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Brasilien und Südamerika.
Chile, ein anderer, die Argentinische Conföderakion, Buenos-Ayces und die Banda-oriental (Uruguay), zum Atlanssschen Ocean sich neigt, und ein dritter endlich vor-züglich dem Binnenlande angehört, Bolivia und Paraguay. In beiden Richtun-gen, im Norden wie im Süden, hat zu gleicher Zeit die Erhebung gegen die spa-nische Willkürherrschast begonnen , zu Caracas am 19. April 1810 und zu Buenos-Ayres am 25. Mai desselben Jahres. Von diesen zwiefachen Brennpunkten gingdie Jnsurrection schnell wie ein Lauffeuer über alle Besitzungen der Spanier imsüdlichen Amerika. Sie kämpfte während der Jahre 1810 — 24 unter den verschie-denen Führern, Bolivar, Marino, Paez, Nibas und Andern, mit abwechselndemGlücke. Der Sieg bei Ayacucho in Peru (9. Dec. 1824) und die Übergabe desHafens Porto-Cabello in Venezuela (16. Juli 1824) hat die Unabhängigkeit dieserLänder von der spanischen Krone auf immer entschieden. Zu einer geordneten staat-lichen Gestaltung konnten sie es aber, mit der einzigen Ausnahme von Chile, bisauf den heutigen Tag nicht bringen. Die föderative Republik Columbia hat sichnach dem T'ode ihres Begründers, des Simon Bolivar (1830), des tüchtigstenMannes während der ganzen hispano» amerikanischen Revolukionsperiode, alsbald indie drei erwähnten unabhängigen Staaten aufgelöst. Die andern großen Länder-gebiete weiter hinab im Süden, längs des Stillen und des Atlantischen Ocean,wie im Binnenlande, schwankten und wankten von einer staatlichen Form zur an-dern, und wurden nacheinander eine Beute verschiedener Condottiere, ihrer raub-sucheuden Söldlinge und namentlich der zahlreichen Stellenjäger, unter den vieleneine der größten Plagen, welche die Spanier und Portugiesen ihren ehemaligen Be-sitzungen in Amerika zurückgelassen haben. Könnten Nationen, gleichwie Individuen,ihrer Verbrechen wegen vor den Richterstuhl gezogen und nach Verdienst bestraft iwerden, so würde von den Spaniern und Portugiesen keine einzige Person übrig- ^bleiben, und alle Höllenstrafen, welche die Dichter ersannen, kaum für die Schul-digen hinreichen. Das, was den Menschen ernährt und kleidet, bei körperlicher undgeistiger Gesundheit erhält, die göttliche Arbeit, haben die, Spanier und Portugiesen ^allenthalben auf Erden, wohin sie ihre fluchwürdige Herrschaft ausdehnten, wenn !nicht gebrandmarkt, doch niemals in ihrer Würde und Ehre hingestellt. Die spa-nischen und portugiesischen Colonien waren Versorgungsanstalten für die jüngernGlieder angesehener Familien, für die Abenteurer der Hauptstädte, für die Intri-ganten der Höfe. Sie lebten nicht blos auf Unkosten der in den Ländern Ansässi-gen, sondern suchten in dieser und jener Weise so schnell als möglich reich zu wer-den,, um heimzukehren und im Vaterlande zu prassen. Die Creolen sind niemalszu Ämtern zugelassen und überdies mit Schmach behandelt worden. Dies warendie vorzüglichsten Klagen der in den Colonien geborenen Spanier und Portugiesenund hieraus sind die Revolutionen und die schnelle Lvstrennung vom Mutterlandehervorgegangen. Nun sind diese Eingeborenen selbst an die Stelle jener europäischenAbenteurer getreten. Die spanischen Creolen Amerikas haben das verderbliche Vor- 'urtheil gegen die industrielle Arbeit vom Mutterlande geerbt, sie haben es sogar nochweitergebildet. Niemand will sich dem schmuzigen, Geschäfte des Ackerbaus, der Ge-werbe und der Industrie widmen; Alle wollen Stellen, beim Heere und der Verwal-tung, bei der Hierarchie und dem Gerichtswesen bekleiden. Wer sich dem Handelwidmet, der strebt nach Monopolien, um sein Brot in leichter Weise, im lieblichenMüßiggänge zu erhalten. Nun sind natürlich die Ämtergierigen viel zahlreicher als die !Ämter. Man sucht sich zu helfen. Die Candidaken gehen darauf aus, die Inhaberder Stellen in dieser oder jener Weise zu entfernen. Die draußen intriguiren, con- !spiriren gegen die drinnen; sie stürzen die Staatsordnung um, damit sie ihr Ziel,ein Amt, erreichen. Das spärliche, nicht selten zerrüttete Budget genügt aber nicht, ^um dem zahlreichen Beamtenstand reichliche Besoldungen zu geben. Man sucht sichwiederum zu helfen. Man nimmt da, man nimmt dort; man unterschlägt die anver-trauten Gelder und läßt sich bestechen. Und in solcher Weise werden die spanisch-amerikanischen Staaten, wenn auch äußerlich Ruhe herrscht, im Innern, unter der