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Zwöflter Band.
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Brasilien und Südamerika.

Spitze ein ebenfalls gewählter Präsident steht, während in dem monarchischen Bra-silien der Provinzialdirector von der Regierung eingesetzt wird. Auch die meistenandern Beamten in Neugrauada gehen aus der freien Volkswahl hervor und sinddem Volke verantwortlich. Die Centralregierung, ebenfalls nach dem Muster derVereinigten Staaten eingerichtet, besteht aus einem Präsidenten, aus einem Senateund der Abgeordnetenkammer. Der Präsident besitzt die ausübende Gewalt, abernur in sehr beschränkter Weise. Ohne Zustimmung des Senats kann er keine Er-nennungen zu Hähern Stellen ergehen lassen. Seine Amtsführung dauert vier Jahre;erst nach Verlauf eines gleichen Zeitraums kann der Präsident von neuem gewähltwerden. Diesem Haupte der executiven Gewalt steht ein aus dem Vicepräsideutenund einigen Ministern bestehender Staatsra-th zur Seite. Und alle diese Regie-rungsmitgliedec sind, gleichwie der Präsident selbst, dem Volke verantwortlich. Diegesetzgebende Gewalt liegt beim Congresse, welcher sich jährlich am 1. März ver-sammelt und wenigstens 60 Tage beisammenbleibt. Der Senat besteht aus 26 unddie Deputirtenkammer aus 58 Mitgliedern, welche sechs Piaster Diäten und ihreUnkosten zur Reise nach Bogota bezahlt erhalten. Die Wahl ist eine mittelbaredurch Wahlmänner. Um Senator zu werden, muß man Staatsbürger, 55 Jahrealt sein und Besitzthum im Werthe von 4000 Piastern oder eine Rente von 500Piastern besitze». Die Abgeordneten müssen ebenfalls Staatsbürger, 25 Jahre altsein und ein Vermögen von 2000 oder eine Rente von 400 Piastern besitzen. DasRichteramt liegt in den Händen unabhängiger gewählter Richter, die in vier ver-schiedene Classen zerfallen. Es besteht ein oberster Gerichtshof, welcher in derHauptstadt Bogota seinen Sitz hat, unter dem dann die Bezirks-, Cantons- und Frie-densgerichte stehen. Die Gesetze, nach welchen Recht gesprochen wird, sind sämmt-lich codificirt. Der Codex des bürgerlichen Rechts ist 1834 und der des peinlichen1837 erschienen; sie beruhen auf der unbedingten Gleichheit vor dem Gesetze. Hättedie Bevölkerung keine katholisch-despotische Erziehung erhalten, wäre sie nicht infeindliche Raren gespalten, wäre sie zum Selbstdenken, zur Arbeit und Einsicht her-ungebildet worden, so würde sie reif sein für diese liberalen Ordnungen; sie würdesich glücklich fühlen und einer großen Zukunft entgegengehen. Dem ist aber nicht so.Die Granadier können sich in diesen, aus der Fremde her ihnen gebrachten undihrem ganzen Wesen widersprechenden Institutionen nicht zurechtfinden.

Der General Franciscv de Paula Sanrander, welcher zu einer Zeit, unter derPräsidentschaft Bolivar's, Vicepräsident der Republik Columbia war, wurde zumersten Vorsitzenden des neuen selbständigen Staats gewählt. Bolivar ragte ammeisten hervor unter den Generalen des Unabhängigkeitskrieges der spanisch-amerika-nischen Colonien. Die Größe des Mannes darf aber nur an seiner Umgebung, anseinem Lande gemessen werden. Auch kein Tropfen Blutes eines Washington undder andern Kriegs- und Friedenshelden Nordamerikas floß in seinen Adern. DieMacht und die überströmende Dankbarkeit seines Volks haben ihn schnell verdorben.Bolivar häufte während der letzten Jahre Gewaltstreiche über Gewaltstrciche; erwarf-sich mehrmals zum Dictator auf und suchte augenscheinlich ein Cäsarenthum zubegründen. Die Zersplitterung der Conföderation Columbia ist zum Theil aus die-sem angestrebten Despotenwesen hervorgegangen. Wenigstens nannten, sich die Grün-der der selbständigen Staaten Neugranada, Venezuela und Ecuador Liberale, imGegensatz zu den Prätorianern und dem ganzen Anhange Bolivar's. Diese Leutesahen allenthalben mit Verdruß den Zusammensturz ihrer Wiükürherrschaft; sie suchtennicht blos Santander, dem von 1833—37 regierenden Präsidenten, allerlei Schwierig-keiten in den Weg zu legen. Die ganze innere Geschichte des 25jährigen Bestandesder Republik dreht sich um den Kamps zwischen jenen auf eine Soldatenherrschaftzielenden Bolivianvs und den Anhängern der neugeschaffenen volksthümlichen Insti-tutionen. Die Parteien blieben nicht bei dem ehrlichen offenen Kampfe stehen: siegriffen auch in spanisch-italienischer Weise nach Verrath und heimlichem Mord.Mehre Generale Bolivar's, unter andern General Sucre, der Großmarschall von