80 Die italienische Literatur.
einführten, und in denselben ein gewisses verborgenes, organisches, ja beinahe intel-lectuelles Leben zu finden meinten. ' d
Der Ackerbau, sonst die Frucht von Beobachtungen praktischer Landwirthe, ist g
allmälig ebenfalls in eine abstracte Richtung geleitet worden. Au den bekanntesten st
landwirthschaftlichen Schriftstellern Italiens gehören: Gera, Lambruschini, Ridolfi, xj
Sambuy, Sacchi, Taverna, Baruffi, Sagredo, Ragazzoni, Bellani, Freschi, Benizzi.
Wenn man ihre Schriften liest, kann man gewiß nicht sagen, daß die Landwirth- stschast keine wissenschaftlichen Fortschritte gemacht habe. In der Praxis aber habenihre Theorien nicht immer ein entsprechendes Resultat geliefertj wie unter andern d
bekanntem Versuchen die sogenannte Musterwirthschast des Marchese Cvsimo Ridolfi v
auf dessen Gute Meleto in Toscana zeigte. tl
Derselbe Zug der Abstraction gibt sich zugleich auch in den verschiedenen Zwei- r>gen der Medicin kund, und diese Wissenschaft, die doch am wenigsten über die Er- d
fahrung und Praxis hinausgehen sollte, schweift von einem System zum andern und u
schafft sich immer neue Hypothesen und Conjecturen. Nach Tommasini, der seine b
Lehren auf die Theorie vom Gegenreiz gründete, trat M. Bufalini auf, ein sehr st
zum Transscendentalismus neigender Kopf, her die Veranlassung des kranken oder ^
gesunden Zustandes des Körpers nicht sowol aus den vorliegenden Thatsachen ablei- Z
tet, als vielmehr aus einer wissenschaftlichen Untersuchung der Ursachen, welche das F
Eine oder das Andere erzeugen können, wobei er sein System vorzugsweise auf das u
Studium der Organe und des Gleichgewichts zwischen- den festen und flüssigen Be-standtheilen, durch welche das Leben seine stete Nahrung erhält, gründet. Wie es d>
aber Allen geht, die in solchen Dingen an einem Systeme hartnäckig festhalten, und ll
DaS, was von zahlreichen, sehr verschiedenen und wechselnden Zufällen abhängt, auf a
wenige allgemeine Grundsätze zurückführen wollen, so mußte auch er oft am Kran- si
kenbette fein System mvdificiren, oder die Erfahrung machen, daß es unhaltbar sei. a
F. Puccinotti war zwar Bufalini's Gegner, und hat ihn in mehren Beziehungen b
bitter angegriffen; aber auch seine Geistesrichkung war eine speculative, und er zeigte b
sich mehr als spitzfindigen Denker denn als praktisch tüchtigen Arzt. Durch sein ei
Hauptwerk „Dells msllieins legale" bewirkte er zwar unleugbar, daß Italien Frank- h
reich um einen Orfila nicht mehr zu beneiden brauchte, wenn er auch thatsächlich st
nicht durchgedrungen ist wie sein französischer College. Indessen hat sich Puccinotti st
zugleich auch nicht selten in wirre Untersuchungen Angelassen, die in das Gebiet an- st
derer Wissenschaften hinüberstreifen und für die meisten Leser dunkel, für das praktische si
Studium zuweilen unbrauchbar sind. Dem praktischen Zwecke entspricht vielleicht mehr Z
das Werk des Professors Giacomo Barzellotti, eines bei weitem weniger begabten, Z
folglich auch weniger schöpferischen Kopfes, der sich deshalb fast ganz darauf be- di
schränkte, die Ergebnisse der Erfahrungen auf diesem Gebiete von Zacchia's Zeit an n
wiederzugeben. sc
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Der Sieg des Romanticismus über den Classicismus und die Mitwirkung der transscenden- litaten Philosophie bei dieser Veränderung. n
Nachdem wir biSjetzt, soweit es in der Kürze möglich, gezeigt haben, wie die se
transscendentale Philosophie über die experimentale nicht nur auf ihrem eigenen Ge- u
biete, sondern auch auf dem der moralischen und der Naturwissenschaften die Ober- A
Hand gewann, wird sich jetzt um so leichter eine zweite Hauptthatsache der neuesten v>
Literaturgeschichte erklären lassen, nämlich die Verdrängung des Classicismus durch r,
den Romanticismus. ^
Woher nehmen denn in Wahrheit die Romantiker ihre Stoffe und Gedanken?
Aus der Geschichte des Mittelalters. Nun, und in diese führt uns auch eine Phi- n
losophie zurück, die vermöge ihrer alten Platonischen und alexandrinischcn Traditionen a
so ganz für den Katholicismus paßt, indem-sie nicht nur seiner abstrakten Ansicht w
einer angeblichen Universalität, sondern auch der Unbegreiflichkeit und Übernatürlich- g
keit seiner Dogmen und Symbole entspricht.