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Zwöflter Band.
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Deutsche Literatur im Auslande.

del leitete lange Jahre die Oper in London und schrieb hier mehre seiner vorzüg-lichsten Werke.

Das „Lilinburgli rsvisvv", das sich überhaupt um die Anerkennung und Ver-breitung deutscher Literatur in England die größten Verdienste erwarb, hat zu ver-schiedenen Zeiten das Verhalten Englands der deutschen Literatur gegenüber betrachtet,und es gibt für uns keinen bessern Wegweiser in dieser Hinsicht als diese Revue.Im Jahre 1815 enthielt sie einen Artikel über Lichtenberg's „Vermischte Schriften",worin es unter Andcrm hieß: die deutsche Literatur sei kaum jemals in England ge-recht gewürdigt, sie sei entweder vorschnell und unüberlegt verworfen oder mit närri-schem Enthusiasmus zum Himmel erhoben worden; sie habe Anhänger und Gegnerin Menge, aber wenig verständige, besonnene Beurtheiler gefunden. Das sei freilichkein Wunder. Früher hätten die Deutschen vorzugsweise in lateinischer Sprache ge-schrieben, und was Gelehrsamkeit und Scharfsinn betreffe, so hätten sie jedem andernVolke in denselben Zweigen der Wissenschaft sich zur Seite stellen können. Im

Ganzen aber sei die deutsche Literatur ein Gegenstand des Gespötts und ein deut-

scher oder holländischer Commentar wegen seiner Trockenheit sprichwörtlich gewesen.Der Reviewer kommt nun 'auf die vielen Hemmnisse einer freiern Entwickelung derdeutschen Literatur zu sprechen, und findet diese namentlich in der wunderlichen Klein-staaterei und in den schroffen Gegensätzen zwischen Katholicismus und Protestantis-mus, Östreich und Preußen. Erst Haller, Wieland und Klopstock hätten eine Muster-sprache geschaffen, und seitdem schrieben die Deutschen so correct wie irgendein

anderes Volk, sodaß Friedrich der Große sich mit seiner Behauptung, im Deutschen

lasse sich irgendein geschmackvolles Werk nicht zustande bringen, höchlichst geirrt habe.Einen solchen Ausspruch zu thun würde Friedrich nicht gewagt haben, wenn er mitden Schriften Wieland's, Goethe's und (man höre!) Garve's so vertraut gewesenwäre als mit den Schriften Voltaire's und d'Alembert's. Die in Deutschland früherso zahlreichen Übersetzungen hätten glauben lassen, daß die Deutschen nichts weiterthun konnten als nachahmen; einige bewundernswerthe Schriften von Lessing jedochhätten ihren Weg auch nach England gefunden und in Gesellschaft mit den NamenHaller und Klopstock den Wenigen, welche die Originale „zu lesen vermocht, gezeigt,daß die Deutschen nicht blos übersetzen, sondern auch Übersetzenswerthes schreibenkönnten. Während des amerikanischen Kriegs sei der geistige Verkehr zwischen bei-den Völkern ansehnlich gesteigert worden. Deutsche Offiziere, welche in englischenDiensten standen, hätten die Kenntniß deutscher Sprache und deutscher Schriftenweiterverbreitet, und eine große Anzahl deutscher Schriften, Dramen, Romane undanderer leichten Sachen seien in England in Umlauf gesetzt worden. Der NameLessing's, von jedem Deutschen hochverehrt, sei fast so familiär geworden wie derAddison's und Fielding's, und habe den weniger respeckabeln Werken von Schiller,Kotzebue und Jffland (welche Zusammenstellung!) Bahn gebrochen. Die Werke derbeiden ersten Autoren seien im Norden und auch in England wohl gekannt und be-wundert; Sheridan sei ein Nachahmer Kotzebue's, und Schiller, unzweifelhaft einMann von Genie, sei das eingestandene Muster derjenigen Dramendichter, welche,ohne alles Genie, es dahin gebracht hätten, die öffentliche Aufmerksamkeit durchAufstellung furiöser Liebhaber, wahnsinniger Heroinen, Blasphenusten, Fatalisten undAnarchisten aller Art zu fesseln. Indessen, meint der Reviewer, müßten in den deut-schen Theaterstücken und Romanen doch gewisse tüchtige Elemente enthalten sein, manwürde ihnen sonst nicht so viel haben entlehnen können.

Diese ganze Stelle haben wir im Auszuge mitgetheilt, um darzuthun, wie mannoch im Jahre 1815, Sinn und Unsinn zusammenmischend, über deutsche Literaturin England dachte und schrieb; aber es geht doch daraus hervor, daß man schondamals der deutschen Literatur einen bedeutenden, ja „selbst verderblichen Einfluß aufgewisse Gattungen der englischen Literatur zugestand. Ähnlich hieß es in einem Artikelderselben Revue über das berühmte Buch der Frau von Stael, daß der unmoralische undrevolutionäre Charakter der deutschen Literatur, namentlich des Drama, ihr den Ein-