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Die italienische Literatur»
sein „^.sssckio äi Uirsnrs", sowol wegen des vorzugsweise vaterländischen Stosseswie wegen des lebendigen, von Freiheitsliebe glühenden Colorits der Darstellung. Inder That gibt es wol Niemand, den die Lectüre einiger dieser feurigen Seiten kaltoder gleichgültig ließe. Der Manier Guerrazzi's folgten mehr oder weniger, obgleichihm in seinen Vorzügen und in seinen Fehlern Keiner gleich kam, Carlo Rusconi ausBologna, der Lombarde Giulio Carcano und der Florentiner A. Ademollo.
Ungeachtet der erwähnten Verschiedenheit zwischen den beiden Classen der Roman-tiker, stimmen beide in der minutiösen Umständlichkeit der Erzählung überein — einemFehler, der aus zu geringem oder gar keinem Gefühle für das natürlich Schöne entspringt
Ganz abgesehen von der Frage, ob der historische Roman eine für die Bildungder Geister und Gemüther nützliche Errungenschaft sei, steht doch fest, daß dieseGattung in Italien nicht nur das Wesen des Romans überhaupt verändert, sondernauch den Geist der Geschichtschreibung in hohem Grade alterirt hat. Denn indemdie Romantiker mittels der Form des Romans Geschichte lehren wollten, gaben sieVeranlassung zur Ausbildung romantischer Historiker, oder zu der Gewohn-heit, die Geschichte selbst in eine solche Form zu kleiden, daß sie einem Romane glich,d. h. ihr dieselbe Eintheilung, dieselben Überschriften, dieselbe Übertreibung in denSchilderungen, dieselbe kleinliche Ausführlichkeit wie den historischen Romanen zugeben. Nie sind in Italien so viele und so verschiedene Geschichtswerke in mehr oderweniger romantischer Form erschienen als seit der Entwickelung jener Romangattung.
Wenn Cesare Cantü in seiner umfangreichen Weltgeschichte, die zugleich einevollständige historische Encyklopädie bilden soll, das Ganze der Historie unter einemphilosophischen Gesichtspunkte aufzufassen sich bestrebte, so that er in einzelnen Par-tien nichts Anderes als fremde Ansichten, Arbeiten, Urtheile u. s. w. aneinanderzu-reihen. In den spätern Ausgaben seines großen Buches ist durch fleißige Überarbei-tung dieser Übelstand gemindert, wenn auch nicht gehoben worden, und das Einzelne hatmehr gleichen Guß und größer« Zusammenhang erhalten. Jedenfalls ist seine literari-sche Thätigkeit zu bewundern; denn er, ein noch junger Mann, schrieb nicht nurneben Specialgeschichten und romantischen Producten das gedachte bändereiche Werk,sondern auch eine Geschichte der letzten hundert Jahre yon 1750—1850, und istjetzt mit einer ausführlichen Geschichte Italiens beschäftigt, deren mittelalterlicher Theilbeinahe beendet vorliegt.
Als unbedeutend und vor ihrer Vollendung schon als vergessen zu bezeichnenist die, ebenfalls verschiedene Bände umfassende Geschichte der Fremdherrschaft inItalien von dem Florentiner Filippo Moise. Ein anderer Geschichtschreiber, der mitungemeiner Schnelligkeit schrieb, ist der Sicilier Giuseppe La Farina: er gab anKühnheit, womit er unermeßliche Arbeiten in Angriff nahm, und an Keckheit, wo-mit er sie ausführte, dem Cantü nichts nach. La Farina und mehre andere Geschicht-schreiber wählten sich besonders die neuesten Umwälzungen in Italien zum Gegen-stände, und ihre Werke zeigen daher eine sehr verschiedene politische Farbe auf. Un-ter den demokratischen Historikern sind außer dem genannten La Farina noch CarloRusconi, Federigo Torre, der Advocat Gabussi und ein gewisser Vecchi zu nennen.Unter den Constitutionellen stehen obenan der Romagnole Carlo Luigi Farini und derMarchese F. A. Gualterio von Orvieto, der Verfasser der auf die Vergötterung KönigKarl Albert's berechneten „Ultimi rivoigimenti itslisrn", denen man kaum den NamenGeschichte geben kann. Ohne bestimmten Parteistandpunkt und nach dem Muster deralten Historiker hat Fernando Ranalli die neueste Geschichte Italiens von 1846—55zu schreiben angefangen, von welchem Werke die beiden ersten Bände im Jahre 1855erschienen waren.
Ein weit ausgedehnteres und reichhaltigeres Feld für die literarische Thätigkeitist die Philologie im weiter« Sinne, d. h. insofern dieselbe es nicht nur mitdem Grammatischen und der Kenntniß der alten Literatur, sondern mit den reden-den Künsten überhaupt zu thun hat.
Die Gegenwart. Xll. 7