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Deutsche Literatur im Auslande.
Dominiums deutscher Wissenschaft und Literatur. Mithin könnte nur die WelscheSchweiz Deutschland gegenüber als Ausland in Betracht kommen, namentlich dieFranzösische. Als Pflanzboden deutscher Wissenschaft ist hier Genf zu erwähnen, dasals eine überwiegend protestantische Stadt ebenso viel Sympathien für Deutschlandwie als überwiegend französisch redende für Frankreich hat, mithin einen Mittel-punkt bildet, in welchem die geistigen Interessen beider Nachbarländer zusammentreffen.Durch seinen ernsten reflectircnden Charakter zeigt sich der Genfer im Allgemeinenmehr dem Deutschen verwandt, und mehre berühmte französische Autoren und Staats-männer (Necker, Guizot u. s. w.) haben diesem Geiste und sich selbst durch ihn inFrankreich Geltung verschafft. Die französisch geschriebenen Blätter und RevuenGenfs haben nichts von der pariser Feuilletonbeweglichkeit und nehmen fortdauerndauf deutsche Literaturerzeugnisse, doch nur die ernstern, Rücksicht. Doch stößt auchhier, wie überall, der deutsche Geist in seinem trotzdem unhemmbaren Fortschreiten aufvielen Widerstand; namentlich wurde das Project einer zu gründenden eidgenössischenUniversität den Welschen Anlaß, sich durch ihre Stimmführer in Klagen über an-geblich obwaltende Germanisirungstendenzen auszulasten. Es handelt sich aber beidiesem ganzen geistigen Proceß nur um die Ausbreitung germanischer Ideen, unddiesen wird man den Weg nicht verlegen können.
In England.
Eine sehr ansehnliche literarische Provinz (um so zu sagen) besitzt das deutscheVolk in England, wie dies auch bei der nahen Verwandtschaft beider Völker undihrer Sprachen erklärlich ist. Man hat zwar innerhalb der englischen Literatur selbstzwei verschiedene Strömungen, eine normannische und eine sächsische nachweisenwollen, und diese oder jene Autoren und Dichter als solche bezeichnet, in denenentweder der normannische oder der sächsische Geist seine Vertretung fände., Dochist dieser Unterschied mehr ein künstlicher, denn diese wie jene schreiben in englischerSprache, also unter den Einflüssen jenes germanischen Urelements, in welchem dieenglische Sprache mit ihren Hauptwurzeln haftet. Übrigens zeigt sich auch bei denEngländern die Erfahrung, daß ihre Literatur nur dann einen höhern Stand er-reichte, wenn sie ihrem rein germanischen Naturtriebe folgte, und daß sie jedesmalsank, wenn sie französische Formen und französischen Esprit copirte, obschon die eng-lische Literatur zu keiner Zeit sich zu einer so plumpen oder lächerlichen Nachahmungherabgewürdigt hat als zu Zeiten die deutsche, die dann ein Spott der Völker wurde.
In älterer Zeit gaben sich nur sehr wenige Spuren deutschen Einflusses ausEngland kund, obschon manche Thierdichtungen, z. B. „Reineke Fuchs" unter demTitel ,,'1'trs kistor^ ok llszmsrt tks kox b)? ins ÜiUIIialn Laxton", im Jahre 1481und das „Narrenschiff" unter dem Titel „Skipps ot' koolss", von A. Barkley,letzteres jedoch nach einer lateinischen Bearbeitung, „Reineke Fuchs", wie es scheint ausdem Niederländischen, ins Englische überseht wurden. Daß die deutsche Sage vomSchwarzkünstler Faust auch nach England ihren Weg fand, beweist Marlowe's be-kanntes gleichnamiges Stück. Tief durchgreifend waren in England die Einflüsse derdeutschen Reformation. Auch wurde Luther's deutsche Bibelübersetzung der englischenzugrunde gelegt, und dessen „Tischgespräche" wurden ebenfalls übersetzt und warenseinerzeit ein Lieblingsbuch in England. In der folgenden Zeit, bis auf das Erwachender deutschen Nationalliteratur in Deutschland nach der Mitte des vorigen Jahrhun-derts, kümmerte man sich um die deutsche Literatur gar nicht, man sah auf sie wieaus die Deutschen überhaupt mit der entschiedensten Verachtung herab. Noch Swiftdurste wagen, die Deutschen die „ilullest nstion" zu nennen, und wenn ein engli-scher Schriftsteller die lächerliche Plumpheit und Vierschrötigkeit in Person darstellenwollte, so wählte er dazu einen Deutschen. Nur in der Kunst, so schwer dies denEngländern auch fallen mochte, mußte man nothgedrungen den Deutschen den Vor-rang einräumen. Hans Holdem, der für Heinrich VIII. malte, war und ist noch jetztvielbewundert in England; später wurde der Maler Kneller hinübergezogen, und Hän-