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Eilfter Band.
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Die orientalische Frage.

Pforte, so sind sie während deß vorliegenden Zeitraums nur spärlich zu nennen. Er-öffnet wird der Verkehr durch ein Schreiben Iwan s I». an Bajazet im Jahre 1492.Der Letztere nahm die Beschwerde» über Belästigung russischer Handelslepie in Asowund Kaffa freundlich auf, versprach Abstellung, wollte auch (1495) xj„cn Gesandtennach Moskau schicke», dem jedoch der Großfürst von Lithauen (wenngleich für seinePerson Iwans Schwiegersohn) die Durchreise versagte. Im Jahre 1496 ging dererste russische Gesandte nach Konstantinopcl, dessen hohes Auftreten dort verletzenmußte. Michael Pleschtschcjew verweigerte dem Sultan, was 100 Jahre späterder englische Gesandte dem Zaren und dem Diener des Zarciz willig leistete: dieErde vor ihm mit der Stirn zu schlagen. Noch mehr: er verweigerte, sich mit demUngläubigen zu Tisch zu setzen. Bajazet beklagte sich über den groben Man», scheintindessen, in Ermangelung besserer Manieren, den Russen den Handelsverkehr nichtminder als seinen eigenen Unterthanen gegönnt zu haben.

Eingeleitet und vermittelt war diese Annäherung durch Mcngli-Ghirai, den Khander Krim, der bei Gelegenheit der ersten Unfälle der Goldenen Horde sich losriß, undin der gemeinsamen Feindschaft gegen den Großkha» ein Band mit Rußland erkannte.Er hatte dem Namen nach 1474 der osmanischcn Hoheit sich unterworfen. Dochward es damit so genau nicht genommen. Ein Khan der Krim rühmte sich wol ein-mal, er sei es, der die Türken irregeführt und ins Verderben gebracht (1569) undsie nicht gern als Gebieter der alten Ulusse sehe, oder verrieth den Russen (1563)den ihm unwillkommenen Plan Sulciman's, den Don mit der Wolga durch einenKanal zu verbinden. Aber auch die Freundschaft mit Rußland hatte ihre Grenzen.Oftmals erschienen die Tataren der Krim als Feinde, noch häufiger als Räuber;einmal (1521) ward Moskau vor der Zerstörung nur durch zwei Deutsche, die dieVertheidigung leiteten, Niclas und Jordan, bewahrt. Man kann nicht offenherzigerseine Motive an den Tag legen, als es der Khan wol zu thun pflegte. „Du selbstj kragst die Schuld, wenn du angefallen wirst", schrieb er (1555) dem Großfürsten;„schicke mehr Geschenke und du wirst Ruhe haben. Zu mir sprechen Alle, die Freund-schaft des Moskowiten bringt uns jährlich einen Zobel, der Krieg aber Goldstücke zuTausenden." Oder auch (1566): „Willst du Friede, so gib uns Astrachan und Ka-san." Oder (1584): „Dein Vater erkaufte den Frieden mit 10000 Rubeln, ungerech-net die kostbaren Pelze; gib mir noch mehr, so unterdrücke» wir deinen Feind, denLithauer." Nicht ohne Rücksicht auf diese Plackereien eines Vasallen des Sultanserneuerte Rußland den Verkehr mit Konstantinopcl und wünschte dem Sultan Mu-rad (1584) Glück zur Thronbesteigung. „Unsere Altervätcr", schrieb Feodor (es warenIwan lind Bajazet), „unsere Großvätcr (Wassili und Suleiman), unsere Väter (Iwanund >Lclini) nannten sich Bruder; so herrsche denn Liebe auch zwischen uns; Ruß-land steht deinen Kaufleuten offen ohne Verbot, ohne Zoll; wir begehren ein Glei-ches und nichts weiter." Als höhnend der Khan (1592) sagte: „Was ist aus demmoskowilischen Heere geworden? wir haben Tausende ohne Waffen mit der Peitscheweggejagt, nachdem eure tapfern Wojwodcn sich im Gebüsch verkrochen hatten" —da ließ der Zar den Sultan ersuchen, er möge dem Khan seine Feindseligkeit unter»,

sagen. Murad war bereit, das zu verbieten, wenn der Zar die Kosacken von, Don

wegnähme und die Festungen schleife, sonst werde er nicht allein den Khan, sondernihn selbst, den Sultan, z» Wasser und zu Lande zum Feinde haben. Nur durchdas Versprechen jährlichen Tributs und kostbarer Pelze erkaufte Feodor (1594)dom Khan den Frieden.

Diese Vorgänge enthüllen das Bewußtsein der Schwäche, mit welchem Ruß-land der Pforte gegenüber noch auftrat. Man wird sich nicht verwundern, wenn

"nkcr diesen Umständen die Erbschaft der Palävlogcn noch nicht znnickgcfodcrt ward.Es ist möglich, daß Iwan (1559) eine seltene Gelegenheit, die Verwirrung in der^>m z>, einem Handstreich zu benutzen, deshalb versäumte, weil er nur Livland im Sinnhafte. Aber gewiß bleibt, daß man an der Ostseeküste nicht auf einen so compactcnwiderstand, nicht auf einen so mächtigen Staatskörper stieß wie am Schwarzen Meere.