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Die östreichische Monarchie.
sammtcn Bevölkerung Ostreichs recht fühlbar, und erfuhr auch erst in den letztenJahren namentlich durch die Gründung von Mittel- und Bürgerschulen, sogenannteRealschulen, seine Befriedigung. Die Regierung kam hier den Wünschen der Be-völkerung nur zuvor. Von zahlreichen Gemeinden fast aller Provinzen liefen Pe-titionen ein, man möge sie mit Realschulen, und zwar mit solchen, in welchen diedeutsche Sprache, als die allgemeine Cultursprache, gelehrt werde, bedenken. Siescheuten keine Opfer, stellten auf ihre Kosten die Schulbauten, den Lchrapparat her,boten sich an, zur Besoldung der Lehrer mit beizutragen, und entwickelten dafüreinen Eifer, der gegen die frühern Verhältnisse in Erstaunen setzen mußte. Wirirren uns aber nicht, wenn wir von diesen Realschulen einen ähnlichen epochemachen-den Einfluß auf die Cultur der Mittelklassen und untern Stände erwarten wievon der Berufung deutscher Gelehrten auf die Hebung der Universitätsstudien, von derAufhebung der Untcrchanslasten auf die Landwirthschaft, von dem Handelsverträgeauf die Industrie und den Verkehr.
Es bliebe uns nun noch übrig, die in den einzelnen Gliedern der Bevölkerunghervortretenden Moralitätszuständc durch statistische Daten zu erörtern; allein diewesentliche Grundlage dafür, eine vollständigere Criminalstatistik, ist zur Zeit nichtvorhanden. Es würde.auch die Aufstellung einer solchen Statistik für die Jahreseit 1848 aus dem Grunde geradezu unzulässig sein, weil die Strafgcrichtsbarkcittheilwcise gänzlich desorganisirt und in den wichtigsten Provinzen den ordentlichenBehörden entzogen war, weil vielfach Handlungen unter die Kategorie von Verbre-chen gerechnet wurde», welche im geregelten Staatsleben schwerlich eine Ahndungerfahren hätten, und die politische Aufregung Vergehen hervorrief (andere aber auchverhinderte), die, aus besondern Ursachen entsprungen, den Rückschluß auf die dauern-den Zustände der öffentlichen Sittlichkeit nicht gestatten. Es muß darum hier genü-gen, einen Blick auf ältere Berichte und Zusammenstellungen zu werfen, die wedervollständig sind, noch einen sichern Anhaltepunkt für den Schluß auf die gegenwär-tigen Moralitätszuständc gewähren, also im Grunde nur einen historischen Werihbehaupten können.
, In dem letzten Jahre vor dem Ansbrnche der politischen Stürme zählte manin Ostreich, die ungarischen Länder ausgenommen, 34130 Criminalvecbrechen, wo-von 20150 aus die Civilbcvölkerung, 13980 auf die Armee und die Militärgrenzcfallen. Die wichtigsten Arten der Verbrechen vertheilten sich auf folgende Weise:
Hochverrath.
Civil:
24
Militär
68
Oeffentliche Gewaltthätigkeit . . .
584
341
Verfälschung öffentlicher Creditpapierc
17
2
Münzverfälschung.
70
28
Betrug. . . ..
1186
508
Diebstahl.
15559
5577
Raub.
330
250
Zwcikampf.
2
1
Mord und Todlschlag.
520
431
Verwundung.
925
318
Brandlegung.
319
99
Dazu kommen noch als besondere Militärverbrechcn 2226 Descrtionsfällc, 142Selbstverstümmelungen, 462 Fälle von Veräußerung der Armatur u. s- w.
Den gemeinen Verbrechen a:eihen sich 118421 schwere Polizeinbcrtretungen und-^12463 Eefällsübcrtrctungen an. Ein Criminalverbrechcn entfiel also auf 557, einelchwere Polizeiübertretung aus 204, eine Gefallsübertretung aber schon auf 90 Per-^"kn- Eine schärfere Verdammung kann das alte Zollsystem nicht treffen: es reiztesichtlich zum Verbrechen und schien darauf eingerichtet, daS Einschwärzen und Be-rgen unsterblich zu machen.