Band 
Zwöflter Band.
Seite
XI
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Schlußwort.

halten, daß das Werk nicht in einen wirren Sprechsaal aller Parteien umschlüge. Esgereicht uns darum zur großen Genugthuung, daß wir trotz dieser Schwierigkeiten auchaus dem politischen Gebiete die Einheit der Auffassung aus dem freien denkenden undwissenschaftlichen Geiste heraus, ohne welche ja die tiefere und lehrreiche Durchdringungder Zeitgeschichte unmöglich und die Beurtheilung derselben zur Verurtheilung wird,unbeirrt von rechts und links, festzuhalten vermocht haben.

Was die Form betrifft, in welcher wir das Werk ausgeführt haben, so magdieselbe — wir meinen namentlich das Aufgeben der alphabetischen Reihenfolge —zwar für Unternehmungen dieser Art als ungewöhnlich gelten, aber sie war durchden eigenthümlichen Charakter unsers Zeitlebens bedingt, und hat wesentlich dazubeigetragen, unser Ziel erreichbar, unsere Arbeit recht fruchtbar zu machen. Alswir in dem politischen Strudel von 1848 unsere Mittheilungen begannen, drängtensich Ereignisse und Persönlichkeiten in der buntesten Fülle, ein Tag strafte gleichsamden andern Lügen, was heute Geltung hatte und einen geschichtlichen Punkt abzu-geben schien, war am nächsten Tage überholt, verschwunden, und Niemand konntedas Ende und das Resultat dieses flüchtigen Spiels voraussehen. Wir wurden in-folge solcher Umstände darauf hingewiesen, den Begebenheiten des Tags nur langsam,bedachten Fußes zu folgen, und unsere Darstellungen in die Form zusammenhängen-der, gewichtiger Abhandlungen zu fassen, welche die Übersichtlichkeit erleichtern, denorganischen Zusammenhang der anscheinend so willkürlichen Tagesgeschichte darlegen,und das Unwesentliche und die Nebensachen von selbst ausschließen, indem bei solcherBehandlung die Kritik und die vollkommene Verarbeitung des Stoffs zum nothwendigenGesetz wird. Nur das Festhalten an dieser Form hat es auch möglich gemacht, dasunermeßliche Material, nicht nur der politischen Tagcsgeschichte, sondern auch derkulturgeschichtlichen und wissenschaftlichen Gebiete in einer so mäßigen Anzahl vonBänden zu bewältigen. Freilich ist uns nicht entgangen, wie diese zusammenfassendeForm der Abhandlung manches Detail ausscheidet oder unentwickelt lassen muß, dasdem Einen oder Andern doch von speciellem Interesse ist, und namentlich dürfte diesseine Anwendung auf das Feld der biographischen Mittheilung finden. Allein dereine Vortheil überwog den andern; und am Ende wird kein Einsichtsvoller Federungenan ein Werk stellen wollen, die es seinem Charakter gemäß nicht gewähren kann.

Eine schwierige und für uns wie für unsere Leser nicht unwichtige Frage wardie über den Abschluß des Werks, da wir die Erzielung desselben versprochen hattenund ein Hinüberlenken zur Zeitschrift niemals in unserer Absicht lag. Wir habenuns in dieser Beziehung an den Punkt gehalten, daß die politischen Ereignisse, diemit dem Jahre 1848 eintreten und so greifbare Veränderung in allen Verhältnissender europäischen, ja mittelbar der ganzen Welt herbeiführen, der eigentliche stoff-liche Kern unserer Darstellung sein müßten, und daß wir ohne Zweifel in ein neuesGeschichtsfeld eintreten würden , wollten wir im Ganzen in der Geschichte des öffent-lichen Lebens weitergehen, als diese Ereignisse und ihre nächsten Folgen reichen. Die-ser Kern, dieser eigentliche Körper unserer Zeitgeschichte ist von uns durch die Ge-schichte aller Staaten und Völker hindurch, die hier in Betracht kommen können, plan-voll entwickelt worden; ja wir haben selbst in einer Reihe von Artikeln die Orienta-lische Frage ihrer innern Geschichte nach entfaltet. Darum nun, weil wir diese sich soprägnant herausstellende Aufgabe nach allen Seiten hin gelöst, mußten wir gegenwärtigden Zeitpunkt für eingetreten erachten, wo wir das Werk mit Grund und ohne Über-eilung schließen konnten. In Bezug auf das kulturgeschichtliche Element unsers Zeitlebenssind wir aber bei der Unendlichkeit des Materials und der Continuität der Thatsachendarauf angewiesen gewesen, mit der Erörterung und Behandlung der großen Problemeund der die Zeit wesentlich charakterisirenden und bestimmenden Erscheinungen die Auf-gabe des Werks für erfüllt zu halten, da ein breiteres und weiteres Eingehen dieArbeit in ein unbegrenztes Feld geführt und den Abschluß, der jetzt möglich und gerecht-fertigt war, später zu einem gewaltsamen gemacht haben würde. Allerdings mag mandarüber rechten, ob das Eine oder Andere nicht noch seine Stelle in dem Werke hätte