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Deutsche Literatur im Auslande.
rischen Gewissen nicht in Zwiespalt geräkh, ist er vortrefflich. Dahin gehören seineausführlichen Charakteristiken Goethe's und Schiller's, obschon er die List gebraucht,durch Hinweisung auf Mortimer's beredte Schilderung des Ostersonntags in Romund durch Übersetzung der betreffenden Stelle den Dichter in den Geruch des Krypto-katholicismus zu bringen. Jedenfalls muß man Cantü zugestehen, daß er der ersteItaliener war, der mit so großer Sachkenntniß die deutsche Literatur zu besprechenund zu beleuchten verstand. Er hat sich dabei, besonders bei der Charakteristik Goe-the's, der früher schon ins Italienische übersetzten „Geschichte der deutschen Literatur"von Wolfgang Menzel, welchem so manche im Auslande verbreiteten schiefen Ur-theile zugeschrieben werden müssen, vielfach bedient, aber mit Vorsicht, großer Kritikund mit Herbeiziehung der inzwischen erschienenen neuern Schriften über Goethe,namentlich Eckermann's „Gespräche mit Goethe", aus denen er zahlreiche Stellenim Auszuge mittheilt. Ein großer Kenner des Deutschen und ein Verehrer Goethe'sund Schiller's war auch der berühmte Linguist Mezzofanti, und ihm verdankt manes, wenn die gebildeten Frauen von Bologna, ganz im Gegensatz zu denen in Rom,sich mit deutscher Sprache beschäftigten und Goethe und Schiller in der Ursprachelasen, wie der Däne Molbech erzählt.
Es hat auch in den letzten Jahren nicht all gebildeten Italienern gefehlt, welcheDeutschland bereisten und dann, wie ehemals Äneas Sylvius, Das, was sie aufihrer Reise erlebt und gesehen, beschrieben haben. So erschienen im Jahre 1838 inMailand unparteiische Berichte des Grafen Giovanni Luca Cavazzo della Somagliaüber eine Reise nach München und die dortigen Kunflschätze unter dem Titel„Uonsoo 61 Lsvisru", und ein Jahr früher gab Baruffi aus Turin die Briefe her-aus, die er auf seiner zur Kenntniß der Sternkarten unternommene^ Reise ausDeutschland an seinen Freund, den Ritter Felice Romani, schrieb und in denenein sehr anerkennender und unbefangener Ton vorwaltet. Auch während der letztenJahre sind mehre Missionen zu wissenschaftlichen oder pädagogischen Zwecken vonSardinien und selbst von Neapel aus nach Deutschland unternommen worden.
Eine auffallende Erscheinung ist es, daß gerade die deutsche Philosophie inItalien so gut wie in Frankreich immer zahlreichere Freunde und Verehrer findet.Vom päpstlichen Stuhl mit Bann und Jnterdict belegt, von der Klerisei gehaßt undverfolgt, ist sie das Banner, unter welchem sich alle wahrhaft Freisinnigen scharen.Den Grund zu dieser Anerkennung der deutschen Philosophie in Italien legte zumeistder vor einiger Zeit verstorbene Professor Antonio Rosmini-Serbati durch seinen„dluovo sgggio" oder den „Neuen Versuch über den Ursprung der Ideen", welchersehr bald eine zweite Auflage in vier Bänden erlebte und ganz auf den Resultatender deutschen philosophischen Speculation beruht. Ferner ist hier zu nennen desmailänder Professors Baldassare Poli Übersetzung von Tennemann's „Geschichte derPhilosophie" und desselben „Lupplsmsnti sl Nsnusls 61 Isnnsmann" (Mailand 1836).Im Jahre 1854 erschien von Pasquale Villari in Florenz: „6ul origins s sul pro-grssso 6sIIg Slosokis 6sIIs storis", in welcher zwar gegen die deutschen Metaphysi-ker vielfach polemisirt wird, sich aber doch zugleich eine ziemlich gründliche Bekannt-schaft mit der deutschen Philosophie verräth. Vielleicht ist jene Polemik nur eine List,um seinem Buche unter seinen Landsleuten Eingang zu verschaffen und es gegenVerfolgung und Unterdrückung sicherzustellen; denn der Verfasser erkennt auch dieFortschritte, welche die Philosophie und namentlich die Philosophie der Geschichtedurch die Deutschen, durch Herder, Schiller und besonders Hegel gemacht hat, frei-willig oder unfreiwillig selbst durch seine Polemik an. Ein italienischer Berichterstatterversicherte neulich im „Magazin für die Literatur des Auslandes", daß sich in Ita-lien sehr viele Gelehrte mit der Hegel'schen Philosophie beschäftigen, ja daß sich be-reits eine eigene Hegel'sche Schule gebildet hat, für die sich besonders in Neapelim Stillen viele Liebhaberei findet. Es ist dies ein geheimer geistiger Carbonaribundgegen ,den Druck des Jesuitismus. Der Neapolitaner de Santis. übersetzte sogardie „Ästhetik des Häßlichen" von Karl Rosenkranz. Die jüdischen Gelehrten Italiens