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Die orientalische Frage.
Friedrich aber, wenn er Nutzen davon ziehen sollte, war keine Zeit zu verlieren.Sultan OSman starb nach drei Jahren; Ncxin erschien mit einem Glückwunsch-schreiben zu Mustapha's Regierungsantritt, durste aber (August 1758) nur im tief-sten Geheimniß nach Konstantinopel kommen. Der östreichische und französische Ge-sandte erspähten endlich seinen Aufenthalt, der Grofivczicr Naghib ließ sich vonErster», die Sache erzählen und versetzte unbefangen, es sei gar nichts daran.
Das Waffenglück war während der vier ersten Kriegsjahrc merkwürdig wechsel-voll; im Jahre 1760 war selbst Friedrich's Hauptstadt drei Tage in der Hand derRussen. Man mag urtheilen, ob Ncxin ein Motiv hatte, alle Segel aufzusetzen.Glücklicherweise war Naghib nach Hammcr's Urtheil ein sclbstdcnkcnder, bahnbrechen-der Staatsmann, der bei länger». Lebe» mit Preußen ein Schuh- und Trutzbünduißgeschlossen, den Krieg a» Ostreich erklärt, und somit die ganze osmauische Politikumgestaltet haben würde. Fürs erste blieb es bei einem Frcundschaftsvertrag(20. März 1761) und einer feierliche» Audienz des Bevollmächtigten. „29er daklopft", sagt Nesmi-Achmcd, in seine», Gesandkschaftsbericbt mit Bezug auf Friedrich'sUnterhandlungen, „wer da klopft, dem wird aufgethau, und so wurde denn auch ihmdas Thor allerhöchster sultanischer Gnade eröffnet." Nächst dem englischen Ge-sandten hatte» einige Grieche» und Türke» sich in der Sache bemüht und warennicht »»belohnt geblieben; 80,000 Piaster, wußte man, seien durch Ncxin'S Händegegangen. Der russische und östreichische Gesandte schlugen ihren Höfen vor,100000 Dukaten daranzusetzen, den Vertrag noch vor der Ratifikation umzustoßen;die Urkunden aber wurde» sehr rasch (in, Juli) ausgewechselt, die preußische kamrechtzeitig au, wenngleich der Eilbote, der sie überbrachte, unterwegs von dem ihnbegleitenden Janitscharcn erschossen war. Friedrich führt als einzige, indirekte Fruchtde? neue» Verhältnisses an, daß die Pforte, wenngleich gar nicht kriegslustig, einenCordon von 110,000 Man» au der ungarischen Grenze aufstellte. „Das war vielfür die Pforte, aber es war wenig für Preußen, das wirksamer Hülfe bedurfte."
Schwere Prüfungen brachte das Jahr 1760. Der Familicnpact der bourbo-nisckcn Herrscherstämme in Frankreich und Spanien (15. Aug.) verstärkte das euro-päische Bündniß und schüchterte Friedrich'» einzigen Verbündete» ei»; der Tod Ecorg's ll.(25. Oct. 1760) hatte das englische Bündniß schon gelockert, mit dem Ausscheide»des älter» Pitt (5. Oct.) aus dem Ministerium war es vollends ins Schwanke»gekommen; sehr bald zeigte sieb, daß Lord Bute die vertragsmäßige» Kricgsgeldcrverweigerte. I», Späkjahr soll Friedrich, verzweifelnd an der Lage dcS preußische»StaatS, dem Gedanken des Selbstmordes nickt frcmdgeblicben sei». In diesemSpäcjahr aber leuchtete ihm aus der Ferne unverhofft, unsicher, neckisch vielleicht,ein Schimmer der Hoffnung auf. Es eröffnete sich die Unterhandlung mit demKhan der Krim, deren Verlauf jüngst Theodor Mundt in seiner eleganten Weise,hauptsächlich nach den Berichten des Lieutenants von der Golz, als ein „Vorspielder russisch-türkischen Kämpfe" dargestellt hat. Es ist viel Komisch-Abenteuerlichesin dieser ganzen diplomatischen Episode; aber der Hintergrund ist doch ein ernster,theils durch da§ Tragische in der Lage des Königs, theils durch das Zutreffende desPolitischen Gedankens, den Feind im Rücken angreifen zu lassen und so zunächstPommern von den Russen zu befreien.
Der Khan hatte schon 1750, als er noch Scraskier von Budsckak war, denKönig seiner Bewunderung versichern lassen, und als jener durch eine Bewegungder NogaiS in einer Weise zum Khan postulirt ward, daß der Pforte »icbts übrig-blieb, als ihn zu bestätige», so war auf Ncxiu's Betrieb ein verdorbener holländi-scher Candidat der Theologie, Namens Voscamp, als Agent »ach Baktschi-Scrai ge-schickt worden. Die erste Folge dieser Sendung war nun die Gesandtschaft MustaphaAga's, der sich mit »»verblüfftem Freimuth zugleich als Barbier seines Herrn, desKhan, zu erkennen gab. „Bei den östlichen Völkern", sagt Friedrich, „gilt Derjenigesür den ersten Mann ini Staat, welcher am nächsten mit der Person des Souve-räns in Beziehung kommt." „Der Stil des Beglaubigungsschreibens", fügt er hinzu,