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Zwöflter Band.
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Deutsche Literatur im Auslande.

Daher die Eifersucht, womit der Holländer aus sein Volk und Land hält, die ihnaber auch verhindert, sich in das geistige Leben anderer Nationen hineinzuleben unddavon Vortheil sür^sich selbst zu ziehen. Er will von andern Nationen nichts em-pfangen, weil er sich umher Stande fühlt, viel wiederzugeben, und weil er als guterGeschäftsmann doch auch nichts schuldig bleiben will. Es ist eigenthümlich, mitwelcher Zähigkeit der Holländer an seinen alten Vondel festhält, der freilich seiner-zeit als ein so großer Dichter galt, daß er selbst von unserm Andreas Gryphius,der ihn doch an poetischer Begabung, an Humor und freier Geistesrichtung über-ragte, nachgeahmt wurde. Der vielleicht nächstgrößte Dichter der Holländer, Bilder-dijk, ein Mann von starkem Charakter, vielseitigen Talenten und mit der deutschenLiteratur wohlvertraut, hielt streng an den alten poetischen Traditionen, am Alexan-driner, an der Lehrdichtung, und eiferte gegen Schiller und Goethe, wie der Akade-miker Leopold, ohne jedoch bei seinem Volke auf denselben Widerstand zu stoßen.Die gleiche Hartnäckigkeit beweist der Holländer auf philosophischem und wissenschaft-lichem Gebiete; er kann nicht vergessen, daß auf diesem Felde sein Volk dermaleinstin erster Reihe stand. Es sieht fast wie Ironie aus, daß der bahnbrechende Spinoza,der freilich der jüdischen Nationalität angehörte, zufällig in Amsterdani geborenwurde. Wie Bilderdijk gegen Schiller und Goethe, so kämpfte der utrechter Pro-fessor Philipp van Heusde noch im vorigen Decennium gegen die philosophischenSysteme der Deutschen, indem er nur Hemsterhuys, Valckenaer, Ruhnkenius undWyttenbach als die wahrhaften Lehrer des Schönen und Guten, als die geeignetstenphilosophischen Vorbilder für die Jugend seines Vaterlandes gelten lassen wollte.Dennoch blieb auch Holland in jüngster Zeit von dem Hauche des deutschen Geisteskeineswegs unberührt. Namentlich zeichnete sich in den dreißiger Jahren van Ghert,der im Haag das „4tbenasum" herausgab, als feuriger Vorkämpfer deutschen Wis-sens und deutscher Bildung aus, und auch Heusde's Angriffe gegen die deutsche Phi-losophie fanden in Holland selbst Widerspruch. Auch ist die Zahl der Übersetzungenaus dem Deutschen ins Holländische durchaus nicht gering, zumal auf dem Gebieteder Unterhaltungsliteratur, wie die zahlreichen Übertragungen der Schriften Zschokke's,E. T. A. Hoffmann's, Schilling's, Hackländer's, Gerstäcker's u. s. w. beweisen.Besonders beliebt waren seiner Zeit in Holland wie in den skandinavischen Länderndie Lafontaine'schen Romane, von denen vielleicht kaum einer unübersetzt gebliebenist. Seltener sind die Übersetzungen solcher Dichtungen oder Werke, welche deneigentlichen Kern unserer Nationalliteratur bilden. Großes Glück machte in HollandKlopstock's „Messias, der 1791 von C. Groeneveld, 1802 von B. Nieuwenhuysen(in poetischer Prosa) und 1805 von I. Meermann übersetzt wurde. Auch von Klop-stock's „Hermannschlacht" erschien im Jahre 1791 eine holländische Bearbeitung.Mehre philosophische Schriften Herder's.wurden in den neunziger Jahren des vori-gen Jahrhunderts und im Anfange des jetzigen, Lessing's „Ernst Falk" 1807, Wie-land's „Abderiten" 1787, dessen „Göttergespräche" 1792, Engel's „Philosoph fürdie Welt" 1797, Bürger's „Lenore" 1804 von van Heyningen, „Luise" von Voßvon Bartold Hendrik Lulofs, einem Dichter, der sich ganz nach deutschen Musternbildete, 1811, Goethe's „Hermann und Dorothea" von C. ten Hoet 1826, sein„Egmont" von I. A. van Eeden übersetzt. Am zahlreichsten sind die Übersetzun-gen Schiller'scher Werke. Die „Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande"und die „Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs" wurden 1794, sein „Geisterseher"1801, „Die Jungfrau von Orleans" und „Maria Stuart" 1807 von dem Kantia-ner I. Kinker, das „Lied von der Glocke" 1815 von A. van der Willigen, ferner„Wilhelm Teil" (von A. Doijer) und „Don Carlos" ins Holländische übersetzt. Inholländischer Übertragung erschienen ferner A. W. Schlegel's „Vorlesungen über dra-matische Kunst", Görres' „Deutschland und die Revolution" (1819), I. von Mül-ler's „Vierundzwanzig Bücher allgemeiner Geschichte", von N. G- van Kämpen bear-beitet (1822), mehre Schriften von Schlözer, Neänder u. s. wi In jüngster Zeit