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Die orientalische Frage.
ersten russischen Geistlichen mit dem Oberhaupt der griechischen Kirche. Boris Go-dunow that diesen Schritt. Er machte den Erzbischof zum Patriarchen. Noch warer nur erst der vertraute Rath Feodor's, als er (1588) diese überaus wichtige Ver-handlung zustande brachte. Der Patriarch von Konstantinvpel, Jeremias, war inMoskau erschienen, um den Zaren zu bewegen, daß er etwas für seine gedrückteKirche thun wolle. Boris bot dem Jeremias das russische Patriarchat; Jeremiasnahm es an, doch unter der Bedingung, daß er in Moskau selbst in der Nähe desZaren leben wollte; Boris aber wollte ihm in Wladimir seinen Sitz anweisen.Darüber zerschlug sich die Sache, doch war Jeremias bereit, Denjenigen, welchenFeodor nach der Eingebung Gottes erwählen würde, zum Patriarchen zu weihen.Aus drei von den Bischöfen LZorgeschlagcnen ernannte der Zar den Erzbischof Hiob,der am 23. Jan. 1589 sein erstes Hochamt hielt, auf den bischöflichen Stuhl vonWladimir, Moskau und ganz Rußland (wie ein feierlicher Ausruf besagte) erhobendurch den rechtgläubigen Zaren, den allgemeinen Weltpatriarchen und die geheiligteKirchenversammlung. Der Zar gebot ihm hinfort sich zu nennen: von Gottes Gna-den und dem Willen des Zaren Haupt der Bischöfe, Vater der Väter und Pa-triarch aller Länder des Norden. Der Kreis des Wirkens und Waltcns war einnicht minder weiter als der dem heiligen Ansgar einst übertragene, die Stellung einenicht weniger stolze als die von dem hamburgischcn Adalbert später angestrebte.
Karamsin hat eine merkwürdige Stelle über die Einführung dieses Patriarchats.Es sollte der Regierung größer» Glanz verleihen. Zu dem Endzweck ward verkün-digt, das alte Rom sei der Ketzerei verfallen, das neue Rom sei in den Händen dergottlosen Muselmanen; Moskau aber sei das dritte Rom. Boris Eodunow habedadurch der Geistlichkeit schlechterdings keine neue Staatsgewalt gegeben und das Kir-chenoberhaupt bei verändertem Namen in gänzlicher Abhängigkeit vom Zaren gelas-sen; er habe die Kirche kräftigen wollen, um sie für sich zu gewinnen und einWerkzeug seines Ehrgeizes aus ihr zu machen. Es braucht kaum gesagt zu werden,daß Boris nicht ganz richtig gerechnet hatte. Hiob selbst, der neue Patriarch, faßte,als Boris die Zarenwürde ablehnen wollte, mit Erzbischöfen und Bischöfen diesenbedenklichen Beschluß: erbarmt sich Boris Feodorowitsch unserer, so entbinden wirihn seines Schwurs, nicht Zar sein zu wollen; erbarmt er sich nicht, so thun wirihn in den Kirchenbann. Der Patriarch Nikon hat später große Eigcnmacht ge-übt; er hat dafür gebüßt. Wenn irgendetwas das Eingreifen der Herrscher ent-schuldigen könnte, so wäre es das elende Gezänk, welchem die Geistlichen sich über-ließen, und das in der byzantinischen Mutterkirche nicht inhaltloser gewesen sein kann.Hier ist eine Probe: Die Kirchenversammlung von 1667, welche Nikon verurtheilte,verdammte auch eine Anzahl von Sektircrn, weil sie das Zeichen des Kreuzes nichtmit den drei ersten Fingern machten, sondern mit dem Zeige- und Mittelfinger; weilsie das Hallelujah nur zwei mal sangen und zum dritten mal hinzufügten: „Lob seidir Gott"; weil sie ihre Meßopfer nicht wie die Russen mit fünf, sondern mit siebenWeizenbroten verrichteten; weil sie den Namen Jissus ohne I schrieben, also ihnJssus sprachen, u. dergl.
Karamsin fährt fort: diese neue höchste Würde sei 110 Jahre später als unnützfür die Kirche und nachtheilig für die Alleinherrschaft des Landesherr» von einen«großen Selbstherrscher wieder aufgehoben worden. Peter der Große habe nur Dienergewollt und die geistliche Gewalt getheilt, um sie zu schwächen. Allerdings kanntePeter die Geschichte des Nikon und klagte über den Unverstand des Volks, da /wenn Zwiespalt zwischen beiden sei, es mehr mit dem päpstlichen als dem weltlicheHaupte halte und Aufruhr beginne, in der Meinung, für Gott selbst zu streüen-Allerdings auch mochte er sich erinnern, daß der Patriarch es gewesen, der an >yund seinen Bruder Iwan einst die Frage gerichtet, welcher von ihnen die Her,cYübernehmen wolle, eine Frage, die wol eher im Tone der Autorität als der unwürfigkeit gestellt war. Schon bei der letzten Feier (1699) des altrussischen,jahrfcstes (1./11. Sept.) hatte Peter den sonst für ihn und den Patria cy