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Zwöflter Band.
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14 Australien.

so „botanisch" es auch sein mochte, blos aus Sumpf und Sand bestand. Phillipfuhr daher, ohne landen zu lassen, mit drei Booten fort, um die Küste weiter nord-wärts und namentlich Brokenbai zu untersuchen. Unterwegs lief er in eine Buchtein, die Cook für einen bloßen Boothafen gehalten und, nach dem sich gerade imMastkorbe befindenden Matrosen, Port-Jackson, genannt hatte. Zu seinem größtenErstaunen fand er hier den großartigsten und geräumigsten-Hafen. Die Flottewurde unverzüglich hierher beordert, und am 26. Jan. 1788 ward die britische Flaggeaufgesteckt in Sidney Cove, einer der zahlreichen herrlichen Buchten, aus denen Port-Jackson besteht. Man setzte die neuen Colonisten, eine trübselige Bande von Ver-brechern mit ihrer Bedeckung von Marinesoldaten, an diesem fernen, unwirthbarenGestade aus, wo nur wenige Schritte von dem öden Strande der Urwald begann,so dicht, daß jede Wegbahn unmöglich schien, und von so hartem Holze, daß dieschärfste Axt vergeblich geschwungen wurde. Man hakte auch jede Untersuchungund jede Vorkehrung verabsäumt, um den ausgesetzten Hausen vor den» Umkommenzu schützen, und die Aristokratie, die England regiert, verfuhr schon damals in der-selben rücksichtlosen und harten Weise, wie sie 1854 zum Staunen und Schreckender civilisirten Welt mit der Expedition in die Krim verfuhr: nur daß es 1787nicht die Elite des Heeres, sondern einen elenden Volkshaufen betraf, auf dem dieAugen Europas nicht hasteten. Es fehlte den Ansiedlern zuvörderst an Handwer-kern. Nur mit Mühe brachte man unter den Marinesoldaten und den Deportirteneinige Zimmerleute auf, und entdeckte endlich auch unter den Letzter« einen ein-zelnen Maurer. Unter solchen Verhältnissen und unter den größten Anstrengungenging man an die Rodung einer Strecke Wald, und begann ein Magazin, ein Hos-pital, eine Kaserne, einige Wohnungen für die Offiziere und Hütten für die De-portirten zu errichten. Doch fand sich unter allen diesen Leuten, die das Land be-siedeln sollten, nicht ein Einziger, der sich auf Ackerbau verstand. Dabei zeigte sichder Boden zu Sidney äußerst dürr und unfruchtbar, und es blieb vorderhandwenig Hoffnung vorhanden, den Bedarf der Colonie innerhalb derselben zu erzeugen.Eine große Anzahl der Colonisten wurde vom Scorbut befallen, weil es gänzlich angewohnten Gemüsen fehlte. Über 200 Deportirte waren unfähig zu arbeiten, 28starben sofort. Nur zu bald kamen auch die tief eingewurzelten bösen Neigungender meisten Sträflinge zum Ausbruch; der frechste Diebstahl war allgemein. VieleDeportirte flohen in die Wildniß, wo sie auf die elendeste Weise umkamen. Mitden Eingeborenen brachen wiederholt heftige Feindseligkeiten aus.

Um den wachsenden Schwierigkeiten zu begegnen, wollte der Gouverneur dieColonie theilen, und entsandte im Februar 1790 über 200 Deportirte in zwei Schif-fen nach Norfolk-Jsland, einer schon vorher erkundeten Insel vulkanischen Ursprungsvon großer Fruchtbarkeit, wenn auch wegen Korallenriffe und steiler Ufer schwer zu-gänglich. Es war dies eine unheilvolle Expedition. Der Gouverneur hatte, nach-dem er seit November 1789 die Rationen bereits drei mal eingeschränkt, vorsorglicher-weise das Verbot erlassen, die wenigen Rinder zu schlachten, die man in der Colonienoch besaß; nur für den Bedarf der nach der Norfolkinse! gehenden Schiffe sollteneinige Stücke geopfert werden. Unter dem Vorwande, es geschehe für jene Schiffe,wurde nun aber ein großer Theil des Viehs in der Colonie geschlachtet, und dies warein wesentlicher und unersetzlicher Verlust. Bei Ankunft der beiden Schiffe an derNorfolkinsel scheiterte eines, der „Sirius", welches dazu alle Vorräthe am Bord hatte.Die Mannschaft und die Sträflinge konnten indessen mit großer Anstrengung durch dieBrandung ans Land gerettet werden. Sicherlich wären hier Alle vor Hunger umge-kommen, wenn nicht zu gleicher Zeit sich ein Zug Wasservögel auf dem Strande nieder-gelassen, von denen nächtlich an 2 — 3000 Stück erlegt und Eier ohne Zahl gesam-melt wurden. In Sidney harrte man inzwischen vergebens der Ankunft der Proviant-schiffe von England, und die Hungersnoth brach endlich herein. Die wöchentliche Por-tion für den Mann sank auf 2'/- Pfund Mehl, 2 Pfund Reis, 2 Pfund Pökelfleisch.Und dieser furchtbare Zustand hielt an; kein errettendes Schiff schien kommen zu wollen.