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Brasilien und Südamerika.
Präsidenten den Congreß, welcher im Kloster Sau-Fraucisco zu Caracas tagte,jagten die Depntirten mit Kolbenstößen auseinander und erschlugen diejenigen, welcheden geringsten Widerstand versuchten. Vier Abgeordnete blieben auf dem Platze;einer wurde tödtlich verwundet davongetragen. Nachdem dies Alles geschehen, er-schien Monagas, beklagte das Geschehene und versuchte die Gräuel einer Pöbel-emeute zuzuschreiben, welche er nicht habe beherrschen können. Damit aber überseine Betheiligung an dieser That, damit über sein Streben nach Alleinherrschaftnicht der leiseste Zweifel obwalten könnte, so wurde einige Monate später dieserblutige Tag zu einer Nationalfeier erhoben. Und immer noch, so-lange die Herr-schaft der Monagas dauern wird, wird der 24. Jan. als ein hoher Festtag zuVenezuela begangen.
Die übriggebliebenen Deputirten des Congresses wurden von Monagas wiederzusammengerufen, die Widerstrebenden mit Gewalt sogar herbeigebracht. Der Con-greß hielt jetzt unter dem Schwerte der verwilderten Söldlinge des Präsidenten seineSitzungen und decretirte nach seinem Befehle. Paez, welcher, um das Blut derGefallenen zu rächen und die gesetzliche Ordnung wiederherzustellen, das Schwertgegen den Usurpator erhoben hatte, diesen Vater des Vaterlandes haben die Abge-ordneten für einen Aufrührer erklärt; sie haben sogar dem Monagas gedankt wegenseines blutigen Auftretens zur Erhaltung der Ordnung, wie die Tyrannen es überallnennen. Das Grundgesetz ward aufgehoben und dem Präsidenten die unbedingteMacht überkragen. Paez konnte sich mit seiner in der Eile zusammengerafften Land-wehr gegen die geübten Truppen des Monagas nicht behaupten: er flüchtete nachNeugranada, ging von dort nach Curacao, um Hülfe vom Auslande zu erlangen.Guzman, der Verbannte, zum Tode Verurtheilte, ward von Monagas zurückgeru-fen und zum Minister des Auswärtigen und der Justiz erhoben. Der unter allendiesen Unordnungen und Bedrückungen 1849 ueugewählte Congreß bestand natürlichaus unbedingten Anhängern der herrschenden Parkei. Sie erwählten den VerbrecherGuzman zum Vjcepräsidenten und erledigten auch alle andern Fragen nach demWillen des Dictators.
Die Dictatur des Jose Tadeo Monagas erreichte mit dem Anfange des Jahres1851 ihr Ende, und der Congreß wählte am 20. Jan. dieses Jahres seinen Bru-der Gregorio Monagas zum Nachfolger. Die beiden Bruder heißen in der Ge-schichte Venezuelas die „Dynastie Monagas" — eine sehr bezeichnende Benennungfür den gesetzlichen Zustand des Landes. Sie handeln bald in brüderlicher Übereilt-stimmung, bald stehen sie sich feindlich entgegen, was manchmal so weit geht, daßsie selbst das Schwert gegeneinander ziehen. Aber immer gebieten sie, sei es nunin Freundschaft oder in Feindschaft, über die Geschicke ihres Vaterlandes, bis ausden heutigen Tag. Den beiden stehen überdies noch vier andere Brüder zur Seite,welche die hohen Stellen in der Armee und in andern Zweigen des Staatswesensbekleiden. Für die verwirrten Zustände und Begriffe jener spanisch-amerikanischenLänder ist es sehr bezeichnend, daß die Monagas und ihre Genossen bei allem gesetz-losen Treiben die liberale, die Fortschrittspartei in Venezuela vertreten. Sie erstre-ben, wie sie sagen, die Unabhängigkeit des Landes von hierarchischen und europäisch-absolutistiichen Einflüssen zu schützen. Der Erzbischos von Caracas war gestorben,und der Congreß ernannte seinen Nachfolger, Antonio Perez de Velazco. DerPapst verweigerte (1851) die Bestätigung. „Die ist auch gar nicht nothwendig",antwortete der Congreß. „Venezuela erbte von Rechtswegen das Kirchenpatronat,welches ehemals die Päpste den katholischen Königen Spaniens verliehen hatten.Wir wissen es wohl, daß Pins IX. und Cardinal Antonelli dem Dr. Velazco wegenftiner liberalen Grundsätze entgegentreten; aber ebendeshalb ist er für uns die geeignetePerson." ^ Rom kann jetzt seine Beschlüsse nicht mehr mit Gewalt durchsetzen; dieCurie muß sich allenthalben fügen, wo die weltliche Gewalt sich ihr nicht, aus die-fem oder jenem Grunde, freiwillig unterwirft. So auch zu Venezuela. Man ließgeschehen, was man nicht hindern konnte. Nicht so die europäischen Staaten, welche