324 Brasilien und Südamerika.
Schiffe, welche die Flüsse zuerst befahren, sollen auf 20 Jahre von allen Hafen-gebühren befreit bleiben; derselben Abgabenfreiheit erfreuen sich auch alle währenddieses Zeitraums eingeführten Waaren. Den Familien, welche sich an Uferland.schaften niederlassen, seien es Einheimische aus Ecuador oder Fremde, werden Lau-dereien unentgeltlich angewiesen. Die Nordamerikaner waren wiederum die Ersten,welche von dieser Freiheit Gebrauch machten. Ihre Schiffe befahren bereits dieFlüsse; Ausrüstungen wurden vorgenommen, um den Zusammenhang der Gewässeruntereinander und mit dem Maranon zu untersuchen. Eine Expedition zur Auf-nahme des Amazonenstroms und des Maranon ist Ende des Jahres 1853 vonNeuyork abgegangen. Sie bestand aus zwei Dampfern, welche die Entfernung vonPara in Brasilien bis gegen Loreto an der peruanischen Grenze, eine Strecke von3000 englischen Meilen, in 59 Tagen zurücklegten. Dort bei Nanta, ungefähr 200englische Meilen von Loreto, sollen indessen die Amerikaner liegen geblieben sein,um über ihre Weiterfahrt mit der Regierung in Lima zu unterhandeln. Brasilien,welches noch immer sich gegen die Freigebung der Schiffahrt, namentlich auf demAmazon sträubt, wird sich fügen müssen. Diese und andere von Nordamerika aus-gehenden Expeditionen werden nicht blos durch Abenteurerwesen und Gewinnsuchthervorgerufen, sondern es knüpfen sich hieran höhere politische Absichten. Man zieltauf die Ausschließung des europäischen Einflusses, auf die Herstellung einer innigenVerbindung zwischen Nord- und Südamerika und auf die Ausdehnung der soge-nannten Monroelehre über den ganzen Continent und seine zahlreichen Inselgruppenin einem Sinne, woran das Cabinet des Präsidenten Monroe niemals dachte. „Esist einer unserer Grundsätze", äußerte der Nordamerikanische Gesandte White amEnde des JahreS 1853 zu Quito, „daß der Friede die einzig wahre Politik ist dererleuchteten Völker, vorzüglich derjenigen, welche so glücklich sind, sich der republi-kanischen Institutionen erfreuen zu können. Der beneidenswerthe Zustand der Be-völkerung in den Vereinigten Staaten, der freiesten und reichsten auf Erden, muß ne-ben ihrem eingeborenen Genius, neben ihrer angeborenen Thatkraft vorzüglich jenerBeharrlichkeit zugeschrieben werden, mit allen Reiche» auf Erden im Frieden zu ver-harren. Dabei ist aber die Regierung und das Volk der Vereinigten Staaten im-mer bereit, diese glücklichen Zustände aufzugeben und alle Wechselfälle des Kriegszu übernehmen, sobald eS sich darum handeln würde, die feindlichen Einflüsse dermonarchischen Staaten in der Alten Welt gegen die Unabhängigkeit, gegen die Frei-heiten und den Fortschritt der republikanischen Regierungen Amerikas zu bekämpfen,zu beschützen." Eine innige Verbindung herrscht zwischen Ecuador und Nordamerika,was die Nachbarstaaten, Brasilien namentlich und Chile, höchst ungern sehen. InChile betrachten sie sogar, wie man aus der Darstellung dieser Republik ersieht, dasProtectorat der amerikanischen Angelsachsen über Ecuador für das größte Unglück,welches die amerikanischen Spanier getroffen hat seit den glorreichen Jahren ihrerBefreiung.
-1) Die Republiken Peru und Bolivia.
Die zahlreichen Parallelketten der Cordilleren Südamerikas umschließen nichtselten Plateauflächen bedeutender Höhe, wovon Gebirge auskaufen nach östlicherRichtung. Weil die Hauptkette dem Westen sich nähert, ist der Gesammtabfall desGebirges gegen den Stillen Ocean steiler als gegen Osten am Atlantischen Meere.Die Küstenterraffen im Westen, in einer Breite von 5 — 70 deutschen Meilen, sindhier und da steppenartig und im Allgemeinen nur von geringer Fruchtbarkeit. Diesgilt in höherm Grade von den Ländern westlich der Cordilleras de los Andes, wiejene von Norden nach Süden durch Ecuador und Peru, durch Bolivia und Chilelaufenden Gebirge ursprünglich in ausschließender Weise genannt wurden. In wei-terer Ausdehnung heißt jetzt das gaüze südamerikanische Kettengebirge die Anden.Die Gestadelandschaftcn jener Länder sind hiernach weniger ausgebildet, und besitzenim Verhältniß zu ihrer großen Ausdehnung keine so zahlreichen herrlichen Häfen