Australien» 3
jung mit wenig oder keinem Unterwuchs, in welcher die Bäume ziemlich weit von.einander abstehen, während auf dem grobkieseligen Boden sich hier und da Bündelgebräunten Grases zeigen. ,Die Stämme sind hoch und bis zu einer beträchtlichenHöhe unbczweigt. Lose Streifen Rinde schlottern an. den Stämmen, das kleine undspärliche Laub versagt allen Schatten, und es herrscht in solcher Waldung drücken-dere Hitze als im freien Felde. Alte Stämme und verdorrte Aste liegen hier undda auf dem nackten Grunde, oft gebräunt vom Waldbrande, und auch stehendeBäume sehen häufig versengt aus. Diese Gummibaumwaldung verbreitet sich überden unfruchtbarsten und nacktesten Boden.
Die Flüsse haben einen sehr hohen Fall und stürzen sich während der Regen-zeit mit reißender Heftigkeit herab. Ihre Mündungen sind daher immer mit Barrenversperrt, sodaß nur Boote einlaufen können. Wie die meisten australischen undafrikanischen Flüsse überhaupt, zeigen sie größtentheils während der trockenen Zeit nurReihen von Lachen oder Walsrttolss (Bleyen, wie die Holländer in Südafrika sienennen) auf. Ungeachtet der geringen Entfernung der Küste vom Gebirge ist derLauf der Flüsse meist beträchtlich lang, indem sie häufig große Strecken nördlichoder südlich längs des Gebirgssußes, fortwährend durch Zuflüsse gespeist, hinziehenund große Schlingen beschreiben. Im obern Lause enthalten die Flußufer sehr ergie-bigen Alluvialboden, im Urstande mit kräftiger Vegetation besetzt, aber wegen Ein-mündung der Gebirgswaffer plötzlichen Überschwemmungen ausgesetzt. Der Hawkes-bury steigt bei solchen Überschwemmungen 90 Fuß in wenig Stunden. An denUfern des Hawkesbury und des Hunter und deren Zuflüssen befinden sich die ältestenAckerbaubezirke Australiens. Der Hunter mit Zuflüssen umfaßt einen Ackerbaube-zirk von 2000 englischen Quadratmcilen, geeignet für Weizen, Gerste, Rüben, Taback,Wein , europäisches Obst. Am Hawkesbury wird seit der Entdeckung desselben ausge-zeichneter Weizen gewonnen, oft mit einer Nachernte von Mais. Das Gebiet desuntern Hunter ist unfruchtbar, besitzt dafür aber reiche Kohlenlager. Die Kohlenwerden in dem guten Hafen Newcastle an der Mündung des Flusses verschifft. DasEmporkommen dieser Agriculturbezirke findet sich indessen durch Zusammentreffenvon Misständen ganz entgegengesetzter Natur, von anhaltender Dürre und plötzlichenÜberschwemmungen, gestört. Groß sind die Schrecken einer anhaltenden Dürre.Das Thermometer steigt dann wol auf 110, 120, ja 130 Grad im Schatten.Glutwinde aus dem Wüsteninnern ziehen über das Land her. Kein Nachtthauunterbricht die Hitze und Dürre, die Wasserlachen trocknen ein und die Weide wirdversengt. Das Vieh kommt um zu Tausenden. Dann endlich nach unbestimmterFrist ergießen sich plötzlich furchtbare Platzregen, und die Rinnsale füllen sich baldzu stattlichen Flüssen. Das Land im Süden von Port-Jackson ist sehr unfrucht-bar und durch mehre Gebirgsabläuser rauh. Eine Oase in der Wüste bildet daszwischen Botanybai und Shoalhaven belegene Jllawarra oder die Fünfinseln, derGarten von Neusüdwales. Umzäunt von einem steilen vulkanischen Gebirge von1500 Fuß Höhe und dem Meere, liegen hier 150000 Acres in malerischer Natur-schönheit. Kühne Gebirgsformen, Felsen, ein Landsee und üppige Thäler bilden un-mittelbar am Meeresgestade dieses Paradies, das in höchster Fruchtbarkeit an tro-pischen wie europäischen Erzeugnissen prangt, und die Production europäischer Ge-müse aller Art mit Oliven, Granatapfeln, Nectarinen, Bananen, der Palme unddem Baumfarrn vereinigt.
Ganz verschieden von dem Sidney-Bezirke ist der Moretonbai-Bezirk. Eine Reihevon Umständen vereinigt sich zu Gunsten dieses Landstrichs. Der Grund besteht ausGranit und metamorphischcm Gestein, deren Verwitterung eine sehr fruchtbare Boden-schicht ergibt. Das Gebirge, hier ein ununterbrochener Wall von -1 — 6000 Fuß Höhe,ist der Küste viel näher gerückt als im Sidney-Bezirke das Blaue Gebirge, weshalb esWafferdünste in Menge anzieht und niederschlägt. Große, wasserreiche Flüsse mitüppig fruchtbaren Ällnvialufern folgen unmittelbar aufeinander, der Manning, der
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