Afrika. 187
von Groß-Namaqualand im Süden der Walsischbai (22° 52' Breite), ziemlichnahe liegt. Bethanien liegt nämlich 150 englische Meilen östlich von Angra Pi-guina. Von Bethanien aus durchreiste Sckmelen das Land in einem Umkreise vonzehn Tagereisen. Auf einem Ncitochsen, die Bibel im Sack, den Karoß am Tage zumSattel und des Nachts zur Decke, durchzog er die heißen Sandsteppen. Zm Jahre1816 nach Klein-Namaqualand zurückberufen, kehrte er 1818 nach Bethanienzurück, um sein Werk von neuem anzufangen. Er baute sich ein steinernes Hausan der Quelle und legte einen Garten an. Aber eine drei Jahre anhaltende Dürrezwang ihn 1821 zur Rückkehr nach dem Orange. Jni Jahre 1825 machte er einennochmaligen Versuch mir Bethanien, aber die Dürre nöthigte ihn abermals zur Rück-kehr. Es -war sodann im Jahre 1842, daß die ersten Misstonare der. rheinischen Ge-sellschaft, Kleinschmidt, Hugo Hahn und Knudsen, über den Orange zogen. Knud-sei, ging nach Bethanien. Die Ruinen des Schmelen'schen Hauses wurden mitHülfe der dortigen Namaqua in einigen Monaten wiederhergestellt. Seine Arbei-ten in Kirche und Schule hatten guten Erfolg, bis endlich Händler von der Cap-colonie nach Bethanien kamen, welche Knudsen bei den dortigen Namaqua verdäch-tigten, daß er sie den Engländern überliefern wolle, und sie dermaßen aufreizten,daß Knudsen im Februar 1851 fliehen mußte. Doch wurde später ein anderer Mis-sionar daselbst wieder eingesetzt. Die wichtigste rheinische Station im Norden desLandes ist Rehoboth. Am Fuße des Awaß, auf einem kahlen, weißen Felsen aneiner warmen, mineralischen Quelle, liegt diese Station keineswegs angenehm. Dochwird dieselbe von einer weiten grasreichen Ebene umgeben, und der Punkt bleibtimmer von Bedeutung, weil die Straße von der Walfischbai nach dem Innern mitder vom Lande im Norden des' Awaß nach dem Orange sich hier durchkreuzt. Aufden vier rheinischen Stationen in Groß-Namaqualand befinden sich über 1000 Ge-taufte. Das Land ist zwar unfruchtbar, aber gesund; kein Punkt in Afrika erscheintso wenig gefährlich für Europäer wie dieser. Groß-Namaqualand ist daher vonder höchsten Wichtigkeit für praktische Unternehmungen der Europäer, weil es dieBasis abgibt zum Eindringen in die reichen und bevölkerten Gegenden, die weiternördlich im Innern liegen.
Ein besonderes Volk im nördlichen Groß-Namaqualand, namentlich im Awaßuno den weiter nördlich folgenden Gebirgen, sind die sogenannten Bergdamara, rich-tiger Ghau-Damup oder Haukoin genannt. Dieselben sind reine und entschiedeneNeger von kräftigem, hohen, Körperbau und glänzend schwarzer Farbe. Sie bildendie eigentlichen Ureinwohner des jetzigen Namaqualandes, wurden aber schon vorlanger Zeit von den Namaqua unterworfen, und zwar in solcher Weise, daß sie ihreeigene, natürlich ganz verschiedene Sprache spurlos verloren haben und nur das Hotten-toktische sprechen. Es ist dies ein bemerkenswerther Umstand, welcher darthuk, daßdie Hottentotten keineswegs. eine so untergeordnete Stufe einnehmen, wie man ge-wöhnlich angenommen hat, sondern ihre Überlegenheit den Negern gegenüber ent-schieden geltend machen. Eine Unterwerfung, welche sich sogar bis auf die Spracheerstreckt, ist eine so vollkommene, wie nur irgend von den arabisch-äthiopischen Völ-kern bei den Negern im Norden durchgeführt worden ist. Die Ghau-Damup fin-den sich, wie es bei angegriffenen Urbevölkerungen gewöhnlich, hauptsächlich in denGebirgen, in die sie sich zurückgezogen haben; sie kommen jedoch überall in Nama-qüaland als die Knechte oder Sklaven der Namaqua vor. Obgleich sie die Sprächeder Hottentotten angenommen und unter diesen leben, haben sie sich doch unver-mischt erhalten, da sich Ghau-Damup und Hottentotten nie miteinander verheirathen.Wo sie frei im Gebirge leben, beschäftigen sie sich hauptsächlich mit der Jagd. DieWeiber und Kinder graben die Kam. Kanibrei mit Mäusen ist ihre Lieblingsspeise.Auch dienen ihnen die Heuschrecken, geröstet und zu Mehl zerstampft, zur Nahrung.Die Honigjagd treiben sie mit großem Erfolge. Sie bauen auch Taback und Decha,eine hanfartige Pflanze, welche zum Rauchen dient, sonst aber nichts. Vieh besitzensie nicht, obgleich sie die gewöhnlichen Viehhirten der Namaqua sind. In der