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Eilfter Band.
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Die orientalische Frage.

Verhältnisse ins Auge zu fassen, durch welche die Entstehung und die moderneAuffassung der ganzen Frage sich erklärt.

Die geographischen oder, wenn man will, localen Elemente bilden hier die ersteund unerläßlichste Grundlage. Es beruht darauf die Bedeutung jener Gegenden fürdie Handelsgeschichte aller Zeiten. Ludwig Preller in einer akademischen Festrede von1842, Hermann'Sauppe in einem populären Vortrag, haben, jener für das SchwarzeMeer im Allgemeinen, dieser für die Krim insbesondere, so Vieles und Lehrreicheszusammengestellt, daß hier um so -eher nur die wesentlichsten Punkte zu erwähnensein werden. Die uralte Argonautensage vom Goldenen Vließ hat bei den Griechendie Vorstellung von großen Reichthümern, von ergiebigem Gewinn mit dem Namendes Schwarzen Meeres ebenso unzertrennbar verknüpft wie den Gedanken kühnerWagniß, dunkler Gefahr, der in der frühesten Benennung des „ungastlichen" Pon-tus und in dem Glauben, daß auf der Taurischen Halbinsel eine Priesterin dieFremden ihrer Herrin als Opfer schlachte, unverkennbar durchgingt.

Die Colonisirung verfolgte unverwandten Blickes die großen Vortheile, welchedie Sage als Preis des Wagnisses angedeutet. Milct, das in 80 blühenden Pflanz-städten das Bild seiner eigenen, kräftigen Jugend sich erneuern sah, Milet und dasdorische Megara waren es besonders, welche, „den Saum hellenischer Bildung" anden Küsten der Binnenmeere befestigten. Über die ganz einzige Lage von Byzanzwar im Alterthum nur Eine Stimme. Herodot berichtet, ein persischer Satrap habedie Gründer von Chalccdon (dem heutigen Skutari, auf der asiatischen Seite) nurdie Blinden genannt; denn wären sie nicht blind gewesen, so würden sie nicht dieschönere Lage verfehlt, die schlechtere gewählt haben. Noch bezeichnender drückt den-selben Gedanken die spätere Sage auS: als Bürger von Megara das Orakel be-fragt, wo sie sich anbauen sollten, habe der Gott erwidert: gegenüber der Stadt derBlinden; so habe er auf die Stelle hingewiesen, wo Byzanz und später die Stadtdes Konstantin sich erheben sollte. Polybius, der nicht leicht warm wird, sinketnicht Worte genug, die Gunst zu schildern, welche die Natur an diesen Punkt ver-schwendet. Daß die Ausfahrt und Einfahrt von hieraus beherrscht wird, daß By-zanz die weite Pforte des Doppclmeercs (wie ein römischer Dichter sie nennt) öffnetund verschließt, das legte die Versuchung sehr nahe, einen Zöllner Schiffahrt auf-zulegen. Diesen Zoll (I0"/„ wie man annimmt von ausgehenden und eingehendenGütern) erhob Athen in den Zeiten seiner Seeherrschaft;, einen „Sundzoll" wieBöckh ihn ganz richtig bezeichnet; und die Thatsache gemahnt daran, daß die Hanseneinst den Oresund (der ihnen auch nicht gehörte) hüteten und Gesetze schrieben,welche Waaven und auf welchen Schiffen dort durchgeführt und welche vom Zollbetroffen oder davon befreit werden sollten. Die Zvllstätte war aus Alcibiades' Rathnach Chrysopolis (an der Seite und in nächster Nähe von Skutari) verlegt. Mitder Einbuße der athenischen Seemacht ging auch der Zoll verloren. Philipp von Ma-cedonien begriff vollkommen die Wichtigkeit der Lage von Byzanz und rangdessen Besitz. Als später die Byzantiner den Zoll für eigene Rechnung erhoben,ruhte Rhodus nicht, bis er abgethan war. Man erstaunt über die unerschöpflicheErgiebigkeit der pontischcn Waldungen, wenn dem Kaiser Hadrian die Fülle vowtrefflichste» Schiffsbauholz in einem amtlichen Bericht über jene Gegenden gcrühn'e,man erschrickt über die ticfwurzelnde Unsitte, wenn zu allen Zeiten Konstantin»^als ein schwunghafter Sklavcnmarkt dargestellt wird. ,

Es gibt einen Begriff von dem Treiben des Welthandels in der Region ^lebhaften Völkergewühls, wenn PliniuS erzählt, es haben die Römer in Diosknna(an der Ostküste des Schwarzen Meeres) ihre Geschäfte mittels einer Anzahl vo130 Dolmetschern betrieben; und Dioskurias war die Trägerin des Verkehrs ""dem ganzen Mittelasien, ja mit Ostindien selbst.

In den mittlern Zeiten ist die Parteinahme der Venetianer für die eine,Genuesen für die andere Dynastie, die in Konstantinopcl geherrscht hatte oder herschen sollte, nichts Anderes als ein Kämpf um Handelsvortheile. Unsere Ze>