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Die orientalische Frage.
Dasselbe Ergebniß zeigt sich beim ersten Zusammenstoß mit der Pforte. Däni-sche Kosacken hatten 1637 auf eigene Hand Asow erobert und einen türkischen Ge-sandten, der nach Moskau eine Beschwerde bringen sollte, unterwegs erschlagen. DerSultan ließ die Tataren dem Zaren ins Land fallen. Dieser aber ließ in Kon-stantinopel, unter Darreichung von Zobeln, versichern, daß die räuberischen Kosacken,wiewol russische Unterthanen, gegen das Gebot des Zaren gethan. Wenn er ihnenihre Eigenmacht verwies, so machte dies anfangs ebenso wenig Eindruck als dasErbieten der Türken, daß jeder einzelne Kosack bei der Übergabe der Festung1000 Thaler erhalten sollte. Man hat sich verwundert, daß dem Zaren die Augenüber die Wichtigkeit des von den Türken so hoch geschätzten Platzes nicht aufgegan-gen, daß er die Kosacken beharrlich abmahnte, bis sie, von ihm im Stich gelassen,von Polen bedroht^ die Stadt zerstörten und räumten (1642), ohne das heranzie-hende, gewaltige türkische Heer zu erwarten. Man vermuthete, der türkische Gesandtehabe durch Gold und durch die Androhung eines VernichtungskampfcS gegen dieBckenner des griechischen Glaubens die Große» des Reichs für die Nachgiebigkeitgewonnen. Aber Michael Romanow war der erste Herrscher einer neuen, nochnicht befestigte» Dynastie; und es begreift sich, daß er in dem Sultan einen nochallzu gefährlichen Gegner sah.
Im Jahre 1676 war der Krieg doch nicht abzuwenden. Der Anlaß warwiederum den Kosackenwirrcn ilicht fremd. Die Kosacken der Ukraine hatten (wie imzweiten Bande der „Gegenwart" im betreffenden Artikel entwickelt ist) 1654, zunächst weilsie der von Polen gebotene» Union und den herbeigerufenen Jesuiten sich nicht fügenwollten, von Polen sich losgerissen und Rußland sich unterworfen. Aber ihre Un-terthänigkeit schwankte; es waren Spaltungen unter ihnen; der Hetma» einer dergroßen Parteien wandte sich an die Pforte; Rußland aber wollte um keinen Preisdie Türken als Grenznachbar» am Dniepr haben. So brach der Krieg aus. DiePolen, welche daran thcilgenommen und von den Türken sich bedrängt fanden,traten im Frieden am 17. Oct. 1676 den Tücken den bestrittenen (von Rußlandfactisch besetzten) Theil der Ukraine ab. Feodor führte der Pforte gegenüber eine be-herztere Sprache; er sprach von einem Anspruch auf den Besitz von Asow, er ver-sicherte mit echtrussischer Wendung: Tschigirin zurückzugeben sei ihm unmöglich; esseien dort Kirchen, welche die Türken in Moscheen verwandeln würde», also lauftdie Abtretung wider den christlichen Glauben. Die Pforte war. im Kriege nichtglücklich; sie schloß mit Rußland 1681 einen Stillstand für 20 Jahre; währenddieser Zeit sollten die Russe» im Besitz der von den Polen an die Pforte abgetre-tenen Theile der Ukraine bleiben. Daran schloß sich ein Vertrag zwischen Rußlandund Polen, 1686, in welchem die Republik den schweren Entschluß faßte, auf dieRückgabe der von Rußland zum Theil vertragswidrig besetzten Gebiete, darunter dieUkraine, Kiew und Smolensk, zu verzichten. Einen schimpflichen Vertrag hat der pol'Nische Patriotismus ihn genannt; Johann Sobieski hat ihn mit Thräne» im Aug*unterzeichnet; ein Beweis mehr, daß Salvandy Recht hat, wenn er ihm zwar H^'denmulh im heißen Kampfe und hinreißendes Feuer, nicht aber die energische E»f'schlofsenheit des Staatsmannes zuschreibt. Und Sobieski täuschte sich vollständigder Erwartung, die ihm allein ein solches Opfer zulässig erscheinen ließ: er h^gemeint, russische» Beistand gegen die Pforte dadurch zu erkaufen.
Peter's der Großen Aufgabe, Rußland im europäischen Staatcnsystem einzubürgern.
Sechs Jahre, nachdem Peter Alexiewitsch die Zügel der Alleinherrschaft lft'faßt, nahm er Antheil am Türkcnkrieg, der aus den ungarische» Händel» erwachn'''durch die zweite Belagerung Wiens ganz Europa erschreckt hatte. Die Wasserst"?des Don, durch den Frieden von 1U8I den Kosacken bis ins Asowsche Meer ft>r rZweck der Fischerei geöffnet, tkug jetzt die Anfänge der russischen Kriegsflotte. ^zweiten Feldzug fiel Asow; es ward von den Russen neu befestigt und der Hmvon Taganrog ward auSgegraben.