Afrika. 137
wird angetroffen, als etwa hier und da ein kleiner Vogel. Ein besserer Strich beginntjedoch mit der schönen Ebene von Safran, wo die dortigen Beduinen zahlreicheHeerden von Kameelen, Schafen und Rindvieh besitzen und vortreffliche Milch- undButterwirthschaft, sowie Acker-, namentlich Gerstenbau betreiben. Die große Bedeu-tung, die diese Stelle im Alterthume, als ein tief in das Innere des Continentshinein und hart an der Hauptstraße nach Sudan gelegener Hafenort hatte, zeigtsich an den vielen hier befindlichen Ruinen, besonders auch von Hafenbaüten. ImOsten dieser Ebene liegt die große Sebcha-es-Sultan und die weidenreichen Land-schaften Naeine und Bu-Sada. Von Kasr-el-Aletsch an ist das Land durchausfruchtbar, hat vortreffliches Weide- und, sobald der Mensch nur will, vortrefflichesAckerland. Am innersten Endpunkte der Syrte erhebt sich sechs Meilen von derSee der Dschebel Sinaub, besonders merkwürdig durch den dort von den Arabern ingroßer Menge gewonnenen Schwefel, wovon der gegenwärtige arabische Name desGolfes, Deschun-el-Kebrit, Schwcfelgolf, herrührt. Auch findet sich dieses so werth-volle Mineral im Harutschgebirge, fünf bis sechs Tagereisen von Sukna. Es wirdvon den Engländern seit einiger Zeit beabsichtigt, eine Colonie von Maltesern inSafran anzulegen, um in Besitz des Schwefels zu gelangen. Gegenwärtig wird derSchwefel in Mirsa-Burecka, 28 Stunden von den Minen, verladen. Die Syrte istrings von gewaltigen Dünenzügen umgeben, welche die See beinahe gänzlich vvmLande trennen. Am Südosten der Syrte liegt ein ungeheures Gewirre von Dünen,meilenweit ein Sandhügel dicht hinter dem andern. Ost ragen die Dünen überflaches Weideland der Küste in mächtiger imposanter Gestalt herein, umziehen eshier und da mit einer ganz steilen, weißen Sandwand, die es jeden Augenblick zuverschütten droht. Bemerkenswerth sind auch die Striche feinen Triebsandes, die sichvon der Syrte aus tief ins innere Land hineinziehen, namentlich zwischen Ain-Aganund Aregs und bei Albesco. Der Umkreis der Syrte beträgt 105 geographischeMeilen. Die Beduinen, welche diese Küstenlandschaften der Syrte bewohnen, zählenan 60000 Zelle.
Die Zwischenterrasse scheint sich im Süden der Großen Syrte beträcktlich zusenken, und auch in ihrem weiter« östlichen Theile nach dem Nilthale hin nur eineHöhe von 400 Fuß zuhaben.
Im Norden dieses östlichen Theils der Zwischenterrasse erhebt sich, ins Mittel-meer vorgestreckt, gleichsam das gegenüberliegende Europa zum Verkehr einladend,die Barka, welche wir hier umsomehr in den Kreis unserer Uebersicht einschließenkönnen, als sie keineswegs ein Küstenland in dem obigen Sinne des Worts, sondernein hohes Stufenland ist, das die Terrassenbildung Afrikas wie im verkleinerten Maß-stabe eigenthümlich darstellt. Gerade dieses herrliche, durch seine Vergangenheitso glorreiche Land ist für uns von Bedeutung, indem Deutschland, sollte sich derUnternehmungsgeist an dieser Küste entwickeln, ohne Zweifel hier an dem großenafrikanischen Verkehr praktisch thcilnehmen könnte. Das Stufenland Barka bestehtaus einem Küstensaum, der aus ziemlich beträchtlicher Breite bei Benghasi sich all-mälig zusammenzieht und im Norden und Osten sehr schmal bleibt, aus einer Mittel-stufe, die, auf gleiche Weise verlaufend, im Südwesten breit, im Norden und Ostenschmal ist, von ungefähr 800 Fuß Höhe, und aus einem Hochplateau, das in densüdlichern Theilen an 500 Fuß höher steigt, im Norden aber eine Höhe von 2000Fuß erreicht, was die Höhe der Ghariangebirge im Westen der Großen Syrtewie die normale Höhe des Saharahochlandes ist. Die südlichen Theile des Landessind nicht näher bekannt. Die weite Ebene von Benghasi (Berenice), schon vonHerodot so hoch gepriesen, wo nach den Alten die Gärten der Hesperiden sich befanden,ist überaus fruchtbar und zu jeder Produktion fähig. Bengasi hat auch jetzt nochAusfuhr von Rindvieh, Wolle, Fellen, Butter, Wachs. Die Viehzucht, die schon jetzcdem Lande so große Vortheile bringt, würde jedoch ganz andere Resultate haben,wenn man das verkommene kleine Vieh zu veredeln suchte. Der herrliche Hafen,von der Natur große Flotten zu fassen bestimmt, liegt jetzt fast verschlämmt. Wie