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Eilfter Band.
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Die orientalische Frage.

Darauf trat der Zar seine erste große Reise an. Es ist oftmals erzählt, wieer sie zu seiner Belehrung nach allen Richtungen hin zu benutzen verstand. Fügenwir hinzu, was auf der Rückkehr in Wien (im Juni 1698) ihm begegnete. Ver-gebens hatte er sich bemüht, den kaiserlichen Hof für energische Fortführung desTürkenkricges zu stimmen, und sein eigenes bescheidenes Begehren — den Besitz vonKcrtsch, wodurch er Herr der Durchfahrt vom Asowschen ins Schwarze Meer ge-worden wäre — als eine der Friedensbedingungen zu empfehlen. Auf die Frage,wer denn den Frieden so dringend verlange, gab Graf Kinskn die Antwort: dieganze Christenheit. Ein deutlicher Wink, daß Rußland zur gesummten Christenheitnicht gerechnet werde.

Der Schluß des Jahrhunderts brachte den Frieden von Karlowitz (1699) unddamit den Beginn eines neuen Zeitraums der osmanischen Geschichte. Unter derVermittelung zweier Mächte standen vier andere den Osmanen gegenüber. DieserCongreß bezeichnet nicht sowol die Aufnahme der Osmanen ins europäische Staaten-system als vielmehr die Unterordnung der Osmanen unter die Beschlüsse euroväi-scher Congreffe, und somit, wie Hammer es mit starken Worten sagt, die völkerrecht-liche Verkündigung des Verfalls des Osmanischen Reichs. Derselbe, Geschichtschreiberhat einen sehr wichtigen Umstand hervorgehoben: bei diesem allerersten Anlaß ge-meinsam europäischer Unterhandlung mit den Türken wollte Rußland von Vermitke-lung nichts hören, sondern bestand auf unmittelbarer Verhandlung. So sehr ist dierussische Politik sich gleichgeblieben. Übrigens schloß Rußland damals noch nichtFrieden, sondern nur einen zweijährigen Waffenstillstand, der erst am 13. Juni 1700,von den Türken widerstrebend und nur bei der Aussicht auf eine» neuen russischenKrieg, in einen 30jährigen Frieden verwandelt ward, durch welchen Asow dannförmlich abgetreten wurde.

Vier Wochen nach dem Abschluß dieses Friedens mit der Pforte erklärte Peter> den Krieg an Karl Xll., König von Schweden. Schon das Jahr zuvor hatte erim Geheimen mit Dänemark und mit Polen sich gegen Schweden verbündet — mitPolen drei Tage i^chdem er die alten Friedensvcrträge mit Schweden erneuert, unddieses polnische Bundniß verpflichtete den König von Polen, „mit aller Macht undFleiß dahin zu sehen, daß Se. -arische Majestät einen festen Fuß an der Ostseemit ruhigem und unstreitigem Besitz und völliger Herrschaft erhalte".

Den Gesichtspunkt, von welchem Peter der Große bei seiner Betheiligung amgroßen Nordischen Krieg ausging, werden einige seiner eigenen Äußerungen, die kaumeines Commentars bedürfen, am besten bezeichnen. Die große Niederlage von Narwa(30- Nov. 1700) nennt er ein wahres Glück, „denn", sagt er in seinem Tagebuch,„wir waren gezwungen unsere Thätigkeit zu verdoppeln und durch Umsicht den Man-gel an Erfahrung zu ersetzen". Das Urtheil des polnischen Generals Hallarr, der inder Schlacht gefangen ward, läßt über das russische Kriegswesen keinen Zweifel:„Auch ist", schreibt er, „Jhro -arische Majestät selbst kein Soldat, auch haben alleseine Generale, soviel ich deren kenne, so wenig Herz als ein Frosch Haar aus demBauch." Nichtige Erkenntniß des Schadens ließ den Zaren ei» nicht unbeträchtlichesHeer bei den Polen förmlich in die Lehre geben, „sodaß", bemerkt Scholl, „die Repu-blik selbst das Werkzeug schärfte, das Polen zerstören sollte". Zwei Jahre späterrühmt Peter's Tagebuch schon: „Zwei gegen Einen sind wir jetzt, Gott sei gelobt, denSchwede» gewachsen." Nach der Schlacht von Liesna in der Ükraine (Oktober 1708):„Es war dies die erste Probe, die den Soldaten ermuthigke und ihm das Vertrauengab, das neun Monate später die Schlacht von Pultawa zutage förderte." Nachdem Siege von Pultawa (Juli 1709) schrieb er an den Admiral Apraxin: „Jetzt istwit Gottes Hülfe der Grundstein von St.-Pctersburg vollständig gelegt." Und nachdem Neustädter Frieden (1721) an Dolgoruki: „Alle Schüler endigen sonst i» sieben-sahrci, ihre» Lehrcursus; unsere Schule hat drei mal solange gedauert, jetzt ist sieGottlob ganz erwünscht zu Ende gebracht, wie Ihr aus dem Friedensvertrag er-nhen werdet."