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Zwöflter Band.
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Deutsche Literatur im Auslande.

scheinen mehr bei der Moralphilosophie ihres Stammcsgenossen Moses Mendelssohnstehen geblieben zu sein. So hielt der israelitische Schriftsteller Professor Lelio dellaTorre bei der Wiedereröffnung des Lollsgio ksbbimoo in Padua am 18. Nov.1854 eine Rede, worin er seine italienischen Glaubensgenossen mit dem Einfluß be-gannt machte, welchen Moses Mendelssohn im vorigen Jahrhundert auf die Biidungs-zustande der deutschen Juden ausgeübt hat. Die Rede erschien gedruckt unter demTitel: „Nase Nsnüslssolin. Orsrious oio. " (Padua 1854). Stahl's „Rechtsphilo-sophie" ist vom Professor Pietro Torre in Genua übersetzt worden.

Alle wissenschaftlichen Werke, welche aus dem Deutschen ins Italienische über-gegangen sind, und alle Wechselbeziehungen zwischen den Koryphäen deutscher unditalienischer Wissenschaft und Poesie, wie die zwischen Leibniz einerseits und Mura-tori und Magliabecchi andererseits in früherer und zwischen Goethe und Manzoniin späterer Zeit, hier namhaft zu machen, würde zu weit führen; aber wohl verdienthervorgehoben zu werden, daß die Theilnahme für deutsche Geschichtschreibung in Ita-lien ebenso lebhaft als in Frankreich matt zu sein scheint. *) Zu den Geschichts-werken der Deutschen, welche sich Italien angeeignet hat, gehören, außer Hurter's„Geschichte Papst Jnnocenz' III." und Voigt's „Hildebrand als Papst Gregor VII.",vorzüglich Schiller's „Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs", die in der Benci'schenVersion in zweiter Auslage in Turin erschien; Gervinus' „Einleitung in die Ge-schichte des 19. Jahrhunderts", von dem durch seine Artikel in der gemäßigten turiner„Oplniono" bekannten Pedrelli übersetzt; Papencordt's „Cola di Rienzi", HeinrichLeo's „Geschichte der italienischen Staaten", Duller's „Geschichte der Deutschen" u. s. w.Von Sandrini, dem Übersetzer der letztem, ist auch eine Bearbeitung von Momscn's„Römische Geschichte" angekündigt. Auch Niebuhr's „Römische Geschichte" hat einenBearbeiter gefunden, doch wird diese Übersetzung nicht gelobt. Bei der Verfallen-heit der italienischen Musik gewinnt übrigens auch die deutsche Musik an Liebhabernin Italien, wenigstens klagt darüber Vincenzo Petra in seiner 1854 zu Neapel er-schienenen Schrift: „8uils oonüiriiom üsli' oiiiorna musioa itsliana", indem er diesenGeschmack an den „verwickelten und verworrenen" Motiven der deutschen Musik mitder „in Italien heutzutage so gebräuchlichen Nachäffung" der „Sophisten" Kant,Schelling und Hegel wie der Dichter Klopstock, Schiller und Schlegel in Zusammen-hang bringt.

Unter den slawischen Völkern.

Unter den slawischen Ländern verdient, was den Einfluß deutscher Bildung undLiteratur betrifft, Rußland den ersten Platz. Zwar hat die Masse des russischenVolks mehr vielleicht als irgendeine andere europäische Nation ihre ureigcnthüm-lichen Sitten treu bewahrt und sich den Einflüssen ausländischer Bildungselemcnteunzugänglich gezeigt, und was den Verkehr und die Gewohnheiten in den Kreisender vornehmen Gesellschaft anlangt, so sind hier die französischen Umgangsformenmaßgebend geworden; auch überwiegt in diesen Kreisen die Lectürc der leichternfranzösischen Tagesliteratur gewiß die jeder andern. Dagegen haben die wissenschaft-lichen Arbeiten Rußlands zumeist sich in der Richtung und an die Quellen der deut-schen wissenschaftlichen Forschung gehalten, die deutsche Philosophie hat in RußlandEingang gefunden und zählt unter den Anhängern des geistigen Fortschritts zahl-reiche Verehrer, und auch die Poesie hat einen tiefern Inhalt und ein gewissermaßeneuropäisches Interesse erst durch und seit ihrem Anschluß an die neuere Entwicke-lungsphase der deutschen und englischen Poesie gewonnen. Die kur- und livländi-schen Provinzen haben sowol in ihren Stadtbevölkerungen als in ihrem Adel einensehr tüchtigen Kern deutscher Bildung und Gesittung auszuweisen, und aus ihnen

) Eine von Alfred von Reumont im Jahre 1853 zu Florenz in italienischer Sprache heraus-gegebene Schrift über das Wechselverhältniß zwischen der italienischen und deutschen Literaturhat der Verfasser dieses Artikels leider nicht zurathe ziehen können.