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Deutsche Literatur im Auslande.
von Orkans". Dänische Bearbeitungen der Gedichte Schiller's von Ohlenschläger,Zngemann und Andern gab Schaldemose gesammelt im Jahre 1842 heraus. Lessing's„Emilia Gallotti" wurde im Jahre 1828, Eoethe's „Egmont" 1818, sein „Faust"im Jahre 1847 von W. Bech, Schiller's „Don Carlos" von Molbech, H. vonKleist's „Prinz von Homburg" 1828 von Boye, Gleim's „Halladat" im Jahre1803 von Abrahamson, Novalis' „Heinrich von Ofterdingen" im Jahre 1820 vonH. L. Bernhost übersetzt, außerdem sehr viele Theaterstücke Jffland's und Kotzebue's.Ferner Romane und Novellen von Deck, Steffens, Mügge, W. Alexis (z. B. „DerRoland von Berlin"), F. G. Kühne (z. B. „Die Rebellen von Irland"), Rellstab,Spindler, Zschokke, Gerstäcker, Hcrloßsohn, Grä'stn Hahn-Hahn, Frau Paalzowu. s. w. Die Leihbibliothekenlectüre rekrutirt sich überhaupt vornehmlich aus franzö-sischem, englischem und deutschem Vorrathe, und kaum zu zählen sind die Übersetzun-gen Lafonkaine'scher Romane bis zu denen von Spieß herab. 'Die Männer derWissenschaft halten sich ohne Zweifel meist an die deutschen Originale selbst, dochwurden Kant's „Anthropologie" (1802), seine „Logik" (1803), Hcgel's „Philoso-phie der Geschichte" (1842), Schleiermacher's „Monologe" u. s. w. ins Dänischeübertragen. Selbst ins Isländische wurde Einiges aus dem Deutschen übersetzt,unter Anderm Klopstock's „Messiade" von I. Thorlakson. Von den wissenschaftlichenLeistungen der Dänen läßt sich überhaupt weniger sagen; sie kommen wenigstensnicht gegen die Leistungen Deutschlands aus diesem Gebiete in Betracht, wenn manSchow und besonders Ewsted ausnimmt, der durch sein« kühnen Combinationen undepochemachenden Forschungen und Entdeckungen auf physikalischem Gebiete den Rufeines europäischen Gelehrten erworben hat. Und auch bei Orsted ist die tiefsinnigecombinatorische Universalmethode der Deutschen, namentlich auch der Einfluß Humboldt's,nicht zu verkennen. Einer der scharf eindringendsten deutschen Geschichtsgelehrten undGeschichtsforscher, Niebuhr, war wenigstens dänischer Abstammung. In Betreff derKünste hat Dänemark wenigstens ein Recht, auf seinen Thorwaldsen stolz zu sein,der aber auch ohne die vorhergegangene Eeschmacksreinigung durch die deutsche Kunst-kritik und Ästhetik und die auf diesem Wege erzielten Ansänge neudeutscher Kunstschwerlich Das geleistet haben würde, was er geleistet hat. Indem in ihm der keuschegermanische Geist zum Ausdruck kam, haben auch wir an diesem Sohne Islands einRecht, wie wir überhaupt in dem skandinavischen Element nur einen Ausschnitt un-sers eigenen Selbst zu erkennen wohl berechtigt sind.
In diesem Sinne betrachten wir auch die Leistungen Schwedens auf literari-schem, wissenschaftlichem und künstlerischem Gebiete als einen Ausfluß des germani-schen Geistes, in welchem wir dem unsern verwandte Familienzüge wiedererkennen.Ja manche rein germanische Eigenthümlichkeiten: Keuschheit, Strenge, Lauterkeit undSimplicität, sind, wenigstens von den Koryphäen, in der schwedischen Literatur viel-leicht treuer bewahrt worden als in der unserigen, wogegen ihr freilich universelle Zielpunkte, penetrirende Schärfe und umgestaltende Kraft des Gehankens abgehen. Wasder Schwede dichtet und denkt ist meist aus den Horizont des specifisch schwedischenPatriotismus, der schwedischen Geschichte und des alten Sagenthums gestellt. Über die-sen Kreis geht der Schwede selten hinaus.
Längere Zeit als in manchen andern Länder» bedurfte es, um in Schwedendie französische Regel und die Boileau'sche Doctrin zu durchbrechen, obgleich sie demLande künstlich aufgezwängt waren. Namentlich war es Gustav Hl., der, wie erselbst französische Verse machte, diesen Geschmack begründete und einen förmlichenliterarischen Senat einsetzte, dessen Präsident, Karl Gustav Leopold, mit eigensinnigerDespokenstrenge diesen akademischen Zwang aufrechterhielt. Das Volk freilich küm-merte sich nicht darum, sondern begeisterte sich an den kunstlosen Gesängen desVolksdichters Bellmann. Dagegen gelang es, indem der literarische Senat die poeti-schen Neuerungen in Deutschland für genialen Unsinn und romantischen Gallimathiaserklärte, die Einflüsse der deutschen Literatur fernzuhalten, sodaß nur Weniges aus ihrin Schweden eingeführt oder gleichsam eingeschmuggelt wurde: Klopstock's „Messiade'