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Die italienische Literatur.
Der Letztere ist in der That mit keinem Andern zu vergleichen, und erinnert durchdie Eleganz des Ausdrucks wie durch die wohlgeordnete Entwickelung der Gedankenan die Vorzüge der alten Redner. Unter den Piemvntesen sind zu erwähnen: Gio-berti, Cavour, Boucompagni, Santarosa, Brofferio, Gioja, d'Azeglio, Valerie», Ra-vina, Rattazzi, Cadorna, Revel und Andere.
Noch aber hat sich die politische Beredsamkeit der Italiener von dem über-mäßig declamatorischen Tone loszumachen, welchen sie von den französischen Rednernangenommen: sie muß statt dessen jenen kräftigen, sachgemäßen und wohlgeordnetenVertrag sich aneignen, durch welchen sich die italienischen Redner des 16. Jahrhun-derts, und vor Allen die Venetianer, so rühmlich auszeichneten. In unserer Zeitkann in dieser Beziehung das englische Parlament einigermaßen zum Muster dienen.Denn, politische Reden sind keine akademischen Übungen, sondern haben den praktischenZweck, auf die Staatsverwaltung einzuwirken. Der politische Redner muß sprechen,wie der Zweck es verlangt, nicht mehr und nicht weniger sagen als nöthig ist, unddarf seinen Beruf nicht mit dem des Katheders oder der Kanzel verwechseln.
Die gerichtliche Beredtsamkeit hatte zwar schon vor den neuesten poli-tischen Veränderungen eine Bildungsschule in den Gerichtsverhandlungen selbst. Aberihr klebte noch aus den barbarischen Zeiten der Jurisprudenz her der alte curialeUn-rath an, und die literarische Restauration in Italien war nicht ausgedehnt, gründlichund nachhaltig genug gewesen, um sie davon zu reinigen. Unter der französischenHerrschaft wurde das Gerichtswesen in Italien reformirt, und da die neue Form ineinigen Provinzen bestehen blieb, so gewöhnten sich die Advocaten, die Franzosen zumMuster und zur Richtschnur für die gerichtliche Beredtsamkeit zu nehmen, welchehierin so ausgezeichnete Vertreter hatten. In Italien erwarben sich die NeapolitanerGiuseppe Poerio, Niccola Niccolini, Pasquale Borelli, die Tvscaner L. Collini undCarmignani, der Bologneser Vicini und mehre Andere großen Ruf. Indessen beialler Anerkennung der juristischen Gelehrsamkeit und des Rednertasents dieser Männerdarf man sie doch nicht als Muster in der gerichtlichen Beredtsamkeit aufstellen.Denn es fehlt ihren Reden nicht nür jene klare Ordnung, von der uns Demosthenesund Cicero Beispiele hinterlassen haben, sondern noch mehr ein correcter, eleganter,der Würde des Forums angemessener Stil.
Anders muß das Urtheil über die akademischen Redner ausfallen, derenes, nicht nur infolge der zahlreichen ältern und neuern Akademien, welche Italienbesitzt, sondern auch der vielen literarischen Zeitschriften wegen, in welchen derartigeErzeugnisse Aufnahme und Verbreitung finden, eine große Anzahl aus der classischenwie aus der romantischen Schule gibt. Unter ihnen lassen sich nicht wenige heraus-heben, die großes Lob verdienen.
Der erste Platz gebührt Pietro Giordani aus Piacenza. Dieser Mann besaßeinen mehr durchdringenden als expansiven Geist und mehr schnelle Auffassungsgabeals Ausdauer. Umfangreiche Werke oder Forschungen waren daher nicht seine Sache.Desto besser aber gelangen ihm kürzere Arbeiten, und was er in diese zusammenzu-drängen verstand, ließ zur Genüge auf seine Befähigung für größere Werke schließen.Daher der ihm so häufig, selbst von seinen Freunden, gemachte Vorwurf — den erübrigens selbst gegen die eigenen Productionen ausgesprochen hat —, daß er nichtsschaffe, was gleichzeitig durch die Wichtigkeit des Inhalts und durch Ausführlichkeitder Behandlung dauernden Werth habe. Hierauf könnte man erwidern, daß derWerth eines Schriftstellers nicht davon abhänge, in welcher literarischen Form erseinen Gegenstand behandelt, als vielmehr von der Art und Weise, wie er ihn be-handelt, und daß überdies das größte Verdienst eines Schriftstellers darin bestehe, daßer die seinem Genius am meisten entsprechende Form zu wählen wisse. Wenn daherGiordani einsah, daß kürzere Arbeiten ihm besser gelangen als längere, so that ersehr wohl daran, seiner Natur keinen Zwang anzuthun. Auch kann man nicht sagen,daß er immer unwichtige Materien behandelte, man müßte denn etwa Abhandlungenüber die Geschichte Navvlevn's und über die Werke Canova's für unwichtig halten