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Die orientalische Frage.
Jahre aber wandte sich an den Reichstag ein Gesandter des livländischcn Hccrmei-sters mit einer Vorstellung, welchi zum ersten mal eine große Gefahr von Ruß-lands Machtanschwellung auch für Deutschland voraussagte. Der Russe trachte da-nach, Livland unter seine grausame Gewalt und Unglauben zu bringen, der Hoff-nung, wo er Livland erobert und dadurch der Ostsee mächtig werde, die andernanstoßenden Lande, als Lithauen, Polen, Preußen und Schweden, desto schleunigerauch zu unterwerfen. „Der jetzige Moskowiter ist ein junger Mann, und deswegenzum Krieg und Blutvergießen desto hitziger." Das Wort war wie in Voraussichtder nächsten Zukunft gesprochen: 1552 fiel Kasan, 155-1 Astrachan; der Chronistvon Reval, der ehrliche, grunddeursche Rüssow, hat die.Bedeutung dieser Vorgängevollständig erkannt: „Solange diese beiden tatarischen Könige ihre Reiche noch inne-gehabt, ist solches den Livländern eine große Rückenstärkung (i-uggsIeiiiliM) und einEntsatz gewesen." Es hat auch später ein Vertrag des letzten Meisters, GvtlhardKettler, mit einem tatarischen Fürsten sich vorgefunden.
Der König von Polen, Sigismund August, bemühte >567 und im folgendenJahre sich vergebens, von den Seemächten jener Zeit ein Verbot der Zufuhr vonWaffen an die Russen auszuwirken. - Der gesammtcn Christenheit, schrieb er anElisabeth von England, werde Rußland einst furchtbar werden. Elisabeth aber, wiemir gleich sehen werden, war Iwan dem Schrecklichen gar wohlwollend zugethan,nahm es sehr übel, daß man ihre Schiffe in der Ostsee anhalte, legre Embargo aufpolnische Fahrzeuge, und verstand sich endlich dazu, der Hansestadt Hamburg dieSchlichtung des Streits zu übertragen. Auch den Lübeckern stellte ein polnischerGesandter vor, sie würden, wenn sie nicht ein Einsehen beizeiten hätten, noch ein-mal unter den Mauern ihrer eigenen Stadt zu kämpfen und den Nacken unter rus-sisches Joch zu beugen haben. Die Lübecker erklärten sich natürlich bereit der Kriegs-zufuhr sich zu enthalten; aber nichts sei bedenklicher, als den unschuldigen Handeleinzustellen; es würden die Seeleute sonst zu den Russen gehen und man müsse sichI wohl vorsehen, die Russen nicht an die See zu gewöhnen. Auf dem Reichstage zuSpeier war die rusfisch-livländische Sache an der Tagesordnung. Die Herzoge vonPommern schrieben, des Moskowiters Gemüth sei auf etwas viel Höheres als aufein paar Seehäfen oder auf die Provinz Livland gerichtet — unzweifclig sei erdes endlichen Fürnchmens, ein Herr und Gebietigcr der Ostsee zu werden. DerDstsce und Westsee, meinte Reval, das sich von. Reiche nicht will drängen lassen.Ein Ncichsgutachten erinnert, wie zu andern Zeiten der Moskowiter sowol gegenkaiserliche Majestät als gegen päpstliche Heiligkeit sich erboten, als ein Christ mitunserer christlichen Kirche sich zu vereinbaren, daneben gute Nachbarschaft zu halten.Der Kaiser erhebt sich bis zur Idee eines Reichsadmirals, der livländischen Sachewegen. Es blieb, wie gewöhnlich, bei den bloßen Worten. Ins nächste Jahr erst(18. Juli 1571) fällt das Schreiben des Herzogs von Alba an den Reichstag, „wosolche verdächtige Zufuhr nicht abgestellt, werde sich künftig nicht allein Niederland,
^ sondern die ganze Christenheit der Macht des Moskowiters zu befahren haben", einschreiben, das man, als Altmeycr es (vor etwa 15 Jahren) ans Licht brachte, für^ die früheste Warnungsstimnie zu halten gewohnt war.
Nur allzu früh nach dem speicrschen Reichstage sank Alles in Erschlaffung zu-rück. Max II. schrieb an Iwan, er möge Livland herausgeben; er und der Königvon Spanien und der Papst seien bereit, sich mit ihm gegen die Türken zu verbin-den, dann könne er das östliche Reich für sich erobern. „Möge", sprach 1577 desKaisers Gesandter, Cobenzl, „möge das alte Reich des Osten unter deine Herrschaftfallen, o großer Zar, das ist des Kaisers Wunsch." Das gute Verständniß war voll-kommen; Iwan hatte dem Kaiser, seinem Bruder, geschrieben, er beklage mit ihmd>e Gräuel der Bartholomäusnacht, alle christlichen Herrscher müssen sich darüber be-huben! Kaiser Rudolf II. ließ gar dem Gesandten des Zaren, Fcodor, in PragHoffnungen machen, die auf nichts Geringeres als auf eine Theilung Polens hin-