Band 
Zwöflter Band.
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Die italienische Literatur.

Nicht genug zu rühmende Verdienste um dieselbe erwarb sich Pater AntonioCesari durch seine Abhandlungen und Erläuterungen über Alles, was sich auf dieLehre vom eleganten und correcten Ausdruck bezieht. Er bediente sich zu diesemZwecke gewöhnlich der von den größten Geistern des griechischen und römischen Al-terthums als so zweckmäßig erfundenen Form des Dialogs, und gab nicht nur dieVorschriften, sondern auch das Beispiel, ohne welches selbst die beste Unterweisungfruchtlos bleibt oder langweilig wird. Außerdem verdanken wir ihm die zweck-mäßigste und lehrreichste Erläuterung der „viviris oomrrwüm". Anstatt über endloseDeutungen des allegorischen Sinnes mancher Stellen, oder über neue Lesarten undunbekannte Anspielungen zu grübeln, machte er es sich vielmehr zur Aufgabe, alledie unendlichen sprachlichen und dichterischen Schönheiten von Dante's Werke ver-stehen und genießen zu lehren. Denn diese Schönheiten sind unbestreitbar und offen-kundig und ihr Studium ist ein unfehlbares Mittel zur Erlangung eines gutenGeschmacks, der Grundlage einer jeden Literatur. Auszusetzen an Cesari's Werkenist nur, daß seine Dialoge oft ermüden, nicht nur durch die allzu große Ein-förmigkeit in der Sprache der redenden Personen, sondern auch wegen des übertrie-benen, nicht selten ins Widrige ausartenden Ceremvniels, welches diese Personen ge-geneinander beobachten. Was aber seine Beobachtungen und Bemerkungen sowiedie Eleganz seiner Schreibart anbelangt, so verdienen dieselben alles Lob.

Ein anderer höchst schätzbarer Schriftsteller über Gegenstände der Literatur istGraf Giulio Perticari. Hätte sein so kurzes und bewegtes Leben (er starb im kaum -vollendeten dreiundvierzigsten Jahre) ihm erlaubt, seinen Stil mehr zu vervollkomm-nen und von einer gewissen Künstelei, welche ihm noch von seinen Jugendstudienanklebte, zu reinigen, so wäre ihm an Eleganz, Adel, Correctheit und Eindringlich-keit der Sprache keiner unter seinen Zeitgenossen gleichgekommen, wie sein „T'rottotosu> mcxlo iti strulioro oci imitars »I> sorittori clel Irscsnto " und seine „^poloziscksll' omor patrio cli llonto^ beweisen. Die erstgenannte Abhandlung schrieb eraus Anlaß des unklugen Angriffs seines Schwiegervaters Monti gegen die Akademieder Crusca, und wenn man auch nicht alle darin aufgestellten Grundsätze und ausge-sprochenen Ansichten ohne weiteres unterschreiben kann, weil der Verfasser über einigeder ältesten Schriftsteller Italiens, vielleicht aus Mangel an Zeit oder Lust, siegründlich zu studiren, mehr aus Grund offenbar verdorbener Lesarten als des wah-ren und echten Textes urtheilt, so kann man doch aus keinem Werke besser lernen,wie man es zu machen hat, um bei der Nachahmung der Natürlichkeit, Einfachheitund Anmuth der alten Schreibart nicht ins Gemeine, Trockene und Affectirte zuverfallen, d. h. mit andern Worten: daß die Verehrung für das 14. Jahrhundertnicht zur Abgötterei werde.

Eine noch mehr classische, beredtere und philosophischere Schrift ist die, in welcherPerticari den größten Dichter Italiens gegen die boshafte Beschuldigung vertheidigt,als sei derselbe ein Feind seines Vaterlandes gewesen, weil er es an mehren Stellender ,,0ivina oommmtio" bitter getadelt habe. Von andern, weniger bedeutendenProsaschriften dieses hochverdienten Mannes wollen wir nur bemerken, daß sie sichalle durch warmes und edles Gefühl, sehr lehrreichen Inhalt und durch Kraft undWürde des Stils auszeichnen, der überdies echt italienisch ist. Ein Platz neben denausgezeichnetsten Philologen aller Zeiten und Nationen gebührt dem Grafen GiacowoLeopard!, aus Recanati in der Mark Ancona stammend, wegen seiner tiefen Kenntnißnicht nur des Italienischen, sondern auch des Griechischen und Lateinischem Gebürtigaus einem unbedeutenden Orte, an körperlicher Gestalt und Leibesbeschaffenheit vonder Natur sehr stiefmütterlich behandelt, erscheint es beinahe ein Wunder, daß er, unterSchmerzen und Drangsalen aller Art, sich schon als sehr junger Mann ein so aus-gebreitetes und gründliches Wissen erwerben konnte, wie seine in italienischen und deut-schen Zeitschriften zerstreuten gelehrten Arbeiten beweisen, noch mehr aber einige grie-chische Oden, womit er die tüchtigsten Gräcisten dergestalt täuschte, daß sie dieselbenwirklich für Erzeugnisse eines alten griechischen Dichters hielten. Dasselbe gelang ihm