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Die orientalische Frage.
Also der Nordische Krieg sollte Rußland ckns Meer Zieren, sollte dir nülitarischrErstehung des Volke vollenden, die polnischen Lrhrrahic des Stanks abschließe».Denn daß Absicht, Plan und System hier vorliegt, sagt Jeder sich selbst; und wiesehr die im Neustädtcr Frieden genommenen Provinzen nur als Mittel zum Zweck,nicht wegen ihres damaligen Zustandes, sondern im Bewußtsein Dessen, was sie wer-den konnten, geschätzt wurden, wird unter Anden» anschaulich, wenn man aus amt-lichen Daten ersieht, daß die.Einkünfte der Krone auS jene» Provinzen im Jabre1728 nur 100000 Nudel, die Hafenzölle von Petersburg aber im Jahre 1710bereits 600000 Rubel betrugen.
Indessen man würde dem Gesichtskreis Pcter's nicht sein Recht widerfahrenlassen, wollte man ihn durch das Obige für begrenzt halten. Schon l7>1 hielt eri» Riga eine sehr merkwürdige Rede, worin er seine Landslcutc auf- den erstaunlichenFortschritt des Landes hinweist. Mit einem male wird er zum Seher. „Aus Grie-chenland und Italien habe» Wissenschaft und Kunst sich über Deutschland und Po-len verbreitet. Auch an uns wird die Reihe kommen. Ich vergleiche die Reiseder Wissenschaften mit dem Umlauf des BlutS im menschlichen Körper, und esahnt mir, daß dieselben dermaleinst ihren Wohnsitz in England, Frankreich undDeutschland verlassen werden, um einige Jahrhunderte bei unS sich aufzuhalten unddann nach ihrer wahren Heimat, nach Griechenland, zurückzukehren."
Findet man diese Aussichten vielleicht phantastisch? Und, wenn der Zar esfür möglich hielt, daß noch bei seinen Lebzeiten die Russen andere gesittete Landerbeschämen würden, ist es dieselbe großartige Selbsttäuschung, die noch in unser» Ta-gen Herrn von Uwarow einmal die deutschen Hochschulen auf russische Muster verwei-sen ließ? Wohl, so wird mau dagegen in> Folgenden eine, den strengsten Anfodc-rungen der „Realpolitik" entsprechende Berechnung, ein gegebenes, vollständig einge-löstes Pfand nicht verkenne». In, Jahre 1717 — eS ist Flassan, der den Denkwür-digkeiten des Marschalls Tcsse nacherzählt — im Frühjahr 1717 ließ der Aar beiseinem Aufenthalt in Paris den französischen Ministern sein Bündniß in dieser Weistantragen: „Das System Europas ist ei» anderes geworden; die Grundlage allerfranzösische» Verträge ist der westfälische. Weshalb hat Fraulich mit Schwede»sich verbündet? Es war, weil Schweden in Deutschland Besitzungen hatte, u»l>weil mittels der schwedische» Macht und der Verbündeten Frankreichs in Deutsch'land dies Bündniß der Macht des Kaisers die Wage hielt. Aber heute ist Sckwt'den fast vernichtet, kann es für Frankreich keinen Beistand mehr abgebe»; die Machtdes Kaisers ist unendlich angewachsen; heute bietet der Zar sich dar, an der StehtSchwedens, und bringt Frankreich nicht allein sein Bündniß, sondern seine ga»?tMacht, und zugleich die Macht Preußens, ohne welches der Zar nicht zu Hanke»'vermöchte." Damit ist, nach unserer Ansicht, der eigentliche Kern von Pcter'sGroßen Politik enthüllt. Der große Nordische Krieg sollte Rußland mittels des sei^"Fußes au der Ostsee und, fügen wir sogleich hinzu, in Deutschland, i» der Re>^der Staaten einbürgern, ihm seinen Platz im europäischen Staatensystcm erkämpf'Zunächst allerdings auf Kosten Schwedens; das war eine „geographische Noth»"'»'digkeik". Aber sobald Rußlands Zweck, im Wesentlichen erreicht war, hatte P^,gar nichts dagegen, als Schutzherr des Überrestes schwedischer Macht gegen diesprüche seiner eigenen, frühern Verbündeten aufzutreten. Daß Peter den Fortsc»''Rußlands im Südostcn durch dieses Vorrücken im Nordwesten, daß er die Eutwwlung der Macht Rußlands im Orient durch sein Vollbürgcrrcckt im Abendland'dingt erkannte, daß er also die „östliche Frage" keine» Augenblick während des R»bischen Krieges aus dem Gesicht verlor, braucht kaum gesagt zu werden.
Die europäischen Mächte, gegenüber dem System Peter'8 des Großen-
Es wird nun daS Verhalten der einzelne» Staaten, diesen Entwürfe« gegenüber, inS Auge zu fassen sein.