Deutsche Literatur im Auslande.
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Augenblick, wo das Buch der Frau von Stäe'l über Deutschland erschien, „Werther"das einzige, welches in Frankreich allgemein bekannt wurde, obschon seine Hauptstücke,z. B. „Hermann und Dorothea" (von Bitaube, 1801) und „Wilhelm Meister" (vonSevelinges, 1804) übertragen wurden. Ein merkwürdiges Beispiel von dem Einflüsse,den Goethe schon in früher Jugend sowol durch seine Schriften als durch seine Per-sönlichkeit auf Alle ausübte, die ihm nähertraten, ist übrigens der französische GrafLouis Ramond von Carbonnieres, der zum Goethe-Salzmann'schcn Kreise in Stras-burg gehörte und erst im Jahre 1827 als Staatsrath starb. Sein Drama „llagusrrs ä'^lssoe psnäsnt Is granä ssinsrns ä'Osoiäsnt, tsrininss pgr Is mort änvsilisnt oomts Huguss jä'llguislrsiw), surnomins is soläsl äs Lt.-kisrrs" (Basel1780) war nach seinem eigenen Bekenntniß nach dem Vorbilde des „Götz von Ber-lichingen" gedichtet. Auch einige bereits früher erschienene Dramen und Schriftendesselben, wie „lls äusl" und „llss äsrnisrss svsnturss äu jsuns ä'Oiksn", ent-standen unter dem Einflüsse von Goethe und Lenz, welchem die letztere Schrift zu-geeignet ist. August Stöber in seiner Schrift „Der Actuar Salzmann" nennt denGrafen wol mit Recht einen „Vorläufer der romantischen Schule Frankreichs".Auch Schillers dramatische Dichtungen gingen in das Französische über, doch wurdediesem Dichter eine gerechtere Würdigung nicht eher zutheil, als bis Benjamin Con-stant seine Übersetzung des „Wallenstein" erscheinen ließ, von der später die Redesein wird. Am meisten schlugen unter Schiller's Jugendproducten auch in Frankreichdie „Räuber" durch. Sie wurden schon 1785 im „diouvssu Orsstrs sllsmsnä"von Friede!, dann 1795 von La Marteliere unter dem Titel „kobsrt ollst äs llri-zsnäs", 1795 vvn A. Creuze unter dem Titel „llss volsurs" übersetzt oder nachgeahmt.La Marteliere's Nachbildung wurde 1793 auf dem Iksätrs äu Äsrsis mit einigemErfolg, auch später eine Fortsetzung der Tragödie unter dem Titel „lls tribunslrsäoutsbls, ou la suits äs koksrt, ollst äs llrigsnäs" aufgeführt. „Fieseo" und„Cabale und Liebe" wurden ebenfalls von La Marteliere, „Don Carlos" von AdrienLezay-Marnezia (Paris 1799 und 1808), mit Hinzusügung kritischer Noten, die „Jung-frau von Orleans" vvn Karl Friedrich Cramer im Jahre 1802 übertragen. Der ge-nannte La Marteliere gab auch heraus: „Illsstrs äs Zollillsr, suivi ä'^bsllllro ouls grsnä llsnäit äs Vsniss, trsgsäis äs Xsolloklcs" (1799). Aus dem Schiller'schen„Fieseo". hat Ancelot mehre der schönsten Stellen in sein gut versificirtes Trauer-spiel „kässqus" mit hinübergenommen, während er alles den Franzosen Anstößigeweggelassen hat.
Freilich konnte es der jungen deutschen Poesie, die der sogenannten classischenPoesie der Franzosen so gefährlich zu werden drohte und später auch gefährlich wurde,unter den französischen Literatoren auch an Gegnern nicht fehlen. Dahin gehörtnamentlich Marie Joseph Chenier, Bruder des im Jahre 1794 guillotinirten AndreEherner, der in einem 1807 verfaßten und in Alexandrinern geschriebenen „Lsssi surIss prinoipss äss srts" einen plumpen Ausfall auf die „louräs üsrmsnis" unddie „ärumss dstsräs" Lessing's und Schiller's machte, während er in seinen Lands-leuten die „vissiplss äss 6rsos" erkannte. Besser dachte der bekannte Schauspiel-dichter Picard von der deutschen Poesie. Er schrieb zu einer „Oollsetioir äss ras-woirss sur i'srt ärsmsticius", welche treue Übersetzungen der Biographien und Selbst-biographien von Jffland und Brandes enthielt, „llkotioss", worin er sich auf eine30 Jahre früher erschienene, von Friede! und Bonneville verfaßte Übersetzung deut-scher Theaterstücke bezieht und dabei bemerkt, daß diese ihn schon damals lebhaftangezogen hätten,, noch ehe Schiller seine reifern, den Stempel des echten Geniustragenden Dichtungen veröffentlicht habe. Nur im Lustspiel wies Picard in seinerSchrift den Deutschen einen sehr untergeordneten Platz an und stellte sie in dieserHinsicht selbst unter die französischen Lustspieldichter zweiten Ranges. Von Jfflandhätten ihm, bemerkt Picard, mehre seiner Landsleute, die ihn in Berlin gesehen, ver--.sichert: Jffland sei ein großer Schauspieler gewesen, ein Künstler, der den großen
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