Band 
Zwöflter Band.
Seite
138
JPEG-Download
 

138

Afrika.

Großes ließ sich hier leisten! Daß die Alten die vielbesungenen Gärten der Hesperi-den hierhersetzten, ist ein klarer Beweis, welchen Anblick damals das Land bot. ImNorden der Ebene von Benghasi tritt der malerische Abhang der Mittelstufe zuerstbis auf drei geographische Meilen ans Meer heran; vor derselben steigen zahlreiche,wohlbewachsene Schluchten, Betten klarer Winterströme herab. Der .Küstensaumhat anfänglich an der Meerseite wieder mehre im Sommer trockene Sebcha, am Fußedes Abhanges jedoch überall vortreffliches Weideland. Je weiter nach Nordosten,desto unmuthiger wird der Küstensaum: er zeigt nun viel fruchtbares Land auf mit reich«lichem guten Wasser, aber alles unbebaut. Von Tokra (Taucheira), zu Edrisi Zeiteneine volkreiche Stadt mit trefflich bewässerter und bebauter Umgegend, bis Tolemata(Ptolemais) ist der Weg höchst malerisch, und die Ebene, die hier bedeutend schmalerWird, großtentheils bebaut. Nun tritt aber auch der herrliche, reich mit Wald bekleidete,mannichfach geformte Bergabhang nahe genug, um die volle Wirkung seiner Schönheitüber die Landschaft zu verbreiten. Derselbe entsendet kleine Bergströme, deren lieblichwindende Betten Oleander und Jasmin bekränzt. Der schmale nördliche Küstensaumist felsig und contrastirt schön mit den grünbelaubten Abhängen, von welchen reicheQuellen herabstürzen, und dem lieblich gestalteten obern Bergrücken, welcher mit Wach-holder, Cypressen, Lorber u. s. w. wild bewachsen ist. Im Osten besteht der Abhangaus überaus steilen Absätzen und jähen Abfällen. Die Ebene des Küstensaums istschmal, felsig und unangebaut. In dieser wüsten Gegend gewährt Dernah, die jetzigeHauptstadt des Landes, mit seinen Palmenpflanzungen und Fruchtgärten, in denenauch die Banane trefflich reist, mit seinen von Weinpflanzungen umgebenen fünf Quar-tieren, von nackten Felshöhen nach Süden umschlossen, einen überraschenden Anblick.Ein klarer Strom, der im Winter ansehnliche Wasserfluten von den Bergen herab-führk, durchstießt die Stadt, die außerdem zwei Quellen frischen Wassers hat. DieStadt ist wegen der harten Bedrückungen und des schlechten Regiments der Türkensehr heruntergekommen.

Der südwestliche Anfang der Mittelstufe besteht, der Ebene von Benghasi im Küsten-saume entsprechend, aus der weiten Ebene der alten Stadt Barka, welche die einheimischeHauptstadt und Nebenbuhlerin Cyrenes zur Zeit der Griechen war, und auch alsgroße Handelsstadt während der Blütezeit des Islam im Mittclalter Geltung hatte.Diese schöne Ebene ist jetzt nur von tiefem Grase bedeckt und unangebaut. DerBoden der Mittelstufe erscheint weiterhin zwar stellenweise zerrissen, aber überalltrefflich, oft üppig fruchtbar. An vielen Stellen ist der Boden moorgrundig, indemdie Feuchtigkeit aus der höhern Ebene hier herabsickert. Das Korn reist hier beträcht-liche Zeit nach der Ernte im Küstensaume, wie schon Herodot bemerkt. Es findetjedoch jetzt nur sehr wenig Anbau statt wegen der Verheerungen der räuberischenBewohner der benachbarten Gebirgsschluchten, die von Zeit zu Zeit in diese EbeneHerabsteigen und die Früchte des Fleißes der friedlichen Ebenenbewohner sich aneignenund ihre Heerden forttreiben. Die Ebene ist daher meist mit Gebüsch überwachsen.Die Beduinen versehen sich mit Wasser aus den sich ansammelnden Teichen, die jedochim Sommer sehr zusammenschrumpfen. Die Abhänge des Saumgebirges der Hochebenemit hoch vorspringenden Kuppen und tief einschneidenden Schluchten sind dicht mitWald bedeckt. Romantische Schluchten und Engpässe, mit schlanken Pinien bewachsen,führen ins Gebirge hinein.

Der nördliche Theil der Hochebene zeigt eine große Mannichsaltigkeit der Erd-gestaltung und des Baumwuchses. Hohe und kleine Gebirgskämme wechseln ab mitThalscnkungen, zum Theil wild buschig, zum Theil, wenn nicht gegenwärtig bebaut,doch die Spuren frühern Anbaus tragend. Der Bergkeffel Sireh, an der Westkantedieses nördlichen Strichs, hat eine ansehnliche Weite mit reichstem Graswuchse undist rings von malerischen Felswänden, von Fichten und anderm Baumwerk bcwacksen,umzogen. In einer großen Grotte hat sich ein Bassin durch die Felsen hindurch-sickernden und somit trefflich filtrirten Wassers gebildet. Die friedlichen Einwohnerbebauen den reichen Boden und klettern in den benachbarten Thalern dem im Alter-