Band 
Zwöflter Band.
Seite
251
JPEG-Download
 

Deutsche Literatur im Auslande. 25l

lnter allgemeinen Civilisationswerk zu bekheiligen. Äußerlich in Banden, strebte man nun

mter «ach innerer Freiheit. Diese zu erreichen bot sich an der Hand des deutschen Gei-

'chci- steslebens, das sich inzwischen so überraschend reich entwickelt hatte, der sicherste Weg.

! zu Auch war diese geistige Bewegung, die andern Bewegungen auf mehr politischem

Titel und socialem, zum Theil aber auch literarischem Gebiete in England und Frankreich

der ergänzend zur Seite ging, so übermächtig, daß sich ihr kein Volk, welches überhaupt

Stu- zu den gebildeten zählen wollte, auf die Dauer hätte entziehen können,rnter Unter Alexander I., der eine zeitlang sogar den modernen Aufklärer spielte, hatte

unst- die geistige Entwickelung in Rußland wie namentlich in den damals besonders be-

dem günstigten polnischen Provinzen einen vergleichsweise freiep Spielraum, und so sehen

arak- wir seit 1815 in Wilna, wo Mickiewicz damals lebte, strebsame Köpfe zu einer

über- Dichterschule zusammentreten, die sich den Namen der romantischen gab und als

)eint. deren Haupt Adam Mickiewicz zu betrachten ist. Auch hier wie in Frankreich wurde

ältlich der Kampf zwischen den Anhängern der ältern französirenden und jüngern germani-

sirenden Richtung mit großer Hartnäckigkeit geführt, bis er sich zu Gunsten dererstes letzter» entschied, namentlich nachdem Mickiewicz durch seine Dichtung „Konrad

)eut- Wallenrod" gezeigt hatte, was diese Schule'leisten könne. Während Mickiewicz,

und der auf seinen spätern Reisen des von ihm bewunderten Goethe persönliche Bekannt-

odelt, schaft machte, auch in spätern Dichtungen der deutschen philosophirenden Richtung treu-

von blieb, schlössen sich andere Talente mehr der deskriptiven und blasirt.zerrissenen Byron'-

§ahr- schen Richtung an, doch nicht ohne Einflüsse der deutschen Dichrweise zu verrathen,

e der Das höchste Ansehen unter den deutschen Dichtern genießt in Polen wol Friedrich

von von Schiller, dessen pathetische Weise den Polen auch besonders zusagt. Mehre

, so seiner Balladen und Gedichte wurden von Mickiewicz, Gorczynski und Augustin

>ater- Zulowski ins Polnische übersetzt; ganz besonders war es aber Johann N. Kaminski

mkeit in Lemberg, der durch seine als meisterhaft gerühmten Bearbeitungen Schiller'scher

n in Dramen dem deutschen Dichter in Polen Eingang verschaffte. Schon 1820 über-

usag- setzte er Schiller's Gedichte und Balladen, später den „Don Carlos", und 1837 er-

lichen schien seine vortreffliche Bearbeitung der ganzen Trilogie des „Wallenstein" zu Lem-

r sich bcrg, dem er dann noch mehre Schiller'sche Dramen folgen ließ. Einige derselben

i den kamen in Lemberg auf dem polnischen Theater zur Aufführung, und wahrscheinlich

onnle war es auch die Kaminski'sche Übersetzung der „Jungfrau von Orle'ans", in wel-

und cher die Schauspielerin Zuzckvwska als Jeanne d'Arc auf dem warschauer Theater

deren Furore machte. Goethe's weniger auf ein allgemeines Pathos gerichtetes Wesen

rische scheint den Polen minder verständlich und genießbar zu sein; doch wurde der

chlecht Goethe'sche „Faust" von Lucascewicz in Krakau und sogar „Hermann und Dorothea"

hast", von Czajkowski übersetzt. Aus der neuern deutschen Unterhaltungsliteratur wurde

seinen Manches ins Polnische übertragen, z. B. mehre Romane der Frau Paalzow, Hack-

a ab- länder's Lustspiel „Der geheime Agent" u. s. w. Der Methode und den Resultaten

noch der deutschen wissenschaftlichen Forschung schloß sich unter den polnischen Gelehrten

einem namentlich Lelewel an. Endlich ist hier die fortschreitende Germanisirung des Groß-

durch herzogthums Posen theils durch Colonisirung, theils durch Zunahme des Fabrikanten-

ilichen und Handwerkerstandes in den Städten, namentlich in der Hauptstadt Posen selbst,

cschast theils besonders durch Schulbildung und Unterricht nicht zu übersehen. Bei dem ge-

rwar- ringen Umfange der Provinz und der in einzelnen Strichen bereits sehr dichten und

alität. überwiegenden deutschen Bevölkerung scheint auf die Dauer gegen diese allmälige Ger-

t; die manisirung jeder Widerstand erfolglos zu sein. Auch ist die höhere geistige Bildung

Adler in dieser Provinz nicht mehr unter dem polnischen Adel allein heimisch. Bemerkt zu

aaten. werden verdient, daß die jüngere nach Bildung strebende polnische Generation im

mehr preußisch-polnischen Antheil sich mit Vorliebe der Hegel'schen Philosophie zuwendet,

r der daß mehre in polnischer Sprache erscheinende Blätter den Standpunkt deutscher Phi-

sonst losophie festhalten und daß auch Graf Tyszkiewicz, als Verehrer deutscher Musik und

i die durch seinen gegen die Verballhornung des Weber'schen „Freischütz" in Paris geführ-

am ten Proceß bekannt, dieser Richtung angehört. Bezeichnend ist es ferner, daß es säst