4 Australien.
Hastings, der Macleay, der Bellengen, der Clarence, der Richmond, der Tweedund der Brisbane. Das Land ist meist mit Waldung von mächtigen Laubbäumenbestanden, mit dichtem Unterholze und üppigen Schlingpflanzen stafflet. Diese Artvon Wald nennt man Brushes, zum Unterschiede vom Bush im Sidney-Bezirke.Neben dem auch hier nicht fehlenden Gummibaume stnd häufig: eine Myrte von160 — 200 Fuß Höhe und 25 — 30 Fuß Stammumfang, die sogenannte Austra-lische Ceder (Leclrsls loons, ein mit der eigentlichen Ceder gar nicht verwandterBaum), welche ein sehr geschätztes mahagonyartiges Möbelholz liefert, der Gras-baum (x-wtborsa), honigspendend in der Blütezeit, und der Baumfarrn, eine an-muthige Kryptogame mit prächtig gefiedertem Wedel, in ihrer Riesengröße an jeneUrsarcn erinnernd, welchen wir wahrscheinlich die Steinkohlen verdanken. DasUnterholz ist äußerst dicht, und die riesigen Schlingpflanzen schlagen ihre groteskenGewinde von Baum zu Baum. Die Dichtigkeit des Waldes erweist sich selbstdem Sonnenstrahle undurchdringlich: es herrscht in diesen Wäldern eine ewige Nacht.Von Moretonbai an tritt hinzu die Kohlpalme und die riesige Moretonbaifichte (^u-i-oo.iris 6unmng!mmi) von 17 — 20 Fuß Umfang und 100 Fuß Höhe. Die Bunja,eine Art dieser Fichte, gibt alle drei Jahre eine reiche Ernte von Zapfen, einen Fußlang und neun Zoll dick. mit wohlschmeckendem Kerne, eine Lieblingsspeise der Ein-geborenen. Dieser Baum bedeckt ausgedehnte Strecken bei Widebai. Wo die Wal-dung gerodet wird, schießt bald wieder Gebüsch auf. namentlich die zierliche Lentanamit zart blaßrothen Dolden und rauhen Blättern, denkn der schwarzen Zohannis-beere an Geruch und Aussehen ähnlich. Zwischen der Waldung erstrecken sich weiteSavannen, bereits überall mit großen Vieh- und Schafheerden besetzt, welche diebeträchtliche Woll- und Talgausfuhr von Moretonbai begründen. Das Land istfür den Anbau der meisten intertropischen Erzeugnisse, namentlich für Taback, Zuckerund Baumwolle vortrefflich geeignet. Man erlangt zwei Getreideernten im Jahre,eine vom Weizen und eine vom Mais. Letzterer ergibt 75—100 Bushel pro Acre..Die meisten europäischen Gemüse gedeihen vortrefflich. Es harren hier überhaupt12 Millionen Acres von großer Fruchtbarkeit und mit bequemer WasserverbindungdeS Anbaus der Menschen. Allerdings ist während der fünf Monate dauerndenRegenzeit die Atmosphäre gar schwül. Die Rodung der gewaltigen Waldung er-weist sich überdies äußerst schwierig, und der hohe Preis, zu welchem das Land vonder britischen Regierung verkauft wird, verhindert darum geradezu die Ausdehnungder Cultur. Ehedem geschah die Rodung des Waldes durch die Banden der Depor-tirten in weniger kostspieliger Weise, was mit der Aufhebung des alten Sträfüngs-systems natürlich aufgehört hat. Auch ist der Baumwollenbau bei den gegenwärtigenArbeitslöhnen in Australien nicht lohnend für Capitalisten, da man mit der durchSklavenarbeit erzeugten amerikanischen Baumwolle nicht zu concurriren vermag. Dochwürden alle die Fesseln fallen, welche bisjetzt die Niederlassung erschweren, so müßtehier ohne Zweifel sehr bald ein ansehnliches Centrum kleiner Grundbesitzer erblühen.
Gippsland, das südliche Ende der australischen Westküste, von allen Seiten vomhöchst unwegsamen Gebirge der Hauptkette und deren Abläufern, sowie von einersteilen unzugänglichen und Hafenlosen Küste umgeben, ist bisher noch wenig besuchtund dem Verkehr eröffnet worden. Zwischen den gewaltigen Gebirgsarmen liegt hieraber eine reiche Landschaft von dichtbewaldeken Hügeln, fruchtbaren Thälern, gras-reichen Savannen und Feldern mit offener Waldung, durchschnitten von zahlreichenFlüssen und Seen. Das Klima ist feucht, und das Land wird gegenwärtig haupt-sächlich zur Rindviehzucht benutzt, für welche es sich vorzüglich eignet. Die Flüssewerden durch Barren an der Mündung versperrt, und der Mangel an tauglichenHäfen war bisher der Entwickelung der offenbar sehr reichen Hülfsquellcn dieses Land-strichs hinderlich.
An die Hauptgebirgskette schließen sich bei den Australischen Alpen drei kleinereGebirgszüge, der Macedon, die Pyrenäen und der Grampian, welche sämmtlichnordsüdlich streichen, aber durch Vorspränge so eng miteinander und mit der Haupt-