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Zwöflter Band.
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Brasilien nnd Südamerika.

fang des Staates Venezuela wird gegen 416000 englische Eeviertmeilen geschätzt,worauf eine Bevölkerung von Negern, Indianern, Creolen und Mischlingen allerleiArt lebt, welche kaum eine und eine Drittel Million betragen mag. Wenigstens 30Millionen arbeitsamer tüchtiger Menschen könnten in dem herrlichen fruchtreichen Landeund auf den dazu gehörigen 71 Inseln ihren guten Lebensunterhalt finden. Vene-zuela wird nach seiner Bodenbeschaffenheit und relativen Höhe in drei verschiedeneZonen unterschieden. Es ist dies das Ackerbaugebiet, welches sich von, Meere zuden binnenländischen Niederungen hinzieht, und nicht weniger als 50 Buchten und32 herrliche Hafen umfaßt, worunter Puerto-Cabello, Maracaibo, Caracas, Cu-niana und La Guyana. Hierauf folgen die von einer Menge Gewässer durchzogenenund vom hohen Grase überwachsenen Savannen oder Ebenen. Die mit Urwaldungbedeckte und von Bergen durchschnittene dritte Zone, wo jetzt kaum 60000 Mcn-scheu wohnen, wovon zwei Drittheile uncultivirte Neger, könnte allein über 16 Mil-lionen Seelen in reichlicher Fülle Nahrung geben. Man sieht, wie sehr es diesemmit den verschiedensten und herrlichsten Naturerzeugniffen .gesegneten Lande an arbei-tenden Händen gebricht, und wie seine erste Aufgabe Ruhe sein sollte, um fremdeAnsiedler herbeizuziehen. Und dieser Mangel an Arbeitskräften ist seit der vollstän-digen Negeremancipation (24. März 1854) in großem Maße gestiegen. Denn auchhier lehrte die Erfahrung, daß die Neger, wenn sie nicht müssen, auch nicht anbei-ten wollen, oder wenigstens nicht mehr arbeiten, als die Noth erheischt. Da nunder Boden ohne viele Mühe das Nothwendigste hervorbringt, so ergeben sich dieehemaligen Sklaven den größten Theil der Zeit dem Müßiggänge.

Die Anregung zur Trennung der Conföderation Columbia begann, wie wiroben erzählt, im Jahre 1850 in Venezuela. Dem General Paez, welcher die Un-abhängigkeit der Republik begründete und zu zwei verschiedenen malen als Präsidentdie Regierung leitete, hatte das Land mehre Jahre hindurch Ruhe und Wohlstandzu verdanken. Die Republik gab sich eine Verfassung, welche in keinem wesent-lichen Punkte von der Neugranadas verschieden ist. Paez wollte nun aus einerArt misverstandener Hochherzigkeit, wie dies nicht selten bei dem Quixotowesender 'Spanier und ihrer Nachkommen in Amerika vorkommt, die im Jahre >847durch das Abtreten des Generals Carlos Soubletke erledigte Präsidentschaft nichtmehr von neuem übernehmen. Der gefeierte Held schlug hierzu den General JoseTadeo Monagas vor und wußte diese Wahl vermöge seines großen Ansehens selbstim Widersprüche mit der öffentlichen Meinung durchzusetzen. Monagas hatte sichschon mehrmals als unruhiger Häuptling gezeigt, welcher immer bereit, seine herrsch-füchtigen Plane gegen alle gesetzliche Ordnung mit dem Schwert in der Hand durch-zuführen. Die Kurzsichtigkeit des Paez rächte sich gar bald an ihm selbst, undVenezuela litt dadurch unsägliches Elend bis auf den heutigen Tag. Kaum warnämlich Monagas in der feierlichen Sitzung des Congresses am 23. Jan. 1847zur Präsidentschaft erhoben, so verband er sich mit allen unruhigen revolutionärenKöpfen, welche die durch Paez begründete Ordnung umstoßen wollten. Monagasrechnete mit gutem Grunde, daß aus den Wirren eine Dictatur hervorgehen werde.Ein gewisser Leocadio Guzman, welcher mannichfacher Meutereien und Brandschrif-ten wegen von dem obersten Gerichtshöfe zum Tode verurtheilt war, erhielt alsbaldvom neuen Präsidenten seine Begnadigung und seine Freiheit. Guzman wurde nachCuracao verwiesen, von wo er seine Umtriebe in der Republik fortsetzen konnte.Diese und andere ähnliche Handlungen erregten eine bittere Stimmung im ganzenLande; die Presse erhob sich einstimmig gegen das willkürliche ungesetzliche Verfahrendes obersten Staatsbeamten, und ein großer Theil der 15 Provinziallegislaturen —die von Apure, Aragua, Barcelona, Barinas, Barquisimeto, Carabobo, Caracas,Coro, Cumana, Cuarico, Guyana, Maracaibo, Margarita und Trujillo — sandteAdressen an den Congrcß und verlangte die Anklage des gesetzlichen Präsidenten.Monagas vereitelte diese über seinem Haupte schwebende Gefahr durch einen furcht-baren blutigen Staatsstreich. Am 24. Jan. 1848 umzingelten die Soldaten des