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Brasilien und Südamerika.
Die Art imd Weise der Regierung hat durch diesen Personenwechsel keine Ände-rung erfahren. Die Herrschaft der Monagas befestigt sich immer mehr; ein Schwa- .ger des Präsidenten, Oriach, wurde (December 1855) Minister des Innern undsollte nächstens zum Vicepräsidenten erhoben werden.
Unter allen diesen und andern an zehn Jahre lang, mit geringer Unterbrechungdauernden Unruhen hat der Wohlstand des Landes furchtbar gelitten. Die Ver-fassung ist zu keiner Zeit vollständig und ihrem Geiste nach ausgeführt worden.Namentlich herrscht in den Finanzen große Zerrüttung; es sind wahrhaft anarchischeZustände. Man hofft in der nächsten Zeit durch Aneignung der an Guano soreichen Vögelinscln einige Erleichterung. Hier und auf den andern Inseln längsder Küsten Venezuelas wird Guano in Fülle gefunden. Es machen aber auch dieNordamerikaner auf die Vögelinseln Anspruch. Commodore Diaz, Vorstand derMarine Venezuelas, ging darum im Mai 1855 nach Washington, um das An-recht seiner Regierung zu begründen, was ihm auch gelungen ist. Schon 1852—53 beließen sich die Budgetansätze der Einnahme blos auf 3,384000 Piaster, ,während die Ausgaben auf 8,248000 berechnet wurden. Die wirkliche Ein-nahme erreichte aber nur die Summe von 2,705000 Piaster, sodaß die meistenBedürfnisse durch Geldaufnahmen zu sehr erschwerenden Bedingnissen, durch Confisca-tionen und willkürlich ausgeschriebene Kriegssteuern gedeckt werden mußten. Dabeisind die Interessen der großen Schuldenmasse nicht bezahlt worden. Die Pensionenblieben rückständig, und die meisten Beamten erhielten keine Besoldung. Man nahmzu allerlei Mitteln, die mehr oder weniger einem Bankrott glichen, seine Zuflucht,um diesem Wirrwarr im Staatshaushalte zu entrinnen. Bei der Auflösung derConföderation von Columbia theilten sich die drei daraus hervorgegangenen selbstän- >digen Staaten in die Schulden. Neugranada übernahm 50, Venezuela 28'/s und 'Ecuador 21'/-^. Dabei hatten aber diese Länder noch allerlei Anfoderungen an .Peru, welche in demselben Verhältnisse ausgetheilt wurden. Venezuela bereinigte ldie seinigen mittels eines Vertrags vom Juli 1854. Die drei Millionen, welcheihm zukamen, erhielt der Staat jedoch unter solchen erschwerenden Bedingungen,daß ein großer Theil verloren wurde. So befindet sich Venezuela in den traurig-sten finanziellen Verhältnissen, während doch das Land eines der herrlichsten auf Er-den ist, sowol in Betreff seiner mannichfachen natürlichen Erzeugnisse wie aller an-dern Hülfsquellen. Venezuela bringt Zucker hervor, Kaffee, Cacao, Taback, eine.Masse medicinischer und Farbestoffe. Man findet hier Zinn- und Kupferminen;vor mehren Jahren sind auch Spuren von Gold- und Silberadern entdeckt worden.Hierzu kommen "die vielen ergiebigen Salinen, selbst Kohlen wurden vor kurzem auf-gefunden. Venezuela bedarf blos einer thätigen, arbeitsame» und mäßigen Bevölke-rung und der Ruhe, um in wenigen Jahren zu großem Wohlstände zu gelangen. Esfehlt aber gegenwärtig noch in dem Grade an Arbeitskräften, daß man 1855 diefreie Einfuhr des Getreides gestattete, weil das fruchtbare Land, von den durchdas Gesetz vom 24. März,1854 freierklärten Sklaven verlassen, nicht genügendangebaut werden konnte. Überdies hatte die Cholera, welche im Jahre 1854 hierwüthete, eine große Anzahl Arbeitskräfte hingerafft. Allem Anschein nach werdenauch hier die,Nordamerikaner ein- und zugreifen. Es hat sich bereits in Neuyorkeine Compagnie zur Befahrung des Orinoco gebildet, welche mit der Regierung vonCaracas in Unterhandlung steht, um die Bedingnisse festzusetzen. Nach den Nach- ^richten vom December 1855 erfreut sich Venezuela endlich der Ruhe und beginntsich zu erholen.
3) Die Republik Ecuador.
Ecuador ist der kleinste der drei, aus der Conföderation Columbia hervorge-gangenen Staaten. Bei einem Umfange von 325000 englischen Geviertmeilen lebenkaum 650 Seelen auf einer einzigen, und zwar besteht diese dünne Bevölkerungaus allen den verschiedenen Racen, welche über ganz Südamerika verbreitet sind: