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Die orientalische Frage.
Zeuge gewesen von der allmäligen Wiedereröffnung der alten Handelswege in somancher Richtung zwischen dem Morgen- und Abendlande; und man gewöhnt sichdaran, ein Stück alter Handelsgeschichte, mindestens seit der Zeit Alexanders desGroßen, nur in etwas verändertem Cosiüm, darin zu erblicken, wenn z. B. vor etwa20 Jahren Armenier an der Hamburgischen, später an niederländischen und belgische»Börsen erschienen, um Raffinaden nach dem Schwarzen Meere und über Trebisondenach Persien zu führen.
Übrigens war es nicht allein das Schwarze Meer, sondern auch das innersteBinnenmeer, das Asowsche, mit der Taurischen Halbinsel, der Krim, wo die Griechenschon eine bewundernswerthe Gelegenheit für den Großhandel erkannten. Die bei-den Punkte, welche die Einfahrt beherrschen, Kertsch am westlichen, Phanagoria amöstlichen Ufer,, find griechische Gründungen, daS letztere unter dem ursprünglichenNamen, den es noch heute führt, jenes unter dem Namen Pantikapäum. Am gro-ßen asiatischen Verkehr hatten auch diese Märkte ihren Antheil, und die Beherrscherderselben erhoben 3*/z Ausfuhrzoll, von welchem die Athener allein befreit waren;was für den wichtigen Artikel der Weizenausfuhr dem Werth von 34000 Schef-feln gleichkam. Wie lebhaft der Verkehr zwischen Athen und Pantikapäum gewe-sen, ergibt sich unter Andern, aus dem niedrigen Preis, den der Passagier bezahlte;
, es waren nach einer zufällig bei Plato erhaltenen Notiz zwei Drachmen, zurselben Zeit, als man in Athen ein Schwein für drei, ein Paar Schuhe für acht1 Drachmen kaufte. Aber das Asowsche Meer, und zumeist in der nordöstliche» Bucht,an der Mündung des Don, „die nördlichste aller griechischen Colonie», die Vorläu-^ fern, von Taganrog", die reiche und mächtige Stadt Tanais, vertrat noch eine an-dere Richtung des Welthandels, nach dem scylhischen Norden. Den Don herauf undjenseit des Don 15 Tagereisen durch die Steppen ging schon zu Herodot's Zeit derHandelszug. Preller nimmt keinen Anstand, die in der Ukraine, in Podolien, selbstin Preußen gefundene» griechischen Münzen, deren Gepräge nicht selten den ponti-scher, Ursprung nachweist, von diesem contiiientalen Verkehr herzuleiten. Für dieVerbindungen, die Macht und die großartigen Hülfsmittel, welche durch diesen Ver-kehr erwuchsen, gibt vielleicht den richtigsten Maßstab der Widerstand, den KönigMithridates, als er auf diesen Theil seines Reichs sich zurückgezogen, den Römernnoch entgegenstellte, und der Riesenplan, den er gefaßt, sich nach dem Norden zuwerfen, von Thracien nach Maccdonien, von da nach Pannonien zu ziehen und imVerein mit celtischen Stämmen, ein zweiter Hannibal, über die Alpe» den Kriegms italische Land zu tragen.
Über die Lage von Konstantinopel selbst ist es wol kaum nöthig ein Wort zuverlieren. Nur von der Landseitc her findet Polybius die Lage bedenklich. Denn,sagt er, was ist gefährlicher als ein böser Nachbar, was ist schrecklicher als ein be-ständiger Krieg mit Barbaren? Die griechischen Kaiser haben diese Fährlichkeiten,als Muth und Kraft geschwunden, bald durch lange Mauern abzuwehren, balddurch Geldopfer abzukaufen gesucht. Heutzutage scheint der Gedanke an die Mög-lichkeit eines Handstreiches von, Lande her sehr in den Hintergrund getreten; diemilitärische Autorität des Grafen Moltke erklärt es keineswegs für leicht, Truppenans Land zu setzen und, „was durchaus crfoderlich sein würde, die Batterien in derKehle anzugreifen". Napoleon hatte nächst der natürlichen Lage wol auch die künst-lichen Verthcidigungsmittcl im Auge, als er der naiven Begehrlichkeit des KaisersAlexander, der nur die Schlüssel seines Hauses, und nichts weiter, zu habenwünschte, das Wort entgegenstellte: der Besitz von Konstantinopel, das ist die Herr-schaft der Welt.
Es ist bisjetzt nur von einzelnen besonders begünstigten Punkten die Rede ge-wesen — so begünstigt allerdings, daß sie den stolzesten Ehrgeiz zu fesseln und zubefriedigen, ja, daß sie tausendjährige, stets andauernde Strebungen wol zu erklä-ren vermöchten; aber wer kennt nicht die Elemente eines Weltreichs, die Schau-plätze weltgeschichtlicher Ereignisse, denen man unter den Provinzen des Osmanischen