Erörterungen über diemateriellen Verhältnisse und ökonomischen Zustände Östreichs zusammen, so ist der-selbe keineswegs ungünstiger Art. Die gewerbliche Thätigkeit hält zwar den Ver-gleich mir jener der europäischen Westländer nicht aus, die Bodenrente ist niedrigerals in England oder in den Rheinlanden, das geistige Leben entfaltet nicht die inDeutschland bewunderte reiche Kraft, mit Einem Worte: der Mittelstand, der Kör-per, in welchem die Cultur und die nationale Produktion unserer Zeit wesentlichberuht, hat seine volle Entwickelung noch nicht gesunden. Aber seine Herrschaft wirdallmälig verbreitet. Der Beginn derselben ist auf dem politischen Gebiete bemerk-bar. Die neue Verfassung besitzt weniger die Sympathien der alten Aristokratieals vielmehr die der productivcn Mittelclassen: sie sind es wesentlich, welche für dieAusführung und Entwickelung der neuen Ordnung mit Ernst und Eifer wirken.Auf dem socialen Gebiete aber ist es nicht wenig bezeichnend, daß wir selbst denbegüterten Adel immer mehr in die industriellen Unternehmungen des Tages eintre-ten sehen. Und selbst die Regierung mag und kann sich dieses allgemeinen Zugesnicht entschlagen. Trotz ihrer Abneigung gegen Alles, waS an parlamentarischeFormen mahnt, hat sie den industriellen Interessen ihre in den Handelskammern con-centrirte Vertretung keinen Augenblick entzogen, sondern sie gestattet diesen OrganenDas, was allen übrigen Ständcclasscn verboten blieb, nämlich die Kritik der Re-gierungsmaßregeln. Die tiefgreifenden und fruchtbaren politischen und socialen Folgendieser Versetzung des Schwergewichts im östreichischen Staate wird erst die.Zukunftoffenbaren.
Die orientalische Frage in ihrer geschichtlichen Entwickelung. *)
Erster Artikel.
Die orientalische Frage in ihren Anfängen.
Sinn und Bedeutung der orientalischen Frage.
Ä8ill man vom Gesichtspunkte der praktischen Staatskunst aus die orientalische Fragtauf ihren einfachsten Ausdruck zurückführen, so ist es die Frage nach der Möglich'keit und den Mitteln, diejenigen Störunge» abzuwenden, von welchen das europäischeGleichgewicht infolge der Schwäche der Hohen Pforte und der Macht Rußlands be'droht erscheint.
Fragt man, seit welcher Zeit in diesem Sinne von einer orientalischen FrageRede sein könne, so wird nicht wohl eine frühere Epoche anzugeben sein als die ^Friedens von Kutschuk-Kainardschi (177H). Vergebens würde man versuchen, ^Zeit genau zu bestimmen, in welcher Europa aufgehört hat, die Türken zuWir wenigstens wüßten nicht nachzuweisen, wann zuni letzten male im Süden DÄ.glands oder auch nur im Norden die Pürkenglockc geläutet worden, bei derenauf dem Felde weit und breit unsere Vater die MÜHen abzunehmen und ein Daunser zu beten gewohnt waren. Die zweite Belagerung Wiens (1683)nicht so weithin wie die erste (1329) den Schrecken des türkischen Namens g
*) Verfasser dieses wie der folgenden Artikel über die orientalische Frage istDr. Christian Friedrich Wurm in Hamburg.