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Zwöflter Band.
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250 Deutsche Literatur im Auslande.

aus Licht zu ziehen und diese überhaupt für europäische Cultur zu gewinnen. Unterandern deutschen Schriften wurde Aschokke's „Goldmacherdorf" von Krcuzwald unterdem Titel „lVinsllatie" ins Esthnische übertragen. Als eine eigenthümliche Erschei-nung ist der Nationalrusse I. B. Zacowlew zu nennen, der im Jahre 1852 zuPetersburg eine Sammlung selbstgedichteter deutscher Poesien unter dem Titel„Melodien" herausgab, in denen sich eine große Fertigkeit in der Handhabung dervon unsern Classikern festgestellten deutschen Dichtersprache und ein begeistertes Stu-dium Schillers verrath. Auch der russische Schriftsteller Neworow schrieb mitunterin deutscher Sprache. Weniger kann man von dem Einfluß der deutschen Kunst-weise auf die Entwickelung der bildenden Künste in Rußland sprechen, aus demeinfachen Grunde, weil es die Kunst in Rußland noch kaum zu einem irgend charak-teristischen der Rede werthen Anfang gebracht hat und den slawischen- Völkern über-haupt das eigentliche schöpferische Organ für die bildenden Künste zu fehlen, scheint.Begeisterte Anhänger zählt besonders die deutsche Musik in Rußland, wie namentlichdas bekannte Werk von Oulibischew über Mozart beweist.

Später als Rußland erschloß sich Polen den Einflüssen des deutschen Geistesund der deutschen Literatur. Zwar bilden in einem großen Theile Polens die Deut-schen in den Städten den eigentlichen Kern des Bürgerthums; die Stadtrechte undsonstigen städtischen Einrichtungen waren und sind nach deutschem Muster gemodelt,und waS Polen etwa an Jndustrie*besitzt, ist seit langem meist in den Händen vonDeutschen, woher es denn auch kommt, daß — und zwar schon seit dem 14. Jahr-hundert — die polnische Sprache mit deutschen Wörtern, besonders im Gebiete derIndustrie und der Kunst, vermischt worden ist. Indessen wurden diese Deutschen vonden Nationalpolen von jeher als Eindringlinge betrachtet und auch wol gehaßt, sowenig man ihrer entbehren konnte. Die Eigenschaften, die sie in ihr Adoptivvater-land mitbrachten: kühler Verstand, Intelligenz, Fleiß, Arbeitsamkeit, Sparsamkeitund Ordnungsliebe, sind gerade diejenigen, welche mit dem Wesen des Polen indirectem Widerspruch stehen und der polnischen Bevölkerung umsvweniger zusag-ten, da man allerdings nicht leugnen kann, daß sich mit jenen an sich löblichenEigenschaften viel Pedanterie verband. Diese bescheidenen, still und häuslich für sichlebenden, aber, wo es auf passiven Widerstand ankam, zähen Leute erweckten bei denPolen Abneigung gegen das ganze deutsche Wesen überhaupt. Von Bildung konntein früherer Zeit überhaupt nur bei dem polnischen Edelmann die Rede sein, unddiese Bildung war eine durchaus französische, auf äußere Eleganz gerichtete, derenglänzender Cultursirniß jene bekannten sarmatischen Eigenschaften: verschwenderischePrachtliebe, Eitelkeit, Leichtsinn, Unzuverlässigkeit und Unvrdentlichkeit nur schlechtverbarg. Der Deutsche bezeichnete dies mit dem Stichnamen „polnische Wirthschaft",wogegen sich der Pole mit Recht wieder etwas aus seine Generosität und seinenEdelsinn zugute that, die freilich auch ebenso oft mit brutalen Aufwallungen ab-wechselten. Zu diesen Grundvcrschiedenheiten in der Charakteranlage kam dann nochdas politische Mißgeschick Polens, das die Antipathien gegen die Deutschen zu einemnoch höher« Grade steigerte, vorzüglich seit der Besitzergreifung Warschaus durchPreußen. Die deutsch- und noch mehr preußisch-bureaukratischen und polizeilichenEinrichtungen, die man nun einzuführen versuchte, machten die deutsche Herrschaftvollends verhaßt, und mehr als je schlössen sich die Polen an Frankreich an und erwar-teten von diesem eine Wiederherstellung ihres Staats und der polnischen Nationalität.

Indessen sahen sie sich in ihren sanguinischen Hoffnungen bitter getäuscht; dieEdelsten der Nation hatten ihr Blut umsonst für den Ruhm der französischen Adlerdahingegeben, und es folgte eine neue Theilung Polens unter die Nachbarstaaten.Dieses äußere Unglück trug vielleicht wesentlich dazu bei, Vielen eine Richtung mehrnach innen zu geben und sie zu veranlassen, Trost für dieses Nationalunglück in derErwerbung von Gütern höherer geistiger Art zu suchen. Der Ehrgeiz, der sich sonstnicht befriedigen konnte, und ein tieferes Bedürfniß trieb die Gebildeten an, in diesolidarische Brüderschaft der europäischen Geistesaristokratie einzutreten und sich am