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Zwöflter Band.
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Deutsche Literatur im Auslande.

oder Chinese, der englisch lernt, lernt zugleich so und so viele Tausend Wurzelwörtermit, die auch in ganz Deutschland, und vielleicht eine noch größere Anzahl solcher,die wenigstens von dem plattdeutsch sprechenden Bestandtheile des Volks verstandenund gebraucht werden. Wer zum ersten mal im deutschen Nordwesten plattdeutschreden hört, glaubt nicht selten ganz englische Phrasen herauszuhören. Es ist dies,nebenbei gesagt, ein Beweis, daß man in den Niederungen der Elbe noch heut-zutage dasselbe Plattdeutsch spricht, wie zu der Zeit, als die Angeln zur EroberungBritanniens aufbrachen, mithin zugleich ein Beweis für die Zähigkeit und Dauer-haftigkeit dieses niederdeutschen Volksstammes.

Eine andere culturhistorisch wichtige Eroberung machten die Deutschen, dasSchwert in der einen, den Pflug oder die Maurerkelle in der andern Hand, gegendie Besitzungen der Slawen bis weit hinauf in das Gebiet der Letten und Esthen.Die Slawen, z. B. die alten Preußen, wurden theils ausgerottet, theils auf öst-lichere Stammesgenossen zurückgeworfen, theils in die deutsche Cultur mit aufge-nommen und dadurch eine bedeutungsvolle neue Racenkreuzung bewirkt. Dieswaren aber die letzten kriegerischen Eroberungen, welche die Deutschen als Deutschegemacht haben. Seitdem hat Deutschland sogar einige seiner herrlichsten Provinzeneingebüßt: im Süden das Alpenland, im Westen Elsaß, Lothringen u. s. w.; dasgermanisirte Kur- und Livland siel in die Fänge des russischen Doppeladlers; dieSiege von Leipzig bis Waterlvo brachten die an Frankreich verlorenen Provinzennicht wieder in seinen Besitz, und selbst der letzte im Namen Deutschlands gegenDänemark geführte Krieg schloß damit, daß die Herzogthümer ohne Bedingungenpreisgegeben wurden. Es war, als ob man im Parkicularintercsse absichtlich immernur darauf ausgehe, den Namen, die Ehre und den Vortheil Deutschlands zu com-promittircn und den Deutschen bei dem ihm gebührenden Gefühle nationaler Be-scheidenheit und Demuth zu erhalten. Zwar breiteten sich Preußen und Östreichinzwischen aus Kosten der slawischen und italienischen Nation weiter aus; aberdas Entstehen dieser beiden Groß- und Svnderstaaten bezeichnet an sich ein neuesMoment in der Untergangsgeschichte der Deutschen als politischen Körpers; einegänzliche Zertrümmerung und Auflösung des großen Reichskörpers mußte vorher-gehen, ehe sich diese Sondergebilde ausscheiden konnten. Und wer möchte so kühnsein, vorauszusagen, wie sich bei den fortdauernd gegeneinander arbeitenden politischenInteressen dieser beiden Großstaaten und den wieder in verschiedene Interessengruppenzerfallenden Mittel- und Kleinstaaten die politischen Geschicke der deutschen Nation end-gültig entscheiden werden? Dabei ist freilich anzuerkennen, daß durch Aufhebung innererZolllinien, Ausgleichung der Posttaris- und Münzverschiedenheiken (obschon auf diesemGebiete noch viel zu thun übrigbleibt), Anlegung von Eisenbahnen u. s. w. wenigstens aufdem Gebiete der materiellen Interessen viel geschehen ist, um eine Einigung anzubahnen,die, wie man hoffen darf, auch zur Wegräumung der mancherlei Antipathien und Ge-gensätze im geistigen und geselligen Leben der Nation selbst das Ihrige beitragen wird.

Die eigentliche Heroenzeit her deutschen Nation war vorüber und der Reichs-begriff, um so zu sagen, ihr verloren gegangen. Dieses Verschwinden der Heroenzeitkündigte sich auch durch zwei deutsche Erfindungen an, welche für immer umgestal-tend auf das Leben der Nationen wirkten: die Erfindung des Schießpulvers undder Buchdruckerkunst. Durch die Einführung der Schußwaffen erhielt das Kriegs-wesen eine gänzlich andere Form: der Heroismus des Einzelnen galt nun wenig odergnichts mehr, die Reste des Ritterthums verschwanden, die Manövrirkunst, die Massen-bewegungen, die wissenschaftlich-strategischen Manöver traten in den Vordergrund, undhinter den stehenden Heeren, die nun eingeführt wurden, fühlte sich auch der Bürgerin seinen vier Pfählen gesichert; er brauchte sich selbst nicht mehr in den Waffen zuüben und konnte sich ungestört seinem Gewerbe überlassen. Dieser Zustand führtezum Grübeln, zum Nachdenken, zum Raisonnircn, und der Bücherdruck kam ihm da-bei zu Hülfe. Die Lectüre wurde allgemeiner. Das Leben vertiefte sich mehr nachinnen, verlor aber, was es nach dieser Seite hin gewann, an Unmittelbarkeit, Naive *