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Brasilien und Südamerika.
Amerikas erhoben werden." Flores erhielt zu Madrid Geld in Fülle, wofür inEngland Dampfer angekauft und in Spanien Truppen angeworben wurden. DieExpedition ward so offen und großartig betrieben, daß die meisten amerikanischen Regie-rungen sich bedroht glaubten und Einsprache erhoben. Das spanische Cabinet mußte,wollte es keine Gegenangriffe hervorrufen, die Unternehmung aufgeben, die Anwer-bung verbieten und die Schiffe mit Beschlag belegen. Flores ging nach Amerikazurück, warb dort mittels der großen Summen, welche er aus Europa brachte,eine zahlreiche Mannschaft, und suchte nicht blos in Ecuador, sondern auch zu Peruund Bolivia die gesetzliche Ordnung umzustoßen. Sein Plan mißlang. Der Aben-teurer mußte sich nochmals auf die Flucht begeben; er zog sich nach Ncuyork zurück,um frische Plane des Umsturzes gegen sein Vaterland zu schmieden.
Unter allen den verschiedenen Namen und Bestrebungen in den ehemaligen spa-nischen Ländern Amerikas liegen in Wahrheit blos zwei grundsätzlich verschiedeneParteien verborgen: die, welche den Ideen und Bedürfnissen der Zeit, dem Fort-schritte huldigt, und jene, welche mehr oder weniger die Vergangenheit, die abso-lutistisch-hierarchischen Zustände zurückbringen will. Die andern sind Fractionen,blos dem Grade nach verschieden. Die zwei großen Parteien stehen und standensich allenthalben feindlich einander entgegen: so auch in Ecuador am Ende der Prä-sidentschaft des Generals Ramon Roca. Hier hielten sich beide Richtungen zu jenerZeit (1849) derart das Gleichgewicht, daß der Congreß, welchem die Wahl desPräsidenten zusteht, selbst nach 100 Gängen zu keinem Ergebniß gelangen konnte.Kein Candidat, weder General Antonio Elizalde noch Diego Noboa, vereinigte diedurch die Verfassung vorgeschriebenen zwei Drittel der Stimmen. Die Machtverblieb demnach in den Händen des Vicepräsidenten Ascasubi, eine eben durch dieseSpaltung und Parteistellung sehr geschmälerte, wankende Macht.
Solche Umstände boten natürlich den revolutionären Kräften allerlei Verlockun-gen dar, sich zu regen und mittels Gewalt die Herrschaft an sich zu reißen. Undso ist es auch geschehen. Zu Guayaquil erhob sich am 20. Febr. 1850 eine Em-pörung, welche die Zusammenberufung eines Nakionalconvenks verlangte, um dieWahl eines Präsidenten vorzunehmen. Beide Parteien neigten sich schnell diesemgewaltsamen Hülfsmittel, um der zweifelhaften unsicher» Lage loszuwerden. DieserConvent trat nun auch am 8. Dec. 1850 zu Quito zusammen und erhob den con-servativen Candidaten Diego Noboa auf den Präsidcntensitz. General Antonio Eli-zalde wollte sich diesem souveränen Beschluß nicht fügen, versuchte Aufstände; aberer ward geschlagen und des Landes verwiesen. Nun traf Präsident Noboa eineMenge Einrichtungen, welche der liberalen Regierung im benachbarten Neugranadagar sehr misfielen, ja welche dieselbe mit Grund als feindselige Maßnahmen betrach-ten mußte. Die aus Neugranada verbannten Jesuiten wurden zu Quito freundlichaufgenommen und ihnen die Heranbildung der Jugend übertragen. Die RegierungNeugranadas ließ Truppen an die Grenzen rücken, um Ecuador zu zwingen dieseOrdensleute aus dem Lande zu jagen; sie ließ sich selbst von dem zu Bogota tagen-den Congresse die Vollmacht geben, im Nothfalle dem jesuitischen Nachbarstaate denKrieg zu erklären. Demgemäß ward am 15. Juni 1851 der Regierung Ecuadors«ine Note überreicht, worin die Austreibung verlangt wurde. „Überdies habe manüber Umtriebe in den südlichen Provinzen Neugranadas sich zu beklagen. Ecuadorunterstütze die Rebellen, gestatte ihnen Truppen anzuwerben und gewähre allerleiandere Unterstützung." Ein Principienkrieg zwischen den benachbarten Republikenschien unvermeidlich, ein Sonderbundskrieg der Jesuiten wegen in Amerika, wiewir ihn aus denselben Ursachen einige Jahre vorher in der Schweiz gesehen haben.Zum Glück trat die neue Revolution in Ecuador dazwischen und vereitelte das selbst-mörderische, von der Hierarchie mit Freuden begrüßte Unternehmen. General Urbina,welcher auf Nvboa's Befehl gegen Neugranada ziehen sollte, vermochte seine Trup-pen, die Fahne der Insurrektion zu erheben. Am 17. Juli 1851 verkündete dieGarnison zu Guayaquil ihr „heroisches Pronunciamento". Der jesuitische Präsi-