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Eilfter Band.
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Die orientalische Frage.

„hatte wieder eine andere Färbung von Lächerlichkeit als der Stil der Reichskanzlei."DaS Anerbieten von 16000 Tataren war jedenfalls nicht zu verachten; fielen siewirklich in Rußland ein, so war nichts wahrscheinlicher, als daß die Pforte dadurch,auch ohne es zu wollen, i» den Kampf werde mit hineingeriffen werden. Der Lieu-kenant von Golz, den Friedrich zur Verhandlung mit dem Khan auserschen, mußtein Baktschi-Scrai, um nicht beim französischen Consul und bei den russischen SpionenVerdacht zu erregen, als Pferdehändler auftreten. Der Khan war mehr berechnen-der Weltmann, weniger enthusiastischer Natursohn, als man erwartet; Wochen undMonate vergingen, bevor da« Geschäft zum Abschluß kam, als die Nachricht vomTode der Kaiserin Elisabeth, von der Thronbesteigung Peter's lll-, der viel unbe-dingter als der Khan für den Prcußcnkönig schwärmte, und somit von dem voll-ständigen Umschlag russischer Politik eintraf.

Nun kam es daraus an, die Streitkräfte des Khan und, wenn sie mobilzu-machen war, der Pforte, gegen Östreich zu wenden. Der Khan hatte aber vielgrößere Lust, gegen die Russen, die er haßte, als gegen die Östreich» zu ziehen; erverbarg nicht seine Verwunderung über die veränderten Vorschläge Preußens; derKönig war auch mistrauisch und die bedungenen 450 Beutel sollten nur erst aus-gezahlt werden, wenn die Tataren an der ungarischen Grenze stehen würden. Einekleine persönliche Intrigue mag hinzugekommen sein; die Verhandlung zerschlug sich,Boscamp hatte mit dem Khan sich überworfe», Golz kam im December 1762»«verrichteter Dinge nach Leipzig, wo er dem Könige, der eben dort weilte, seinenBericht erstattete.

Auch in der Türkei ging Friedrich's Sache nicht vorwärts; ein Schutz- undTruhbündniß ward standhaft abgelehnt; zum vierte» male, bemerkt Hammer, schei-terten Friedrich's Bemühungen. Der König hat in seinen nachgelassenen Schriftenmit guten, Humor den moralischen Grund dieses Scheiterns selbst darin erkannt,daß es doch gar zu befremdlich sein mußte, wenn der preußische Gesandte heute Al-lcs that, um den Divan zum Krieg gegen Rußland zu stacheln, und wenn ermorgen mit ernster Miene sich erbot, etwaige Differenzen, welche zwischen der Pforteund der seinem Herrn so nahe befreundeten russischen Regierung obschwebcn möch-ten, durch seine Vermittelung ausgleichen zu helfen. „Da mußten", sagt Friedrich,„die Türken also schließen: diese Preußen fürwahr sind das leichtfertigste, unbestän-digste Volk der Erde; wenn sie uns jetzt zum Krieg gegen die Königin von Ungarntreiben wollen, wer steht uns dafür, daß sie nicht binnen sechs Monaten mit dieserKönigin auch gut Freund sein werden?"

Nexin'S Sendung aber ward, um es an der Form nicht fehlen zu lassen, durchdie Gesandtschaft des Ncsmi-Achmed 1765 erwidert. Im Beglaubigungsschreibenwar der König auch Herzog von Schlesien genannt; zum Zeichen, daß man inKonstantinopcl das Ergebniß der beiden schlesischen Kriege nicht vergessen hatte.Seine Weisung ging unter Anderm dahin, für den Fall des Todes des Königs vonPolen sich mit der preußischen Regierung zu verständigen, indem die Pforte wederrussische noch östreichische Einmischung dulden »volle. Auch sollte er die Hoffnungausdrücken, daß das russisch-preußische Bündniß für die Pforte keine nachtheiligenFolgen herbeiführen werde.

Reemi-Achmcd hat einen Gcsandtschaftsbericht ausgearbeitet, der von, Reichs-historiographen vollständig wiedergegeben, auch in einer deutschen Übersetzung (vonDie;, 1800) bekannt geworden, und der vielfach zur Ergotzlichkeit des deutschen Pu-blicums hat dienen müssen. Wir wollen für die Genauigkeit seiner Anschauungenkeine Lanze einlege»; wenn er indessen erzählt, Friedrich habe um Maria Theresia'«Hand geworben, um Kaiser zu werden, sei aber als Lutheraner abgewiesen; oderPreußen sei der Name eines Schlosses, daS jetzt gewöhnlich Grandabur genanntwerde; oder die Berliner rühmen sich des Glaubens an einen einzigen Gott, schämensich auch nicht zu sage», daß sie noch Moslim werden wollen: so sind das ebenDinge, wie man vor nicht langer Zeit noch gewohnt war, sie in englischen Büchern