Band 
Zwöflter Band.
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Die italienische Literatur.

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Glaubens, Christus und die Jungfrau, als die höchste Stufe menschlicher Schönheitschildert. Wenn in Givtto's und Fiesole's Bildern sehr viel Geistiges ist, so trittdies doch in denen Rasael's nicht weniger hervor. Wenn aber später die Kunstdas Mystische des Christenthums nicht mehr in vollkommen reiner Auffassung dar-stellte, so lag dies nicht daran, daß sie nach Schönheit der Formen strebte, sonderndaran, daß sie die Muster dazu nicht mehr in der, lebendigen Natur, sondern in denantiken Statuen suchte, und überdies auf die Äußerlichkeiten, wie Facbenprunk,Perspektive, Verkürzungen und andere Nebendinge, zu viel Werth legte. Daherschadete man auch der Schönheit der Form gerade dadurch, daß man sich von demMuster der lebendigen Natur entfernte; denn nur diese lehrt den Künstler, wie sich mitder Formschönheit auch alle Reinheit, welche der Gegenstand erfodert, vereinigen läßt.

Ehe wir zur Poesie übergehen, müssen wir noch einer Gattung der schrift-lichen Composition erwähnen, auf welche unser Zeitalter mit Recht stolz sein kann,wir meinen die Kunst der Inschriften. Bis vor wenigen Jahren wurden In-schriften nur noch lateinisch abgefaßt, infolge der irrigen Ansicht, daß die italie-nische Sprache sich nicht dazu eigne. Als man aber einen Versuch damit machte,und nicht nur gute, sondern sogar vorzügliche Inschriften zustande brachte, zeigte sichklar, daß es der Sprache, in welcher Dante's „vivina oomwsllia" geschrieben oder,besser gesagt, genieiselt, und in der Davanzati's Übersetzung des Tacitus abgefaßt war,unmöglich an passenden Worten und Wendungen für den Lapidarstil fehlen konnte.

Um den ersten Platz in dieser beinahe neuen Gattung der Literatur stritten sichGiordani und Muzzi. Der Letztere übertrifft allerdings den Erstem durch die unge-heure Anzahl seiner Epigraphen, unter denen sich einige sehr schöne, den vollendet-sten lateinischen gleichzustellende befinden. Doch ist nicht zu leugnen, daß Müzzi,indem er einen ganz neuen Lapidarstil von seiner eigenen Erfindung schaffen wollte,sich oft von dem gewöhnlichen und natürlichen Gebrauche der italienischen Spracheentfernt und dem Ausdrucke solche Gewalt anthut, daß er in der Regel gekünstelt,steif, gezwungen und unverständlich wird, während Giordani das Haupterfodernißdes Lapidarstils in der natürlichen Einfachheit sah und deshalb die dem italienischenIdiom eigenthümlichen Wendungen und Ausdrucksweisen beibehielt. Nächst diesen bei-den Meistern verdient einen ehrenvollen Platz unter den Epigraphisten GiuseppeManuzzi, der sich mehr der natürlichen Manier Giordani's als der nicht selten un-gewöhnlichen Muzzi's näherte. Es gibt heutzutage fast keinen italienischen Schrift-steller, der nicht eine größere oder geringere Anzahl von Inschriften verfaßt hätte.Indessen verdienen nur die drei oben erwähnten Männer sowol wegen der Quantitätwie der Qualität ihrer derartigen Erzeugnisse den besondern Namen Epigraphisten.

2) Die Poesie: s) die Lyrik.

Italien, in allen andern Gattungen der Dichtkunst so reich, hat in der höhernLyrik, das heißt im Stile des Pindar und Horaz, fast nichts auszuweisen. DennPetrarca, der zu der Zeit dichtete, als die Sprache, in welcher Dante schrieb, sichdurch Kraft und Eleganz des Ausdrucks noch ganz zu jenem höhern Stile geeignethätte, bewies durch seine Canzonen ,,M' Italis" und ,,8pirlc> Zsirtil", daß es ihmdazu zwar nicht an Genie fehlte, daß er aber nicht gerade nach diesem Ruhme strebte.Er wollte Schöpfer einer weniger, erhabenen Lyrik werden, wie sie auch für die, nachPlatonischen Grundsätzen von aller sinnlichen Beimischung gereinigte Liebe, welche erdarzustellen suchte, angemessen war. Im 16. Jahrhundert, wo überdies die Kraftder Sprache schon ein wenig abgenommen hatte, waren die Lyriker nur knechtischeNachahmer Petrarca's, und als gegen den Ausgang des 17. Jahrhunderts Mehreden Versuch machten, im Geiste Pindar's zu dichten, da war der Stil schon ver-dorben und mehr geeignet, durch Bombast und Seltsamkeit der Bilder zu blendenals den Erzeugnissen poetische Kraft zu verleihen. Auf diese Weise kam diese Dich-tungsart endlich so weit herunter, daß Gravina nicht mit Unrecht die lyrischen Ge-dichte seiner Zeit mit aufsteigenden Luftblasen verglich. Noch weniger eignete sich die