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Brasilien und Südamerika.
ordnet, paffender Völkerunrecht, Völkerunterdrückung genannt werden könnte." Esverlautete nichts über irgendeinen Erfolg dieser Sendung; sie ist aber erwähnens-werth zur Bezeichnung der Stimmung, welche allenthalben bei der liberalen Parteiin Amerika gegen das monarchische Europa herrscht, im Süden wie im Norden.Hieraus sind auch im Jahre 1854 jene Gesetze gegen die im Lande lebenden Frem-den hervorgegangen, welche auf die drohende Einsprache der europäischen Regierun-gen theilweise zurückgenommen werden mußten.
Mitten unter diesen und andern Vorkehrungen zur Begründung eines geord-neten Staatslebeus in Venezuela brach im Mai 1855 in vielen Gegenden des Lan-des eine neue Revolution aus, zu Carabolo, Barquesimetto, Merida und in andernProvinzen. Juan de Llamosa, ein Schwager des in der Verbannung lebenden Ge-nerals Paez, und andere bekannte Häuptlinge der conservativen oder oligarchischenPartei, wie sie von ihren Gegnern genannt wird, standen an der Spitze. Siehatten ihren Anhang in der Landbevölkerung auf den Llanos oder dem Flachlande.Eine andere Bewegung erhob sich mit einem vorgerückten demokratischen Pronuncia-mento, sodaß die Monagas alle ihre Hülfsmittel aufbieten mußten, um sich gegendiese'zwiefachen Feinde in der Macht zu erhalten. Der Zwiespalt unter den Lei-ter» der nach verschiedenen Zielen strebenden Meuterer und ein furchtbares Erd-beben, welches (15. Juli 1853) Cumana heimsuchte, waren ihnen treffliche Bun-desgenossen. Die Aufstände konnten in wenigen Wochen niedergeworfen werden undder Präsident Gregorio Monagas schaltete wiederum mit Hülfe seiner Brüder gleich-wie früher. Die Kammern erhoben die beiden ältern Monagas, Jose Tadeo undGregorio, zur Belohnung ihrer außerordentlichen Verdienste um die Wiederherstellungder Ruhe zu lebenslängliche» commandirenden Generalen der bewaffneten MachtVenezuelas. Die Ruhe ward jedoch nur auf kurze Zeit erhalten. Gleich nach demSchlüsse der Session von 1854, wo dem Präsidenten in Betracht der gefährlichenLage des Staats die dictatorischc Gewalt, wie bereits früher mehrmals geschehen,erneuert wurde, brach in mehren Provinzen der Aufstand von neuem aus, demsich die Mouagas abermals mit Erfolg wie im Jahre vorher entgegenstellten. „LiberaleVenezuelas", so sprach Gregorio Monagas (14. Juni 1854) in einer von süd-lichem Schwung getragenen Proclamation, „Paez und seine Satelliten federn unsnochmals zum Kampfe heraus. Sie dürsten »ach unserm Blute; sie wollen es aufdem Altare ihrer Rache vergießen. Wir kämpfen für die Freiheit, für welche wirso häufig gestritten haben. Wir werden nochmals das Schwert für das Vaterlandunserer Kinder aus der Scheide ziehen; wir leben in der Zuversicht des Sieges, wirwerden unter Lobgesängen und Ruhmeslieder» zu unserm friedlichen Herde zurück-kehren. Ich schwöre es euch, tapfere und freie Vertheidiger des Vaterlandes, Ve-nezuela wird die Beute keines Tyrannen werden. Die Sonne unsers Vaterlandeswird nur über freie Männer oder über die Leichenhaufen der Erschlagenen scheinen."Es war aber nicht so leicht, diese revolutionäre Bewegung niederzuschlagen. Siedauerte unter furchtbarem Blutvergießen länger als ein Jahr. Die Monagas, voneinem großen Theile der Creolen verlassen, neigten sich immer mehr zu den Negern;die größere Anzahl ihrer Truppen bestand und besteht aus Schwarzen und Misch-lingen. Die Weißen sind verdächtig und werden mit schweren Kriegssteuern belastet.Nach grossen Anstrengungen blieb endlich die „Dynastie Monagas" Sieger. Alle, dienicht fliehen konnten oder nicht fliehen wollten, mußten sich ihnen im Jahre 1855 un-bedingt unterwerfen. Gregorio Monagas ward von seinen Truppen zum Dictator aus-gerufen und herrschte nun in furchtbar despotischer Weise über das unglückliche LandVenezuela. Die zahlreichen Flüchtlinge, welche theils zu Neuyork, theils zu Curacaoleben, warten aber nur aus eine günstige Gelegenheit, um im Verein mit den un-zufriedenen Creolen die drückende Neger- und Mischlingsherrschaft abzuschütteln. Soberichtet wenigstens die unterworfene, die geschlagene Partei. Am 20. Jan. -1855gmg die Dictatur des Gregorio Monagas zu Ende. Ihm folgte in regelmäßiger-Weise, mittels der Wahlcollegien, sein Bruder Tadeo als Präsident der Republik.