Band 
Zwöflter Band.
Seite
7
JPEG-Download
 

Australien. 7

entstandene Geschiebe ist dann zuvorderst in den Thälern innerhalb der Gebirge undsodann weit und breit umher abgelagert worden, und hat jene ausgedehnten welligenEbenen mit dünner Gummibaumwaldung gebildet, die zu beiden Seiten des Gebirgesüberall, wo sie nicht von Lavafeldern belegt sind, auftreten. Das durch die Zer-malmung und Abwaschung des Quarzes freigesetzte Gold konnte aber nicht sehr weitfortgerollt werden; denn die specifische Schwere des Goldes beträgt 18—19, die desQuarzes und anderer harten Steine 2/r, sodaß Gold etwa sieben mal schwerer alsStein ist. Es gelangte so nur selten in jene welligen Ebenen, sondern lagerte sichmeist mit dem grober« Getrümmer in den Thälern innerhalb der Gebirge. Hierfanden sich daher jene goldführenden Geschiebe, aus welchen bisher die jährlichen100 Tonnen Goldes von Victoria gewonnen worden sind. Die Natur hat demGoldgräber im großen Maßstabe vorgearbeitet und den schwierigsten Theil seinerArbeit bereits für ihn verrichtet. Während ursprünglich das Gold nur im hartenQuarz der senkrechten Gänge vorhanden war, stellte die Natur eine Goldwäschereiin großem Maßstabe an, indem durch sie die Matrix des Goldes feingepocht, fort-geschlemmt und das Gold selbst auf einem horizontalen und beschränkten Bette ab-gelagert wurde. So erklärt es sich, wie das goldführende Geschiebe größkentheilsnur in der Sohle der Gebirgsthäler und der einmündenden Nebenkhäler (Vuliiss),und zwar jedesmal in den ursprünglichen, durch das Zusammentreffen der gegen-überliegenden Gebirgswände gebildeten Kanäle anzutreffen ist. Die irrthümliche An-nahme, es sei das Gold von den gegenwärtigen Gebirgswassern, meist ganz unbe-deutenden Bächen, angeschwemmt, hat die Goldgräber vielfach irregeleitet. Dasgoldführende Geschiebe in den Thälern hat eine Mächtigkeit von 10—40 Fuß, regel-mäßige Schichten von rothem und gelbem Thon, Sand und Quarz- und Schiefer-gerolle und ein Liegendes von Pfeifenthon.

Außer in den Thalsohlen liegt das goldführende Geschiebe aber auch auf run-den, 200—300 Fuß hohen Hügel», welche sich in den untern breitern Theilender Hauptthäler, aber immer nur auf der einen Seite derselben, und zwar auf derder Einmündung der Nebenthäler gegenüberliegenden Seite befinden und sich mitihren, hinter» Theile unmittelbar an die Gebirgswand anlehnen. Einige dieser Hügelsind unter den, Namen der „Weißen Hügel" und der „Nöthen -Hügel" ihrer Er-giebigkeit halber berühmt geworden. Der „Golden Point" zu Ballarak, das erstein Victoria entdeckte ergiebige Goldfeld, ist ein derartiger Hügel. Das goldführendeGeschiebe liegt oben auf diesen Hügeln, zumeist auf der der Hauptrichtung desThales oder den einmündenden Thälern gegenüberliegenden Seite in einer Mächtigkeitvon 15 — 60 und 70 Fuß und in derselben Schichtung wie in der Thalsohle. DieSchichtung an dem Hügel tritt jedoch nicht ganz so regelmäßig auf wie in derThalsohle, sondern erscheint von Wirbel» oder Strudeln umhergetriebcn. DasLiegende ist auch hier Pfeifenthon, und als Basis des Ganzen dient gewöhnlicheine aus dem Gebirgsfuße vorspringende Klippe. Das Geschiebe ist gewöhnlichsowol auf den Hügeln wie in den Thalsohlen vermittels eines rothen eisenhaltigenStoffes zu einem äußerst harten Conglomerat vollständig zusammengekittet. DieseHügel mit ihrem Geschiebe auf den Gipfeln sind gar eigenthümliche Erscheinungenund erweisen sehr deutlich die Größe und die lange Dauer der Meereseinwirkungen,unter denen sie sich bildeten.

Von den Gebirgen Victorias, dem Macedon, den Pyrenäen und dem Gram-pian, steigen wir nun hinab in das von dem weiten Thal des Murray eingenommeneInnere von' Australien. Das Murraythal erinnert durch seine Größe und Lage mitBezug-auf die Küstenstufe einigermaßen au das Mississippithal; doch läßt seine natür-liche Beschaffenheit kaum einen entfernten Vergleich zu. Von dem östlichen Nand-gebirge gelangt man hier sofort in die Prairien; denn daraus besteht im Ganzendas durchschnittlich gegen 2000 Fuß hohe wellige Tafelland, welches das breite Quellen-land des Murray und seiner weitziehenden Zuflüsse bildet. Dieses Tafelland hatgrößkentheils rauhen und magern Boden und eine nur spärliche Holzung von Euca»