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Die orientalische Frage.
Reichs begegnet? Kleinasien, dessen hellenisch gebildete Städte, inmitten der lieblich-sten Umgebung von Luft und Land und Meer, dem großen Pcrserkönig ein so wün-schenswerther Besitz erschienen, daß er, um ihren Abfall zu bestrafen und sie wieder-zugewinnen, die dunkeln Wogen von Myriaden Streitern unaufhaltsam gegen dieGestade des Mutterlandes jener Pflanzer wälzte; Syrien, das mit Palästina dieWiege und die heiligen Orte zweier Religionen, wie Arabien die einer dritten in sichfaßt; Ägypten endlich, die Kornkammer der Alten Welt, mit Alexandrien, dessenGründung nach Napolcon's Urtheil Alexander dem Großen zu größerer Ehre ge-reicht als alle seine Siege, und auf dessen Rhede alle Kriegsflotten der Welt vorAnker gehen könnten.
Rußland und das byzantinische Kaiscrthuni.
Ein dänisches Blatt („Fädrelandct") erzählte vor einigen Jahren/ beimHerannahen des Krieges, die folgende artige Geschichte: „Als Paul Bourgoing Ge-sandter in Petersburg war, bemerkte er, daß, so oft er den Minister auf demAuswärtigen Amt besuchte, jedesmal ein angespannter Neiscwagen mit sechs Pferdenauf dem Hofe halte. Er fand einmal Gelegenheit sich zu erkundigen, was das be-deute, und erhielt diesen Äufschluß: Bei der Eroberung von Konstantinopcl durchdie Türken haben viele Gläubige, darunter der Patriarch, in die Sophicnkirche sichgeflüchtet, auf deren Zinnen sobald das Kreuz dem Halbmond habe die Stelle räu-men sollen. Der Patriarch, ein heiliger Mann, habe lange und inbrünstig gebetetund dabei ein Muttergottesbild, das rettende Symbol des Kaiserreichs, in der Handhoch emporgehalten. Mit einem male habe das Dach der Kirche sichtlich sich ge-lüftet; das Heiligthum sei, den Händen des Patriarchen entnommen, in hoher Luftden Blicken der Gläubigen entschwebt. Damals sei cS durch die waltende Vor-sehung dem Zaren zugeführt und seiner Obhut vertraut; wenn Zeit und Stundeerfüllt sei, müsse es nach Konstantinopel zurückgebracht werden; deshalb, und weilman die Wege des Himmels nicht im voraus ermessen könne, halte Tag und Nachtder reisefertige Wagen sich bereit."
Man sieht, es ist hier von einem Volksglauben die Rede, der auf Vorgängesich bezicht, welche für das Verständniß der orientalischen Frage nicht minder bedeut-sam sind als die im vorigen Abschnitt dargelegten Verhältnisse.
Strahl, in seiner „Geschichte Rußlands", findet es wahrscheinlich, daß die Wa-räger, also jene Normannen, die in Rußland in der zweiten Hälfte des 9. Jahr-hunderts eine Dynastie gründeten, in den neuen russischen Wohnsitzen nur eine Sta-tion auf dem Wege nach Konstantinopcl erblickt haben mögen, wo früher schon ein-zelne Waräger erschienen waren, wohin aber der Landweg mit Benutzung der süd-wärts strömenden Flüsse allerdings für kürzer und minder bedenklich gelton mochteals, bei damaligem Zustande der Schiffahrt, der Seeweg von Skandinavien durchdie Straße von Gibraltar. Gewiß ist, daß 866, wenige Jahre nach dem Beginnvon Rurik's Herrschaft, der Name der Russen zum ersten mal in Konstantinopelmit Schrecken ausgesprochen worden. Sie waren mit 206 Booten, nachdem sie denDniepr herabgeschwommcn, vor dem Bosporus und verübten viel Grausames. DerPatriarch aber tauchte das Gewand der heiligen Jungfrau, das Palladium Kowstantinopels, j„ die blaue Flut, die sofort, von urplötzlichem Sturm gepeitscht,schwellen begann, sodaß die feindliche Flotte zerstreut und vernichtet ward. llnwürde es nicht befremden, wenn man bei näherer Betrachtung in diesem Gewavdas vom Evangelisten Lucas gemalte, in Wladimir, später in Moskau bewahrtedonnenbild und auch die in Petersburg ihrer endlichen Bestimmung, wie wiroben vernommen, entgegenharrcndc Reliquie wiedererkennen sollte. Im Jahrefindet sich ein Frcundschafts- und Handelsvertrag zwischen Oleg, der seinen S'tzKiew aufgeschlagen, und dem Kaiser Leo VI., im Jahre 943 schließt Igor,griechische Reich bereits zinsbar geworden, einen ähnlichen Vertrag mit dem ^RomanoS, in welchem zwischen getauften Russen und ungetansten bereits un er;