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Zwöflter Band.
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Die italienische Literatur.

Man darf daher auch mit Recht behaupten, die transscendentale Philosophie habeden Sieg der romantischen Literatur dadurch befördert, daß sie von der Geschichte einenganz andern wissenschaftlichen Gebrauch machte als die Alken, welche, ohne aus der-selben eine eigene Wissenschaft zu schaffen, doch aus ihr Belehrung für das öffent-liche und das Privatleben schöpften.

Giovanni Battista Vico erhob durch seine neuen und bewundernswürdigen Unter-suchungen über den Ursprung der Gesellschaft, der Religionen, der Regierungen dieGeschichte erst eigentlich zu einer wissenschaftlichen Disciplin. Was seinen Lehrenden transscendentalen Charakter gibt, ist, wie schon oben bemerkt wurde, mehr diedunkle Manier, wie er dieselben entwickelt, als die Argumentation selbst; im Gegen-theil erscheint letztere umsomehr aus thatsächliche Beobachtungen gegründet, jereicher sie sich an unbestreitbaren und augenfälligen Wahrheiten zeigt. Zum Beweisedafür dient, daß Vico's „Soisrws nuova" sich sogar des Beifalls der Philosophenund Gesetzgeber, welche am Ausgange des vorigen Jahrhunderts blühten, erfreute,besonders eines Genovesi, Filangieri, Pagano und Cuoco. Diese und andere Philo-sophen aus derselben Zeit zeigten schon weit mehr, daß sie die Geschichte in dem ihrerPhilosophie entsprechenden Sinne auffaßten. Dies bezeugen auch die geschichtlichenStudien der französischen Philosophen, während sich in Italien Muratori, Masse!,Filangieri, Delfico, Bianchini und mehre Andere dadurch ausgezeichnet verdient mach-ten, daß sie im Geiste der experimentalen Philosophie Lehren aus der Geschichte zogen.

Wenn aber die Philosophen aus der französischen Schule des vorigen Jahrhun-derts in ihrem harten Urtheil über die historische Wissenschaft nicht selten bis zurUngerechtigkeit gingen, und ihr bald die Zuverlässigkeit, bald den Nutzen, bald Beidesabsprachen, so haben dagegen die Philosophen unserer Zeit aus der deutschen undschottischen Schule zwar die Zuverlässigkeit und den Nutzen der Geschichte zugegeben,aber Beides durch eine ganz andere Art von Auffassung und Argumentation als diebis dahin gebräuchliche zu erzielen gesucht. Sie begnügten sich nicht, durch Ver-besserung des Textes der alten Schriftsteller ein richtiges Verständniß derselben zuermöglichen — in welcher Beziehung sich deutsche Gelehrte hoch verdient gemachthaben — sondern Einige stürzten sich in das Gebiet metaphysischer Spitzfindigkeiten,stellten die ganze alte Welt gleichsam auf den Kopf, und wollten mit ihrem Rai-sonnement a priori die Geschichte umarbeiten, oder vielmehr ihren vorgefaßten Grund-sätzen und Theorien anpassen. Das nannte man Philosophie der Geschichte, undfür diese als eine neue Facultät wurden Lehrstühle eingesetzt und Bücher geschrieben.Den eigentlichen Gründer und Meister derselben erkannten die Deutschen in Hegel.Seine Werke wurden in Italien übersetzt, commentirt und verbreitet, und verschafftender neuen Lehre umsomehr Jünger, als es nach Vico's Vorgänge bei uns nichtan spitzfindigen Schriststellern über das Wesen und die Nothwendigkeit der Wissen-schaft der Menschheitsgeschichte gefehlt hatte. Unter diesen machte sich der Neapoli-taner Cataldo Jannelli berühmt, dessen Lob im Auslande von G. Michelet, in Ita-lien von Romagnosi verkündet worden ist. Romagnofi selbst fühlte sich durch dienahe Beziehung der Geschichte zu den juristischen, ökynomischen und politischen Wis-senschaften bewogen, sich speciell mit der Philosophie der Geschichte zu beschäftigen,und sein Werk ,,I)s' tsttori <ls!I' moivilimsnto" erwarb ihm den Ruhm des erstenMeisters in derselben. Die Autorität seines Namens und Beispiels zog einen Schweifvon Schülern und Nachahmern hinter ihm her, die ihn jedoch bei weitem nicht er-reichten. Nur der Toscaner Silvestro Centofanti, Professor zu Pisa, hat sich indieser Gattung der Literatur vor Andern ausgezeichnet.

Weiter unten bei der Übersicht der Literatur nach den einzelnen Fächern werdenwir ausführlicher von dem Einflüsse jener philosophischen Auffassung der Geschichteauf die Geschichtschreibung zurückkommen. Hier mag nur im Allgemeinen bemerktwerden,^ daß jene Auffassung Veranlassung für die Literatur geworden ist, ihre Stoffegegenwärtig mit Vorliebe der Geschichte des Mittelalters zu entnehmen. DazuDie Gegenwart. Xll. »6