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Die italienische Literatur.
vom ausländischen Geiste angesteckte arkadische Manier der Dichter, welche gegen Endedes vorigen Jahrhunderts blühen, für die höhere Gattung der Lyrik, wenn es auchEinigen, wie Fantoni, genannt Labindo, nicht an Talent dazu fehlte.
Als der Stil sich wieder verbesserte, lieferten zwar Parini, Monti und Pinde-monte einige Oden, die dem italienischen Parnaß zur Ehre gereichen, doch erhobensich dieselben keineswegs zu einer solchen Höhe, daß die Italiener nicht Griechenlandum seinen Pindar und Rom um seinen Horaz zu beneiden gehabt hätten. Elegan-tere Verskünstler als sie waren Costa, Marchetti, Montrone, Strocchi und Biondi.Den Erstgenannten stellte Monti wegen seines „lnno s 6iovs" über Kallimachus,und den Zweiten möchte man wegen seiner Anmuth den Petrarca der neuern Zeitnennen. Montrone's lebendiger und dabei klarer Stil. hat seines Gleichen nicht, undStrocchi setzt durch die Kunst seiner Versification wie durch seine Dante'sche Aus-drucksweise und Correctheit in Erstaunen. Biondi's Muse endlich ist voll Frische undLieblichkeit. Neben diesen trefflichen Männern verdienen die beiden ausgezeichnetenFrauen Caterina Franceschi Ferrucci und Giuseppina Guacci zu stehen, jene bewun-dernswürdig wegen der Reinheit und Kraft ihres Stils, diese durch Anmuth und einenatürliche Sanftmuth der Empfindung, während Beide eine hohe und edle Gesinnungund echte Seelengröße zeigen.
Dennoch kann man keinem der oben genannten Dichter jene glühende und hin-reißende Imagination zuerkennen, wodurch sich die Pindarische Lyrik in so hohemGrade auszeichnet. Ugo Foscolo hätte vielleicht diese Eigenschaft in seinem Gedichte„I 8spolori" erreichen können, wenn nicht hin und wieder durch eine gewisseDunkelheit und Regellosigkeit der unvergleichlichen Schönheit seiner Gedanken undBilder Eintrag geschähe. Der maßvolle Pindemonte macht zwar in seinem Ant-wortsgedicht an Foscolo keinen Anspruch auf den höchsten lyrischen Schwung, aberer war wenigstens so glücklich, Verständniß zu finden, und durch die süße, rührendeSchwermuth, welche seine Verse athmen, Genuß zu gewähren. Vergebens suchtman diesen Vorzug in Giovanni Torti's Gedicht über denselben Gegenstand, welcheszum vermittelnden Gliede zwischen den beiden vorigen bestimmt war, aber allen bei-den nachsteht. Der Einzige, welcher sich in der neuesten Zeit recht eigentlich mitPindarischem Feuer von der Natur begabt zeigte, war Giacomo Leopard!, beson-ders in seiner erhabenen und hochberühmten Ode ,,4ll' Itslm". Wir wollen indes-sen nicht verschweigen, daß auch er sich in seiner poetischen Diction zuweilen in un-gewöhnlichen und dunkeln Wendungen gefällt, und vielleicht ist er gerade deshalbder einzige Lyriker der classischen Schule, der auch den Romantikern nicht misfällt.
Als gewandte Verskünstler erwarben sich Torricelli, Rosini, Pieri, Muzzarelli,di Negro, Ricci, Boccella, Mezzanotte, Antinori, Santucci, Vaccolini, Capozzi,Montanari, Cappi, Silorata und mehre Andere einen Namen. Wahre Lyrikeraber kann man sie nicht nennen, und Einige von ihnen gehören zu der großenReihe der arkadischen Dichter, welche entweder durch Seltsamkeiten und Dunkelhei-ten den Leser unangenehm berühren oder ihn kalt oder unbefriedigt lassen. Wersollte aber glauben, daß es selbst in unsern Zeiten noch Petrarchisten geben könnte,nachdem selbst die des 16. Jahrhunderts unerträglich geworden waren? Trotzdemist der „ Lsnrcunsrs" des Abate Melchior Missirini nicht durchaus mislungen zunennen, sondern hat hin und wieder etwas vom Stile Petrarca's. Umsomehr ist eszu bewundern, daß ein Mann, der doch Sinn für die Manier Petrarca's zeigte, inden andern Gattungen der Dichtkunst sich ganz den arkadischen Künsteleien überließ.
In den Händen der Romantiker erlitt die italienische Lyrik um so größere Ver-änderungen, als die Schule sich den Ruhm erwerben wollte, diese Dichtungsart aufeine den Anhängern des Klassicismus unerreichbare Stufe der Vollkommenheit zuerheben. In dieser neuen Art zu dichten ging Manzoni voran, der sich durch seineOde auf Napoleon's Tod (unter dem Titel: „II oingus Lksggio") besonders berühmtgemacht hat. In diesem Gedichte herrscht mehr poetischer Schimmer als wirklichePoesie, und man erkennt darin den allgemeinen Fehler der romantischen Dichter